Aachen: Frischer Wind im Klassenzimmer

Aachen: Frischer Wind im Klassenzimmer

Seit einem Jahr führen Michelle und Joanna ein Lerntagebuch. Jede für sich, ein neuer Eintrag kommt jeweils nach einer neuen Stunde Förderunterricht in Deutsch, Englisch oder Mathematik hinzu.

Die Mädchen tragen hier genau wie ihre Mitschülerinnen und Mitschüler der fünften, sechsten und zehnten Klassen der David-Hansemann-Schule ein, was sie wann und wie gelernt haben und - ganz wichtig - wie sie ihre eigene Lernleistung dabei einschätzen. „Dadurch leiten wir die Schüler zu eigenverantwortlichem Lernen an”, erklärt Deutsch-Lehrerin Heidi Mörth.

Das Lerntagebuch ist Teil des Förderprogramms „Komm mit! Fördern statt Sitzenbleiben” des Schulministeriums NRW, das die David-Hansemann-Realschule jetzt im zweiten Jahr anbietet. „Jeder Schüler hat durch den Beschluss der Landesregierung das Recht auf individuellen Förderunterricht”, erläutert Möth. Auf individuelles Lernen statt Lernen im Klassengleichschritt setzt Schulleiter Hanno Bennemann dabei - und zwar erfolgreich: Die Sitzenbleiberquote sank nach einem Jahr Ergänzungsunterricht deutlich. Nur noch 21 Kinder wiederholten 2009 eine Klasse, ein Jahr zuvor waren es noch 31 der insgesamt 575 Schüler. „Das ist ein Rückgang um mehr als 30 Prozent”, freut sich Michael Höbig, stellvertretender Schulleiter.

Ein Leistungstest im Rahmen der zentralen Abschlussprüfung der zehnten Jahrgangsstufe hatte ergeben, dass die Sitzenbleiberquote mit fünf Prozent an der David-Hansemann-Schule deutlich über dem landesweiten Durchschnitt von einem Prozent lag. Mittlerweile bleiben nur noch rund drei Prozent der Schüler sitzen, im laufenden Schuljahr soll diese Zahl nochmals um 50 Prozent reduziert werden. Bennemann führt den Quotenerfolg auf das Förderprogramm zurück, kritisiert aber die Landesregierung: „Die Landesregierung hat zwar das Programm beschlossen, leistet bei der Umsetzung aber nur sehr wenig Hilfe. Allein mit Engagement der Kollegen kann man kein Konzept umsetzen.” Deshalb ist Bennemann dankbar für die finanzielle Unterstützung aus dem Generali Zukunfts-Fonds.

Mit 12000 Euro hat das Unternehmen drei Lernwerkstätten für den Förderunterricht eingerichtet. „Unternehmen sollten an die Gesellschaft zurückgeben, was sie von ihr bekommen. Dazu gehören auch gut ausgebildete Mitarbeiter. In der Schule werden dafür die Grundsteine gelegt, deshalb fördern wir hier gerne”, sagt Loring Sittler von der Generali-Gruppe Deutschland. Doch mit dem Förderunterricht ist es längst noch nicht getan: „Unterrichtsmethoden und Schule an sich müssen sich vollständig wandeln”, fordert Bennemann. Dabei soll das Lernen stärker an die Bedürfnisse der Schüler angepasst werden. Michelle und Joanna gefällt das: „Wenn wir Gruppenarbeit machen, macht das Lernen mehr Spaß. Man muss sich nicht schämen, vor der ganzen Klasse etwas Falsches zu sagen”, findet Joanna. „Dann stimmt die Motivation und man geht viel lieber zur Schule.”