Aachen/Vogelsang: Friedensfackellauf Flame for Peace: Hand in Hand ein Zeichen gesetzt

Aachen/Vogelsang: Friedensfackellauf Flame for Peace: Hand in Hand ein Zeichen gesetzt

Der Friedensfackellauf Flame for Peace, initiiert vom Aachener Netzwerk für humanitäre Hilfe und interkulturelle Friedensarbeit, war wieder unterwegs. Nicht auf einer Mammutstrecke von 2800 Kilometern wie 2014 aus Sarajevo durch zwölf Länder nach Aachen, sondern eintägig konzipiert als Sternlauf nach Burg Vogelsang in der Eifel.

Ein vertracktes Mammutprojekt an Koordination: Aus drei Richtungen waren sie gestartet. Vom Markt in Aachen machten sich am frühen Morgen 30 Leute auf — weitere Läufer kamen in Kornelimünster, Hahn und Kesternich dazu. Lionel Rösener (9), der die Fackel 2014 ins Ziel getragen hatte, war in Aachen auch wieder damit losgerannt. Nach zwei Kilometern stieg er allerdings aus — mittags stehe ein Fußballspiel seiner E-Jugend an, sorry, da müsse er Kräfte sparen.

Zehn Jogger waren in Düren und ein Dutzend Schüler und Lehrer aus dem Vossenacker Franziskus-Gymnasium gestartet. Dazu kamen vier Wanderergruppen, die drei Stunden lang aus Steinfeld, Gemünd und Einruhr dem Ziel entgegen gingen, darunter viele Flüchtlinge. Alle sollen gleichzeitig ankommen am Eifeler Schreckensort der Nazi-Herrschaft, wo ein großes „Fest der Begegnung“ anstand.

Alle kamen auch an; einziges Manko: die Läufer waren solidarisch gut eine Stunde verspätet. Manche Teilnehmer der Aachen-Strecke (acht liefen die 47 Kilometer komplett) hatten ihre Waden etwas über- und die steilen Aufstiege am Ende der Strecke unterschätzt. Gleichzeitig mit den Aachenern kamen vor dem Vogelsanger Kultur-Cafe zwei Schüler aus Hürtgenwald atemarm angesprintet, im Glauben, sie seien die letzten. Dabei waren sie die ersten ihrer Gruppe, die sie unterwegs verloren hatten. Die kam kurz danach zusammen mit den Dürenern, die ausgepowert eine Zwangsverpflegungspause bei Schwarzwälder Kirschtorte in Heimbach machen mussten, wie Mitläufer Helmut Hardy einräumte, dem zudem bei Mariawald das GPS-Signal verlorengegangen war: Umweg, Zeitverlust. „Und der Aufstieg zur Burg ist übel.“

Die gut 80 Flüchtlinge aus Aufnahmelagern in Hellenthal und Gemünd reihten sich bei der bewegenden Läuferzeremonie Hand in Hand ein. Die drei Friedensfackeln loderten, fünf Flüchtlingskinder hielten große Zettel mit den Buchstaben P-E-A-C-E hoch, dazu erschallte die Flame for Peace-Hymne der Aachener Rockband Neogene. Das interreligiöse Friedensgebet danach sollte, wie Nationalpark-Seelsorger Timotheus Eller sagte, „für ein Wir-Gefühl mit Blick auf den gemeinsamen Friedenswunsch sorgen.“

Viele Worte, christliche Gesten und Symbole, ein belgischer Buddhist sprach davon, „den Frieden in sich selbst zu finden“: Vieles sicher unverständlich für die Flüchtlinge: Aber muss man deutsch oder englisch können, um die gemeinschaftlichen Energien zu spüren? Sie klatschten jedenfalls am heftigsten. Ein Syrer sagte: „Wir sind hier eingeladen und wissen gar nicht recht warum. Aber toll ist es.“

Flüchtlinge Hauptdarsteller

Und da hatten Celno & Gypsies noch nicht gespielt. Als die Aachener Band losrapte, wurden die Flüchtlinge zu Hauptdarstellern. Die mehrheitlich Syrer, Iraker und Afghanen tobten und jauchzten ausgelassen zur Musik, sprangen auf die Bühne, tanzten und hopsen ekstatisch mit. Jubelsalven donnerten über den historisch so bedrückenden Ort: Die Refugees rockten das alte Nazicamp. „Die sind völlig abgegangen“, freute sich Bandleader Celno nachher, der sich als Halbiraner mit einigen verständigen konnte, „sensationell, die waren ja richtig euphorisiert“. Brigitte Armbruster, Vorstand der Flüchtlingsinitiative Hellenthal, hatte dabei „ein Gänsehaut-Erlebnis“.

Ihre Kollegin Andrea Mirbach schrieb am nächsten Tag: „Wir haben es geschafft, dass diese Menschen für kurze Zeit etwas für uns unvorstellbar Grausames wie den Krieg vergessen durften.“ Einer habe auf der Busrückfahrt glücklich gesagt: „Heute können wir alle wieder einmal eine Nacht schlafen, danke.“ Und ganz nebenbei: Lionels Fußballmannschaft Blau-Weiß Aachen hatte gegen Lichtenbusch 4:2 gewonnen, der Fackelträger zudem ein Tor geschossen. Vielleicht ist so ein energiespendender Friedenslauf auch ein ideales Aufwärmtraining.

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