Für den Dreiländerpunkt haben die Niederländer neue Pläne vorgestellt

Niederländer wollen hoch hinaus: Dreiländereck: Gewaltiger Turm geplant

Die Niederländer wollen den Dreiländerpunkt neu sortieren. Autos sollen in Zukunft nicht mehr am Grenzstein vorbeifahren. Vaals will eine „Quelle Europas“ samt neuem Aussichtsturm bauen.

Wenn Niederländer hoch hinaus wollen, klettern sie den Vaalserberg zum Dreiländerpunkt empor. Der liegt immerhin 323 Meter über dem Meeresspiegel und gilt als höchster Punkt Hollands – sieht man mal vom Inselchen Saba der Niederländischen Antillen ab, wo der Vulkan Mount Scenery 877 Meter Höhe misst. Kompliziert genug ist die Sache aber allein schon vor der Aachener Haustür an besagtem Dreiländerpunkt.

Wo sich die Niederlande, Belgien und Deutschland am Grenzstein treffen, trifft man nämlich auch Autos. Die fahren da von Parkplatz zu Parkplatz, vielfach nur haarscharf an Touristen vorbei, die sich gerade in Grüppchen gegenseitig vor den drei Flaggen an den Pylonen ablichten. Nicht nur das soll sich ändern. Ein Bild von der insgesamt unübersichtlichen Situation auf dem bewaldeten Hügel haben sich nämlich Experten des Planungsbüros „Maurer United Architects“ gemacht – und einen detaillierten Masterplan erarbeitet, der das Dreiländereck dort oben völlig neu sortiert.

Zentraler Bestandteil des Projekts „Quelle Europas“ ist dabei ein gewaltiger Aussichtssturm, der die beiden bestehenden Turmbauwerke – den etwa 50 Meter hohen Balduin-Turm auf belgischer Seite und den neueren Wilhelmina-Turm als niederländisches Pendant – buchstäblich um Längen in den Schatten stellen soll. Nicht weniger, als „eine Ikone für Europa zu bauen“, schwebt Chefplaner Mark Maurer vor, wie er jetzt einigen sichtlich beeindruckten Politikern im Aachener Planungsausschuss erklärte.

Kein roter Faden

„Das Gelände, der größte Teil davon auf niederländischem Boden, ist unübersichtlich geordnet. Dies wollen wir mit einem umfassenden neuen Konzept ändern“, erklärt Maurer. Viele Besucher fänden zwischen Kinder-Heckenlabyrinth, Imbissbuden, Restaurants, Wander- und Radwegen sowie Spielplätzen kaum einen roten Faden. Alles dreht sich bei Maurer um einen neuen, klaren Rundkurs und Querverbindungen in die benachbarten Städte zur europäischen Geschichte. Dabei beginnt er quasi mit der menschlichen Besiedlung des Vaalserbergs. Etage für Etage könnte in dem neuen Turmbauwerk – eine Art „Kaleidoskop“ – Epoche für Epoche gemeinsamer Vergangenheit buchstäblich beschritten werden. Ein Turmfuß in Form eines achteckigen Fundaments angelehnt an das Oktogon des Aachener Doms ist hier ebenso vorgesehen wie in höheren Stockwerken eine Reminiszenz an den 16-eckigen Saal im Parlamentsgebäude, in dem 1992 der Vertrag von Maastricht unterzeichnet wurde. Man steigt als Besucher auch architektonisch durch die Epochen, natürlich soll es auch informative Ausstellungen geben. „Wichtig ist uns aber auch die Verknüpfung dieses touristischen Anziehungspunktes mit den umliegenden Städten – natürlich auch Aachen mit der Route Charlemagne“, sagt Maurer. Ein autonomes Busshuttle-System könnte die Punkte miteinander verbinden. Und so ein Bus wäre dann in Zukunft auch das einzige motorisierte Gefährt, das über den Dreiländerpunkt fährt. „Die Autostraße dort ist fehlplatziert; wir würden den Verkehr zu den Parkplätzen im großen Bogen um den Dreiländerpunkt führen wollen“, erläutert er.

Bei der Konzeption arbeiten die Unternehmer und privaten Grundbesitzer eng mit dem Vaalser Bürgermeister Reg van Loo, belgischen Kollegen und auch Aachener Experten zusammen. Für die Kaiserstadt ist OB-Referent Peter Sellung in der Lenkungsgruppe an Bord. „Das ist ein deutlicher Beleg für die wirklich sehr gute und unkomplizierte Zusammenarbeit über die Grenze hinweg“, erklärt er. „Obwohl das Ganze ein Konzept ist, das auf Vaalser Gebiet realisiert werden soll, werden wir als Stadt Aachen nicht nur auf dem Laufenden gehalten, sondern sind von Beginn an auch an der Projektgruppe beteiligt – und das keinesfalls nur pro forma. Sollten die Pläne tatsächlich so oder ähnlich umgesetzt werden können, wäre dieses Erlebnismuseum der europäischen Geschichte unseres Dreiländerecks auch für die Menschen in Aachen und ihre Gäste eine echte neue Attraktion“, betont Sellung.

Mit dem Baubeginn ist allerdings frühestens in einigen Jahren zu rechnen. Im nächsten Schritt werden nun die technische Machbarkeit, mögliche Dimensionen und vor allem Finanzierungsfragen abgeklärt. Man will hoch hinaus. Das kann teuer werden.

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