Fridays for Future: Klimastreik und Demo in Aachen

Friedliche Klimademo : Sie campen und feiern in Aachens Parks

„Weitermachen, bis sich was ändert“: Unter diesem Motto zogen Tausende Klimaschützer vom Elisenbrunnen zum Kennedypark und machten lautstark, aber friedlich, auf ihre Ziele aufmerksam.

Mit einem Thermobecher Kaffee in der Hand steht Jakob Stubenrauch am Freitagmorgen auf dem Gehweg zwischen Frankenberger Park und der Bismarckstraße. „Guten Morgen, wollen Sie was frühstücken?“, ruft er den Passanten zu, die ihn und seine Mitstreiter neugierig beäugen.

Genau wie die anderen neun Mitglieder von Extinction Rebellion Aachen hat Stubenrauch von Donnerstag auf Freitag im Frankenberger Park übernachtet. Gecampt, oder wie die Aktivisten selbst es nennen, „gecampft“. Hier hat sich ein Teil der Gruppe auf die globale Demonstration von „Fridays for Future“ eingestimmt, die am Freitag vom Elisenbrunnen über den Europaplatz zog, aber nicht nur das.

Will den Klimaprotest öffentlich machen: Jakob Stubenrauch. Foto: ZVA/Sarah-Lena Gombert

„Wir wollen die Diskussion über das Klima in die Öffentlichkeit tragen“, erklärt Stubenrauch, „wir wollen mit Anwohnern und Passanten ins Gespräch kommen.“ Dazu wolle man das Aachener Klimacamp so lange aufrecht erhalten, wie man eben „Power“ habe, und so lange es eben die Polizei erlaube.

Busverkehr lahmgelegt

Öffentlichkeitswirksamkeit ist dann wenige Stunden später auch bei der Demo selbst gegeben. Deutlich mehr Teilnehmer als erwartet finden sich an der Rotunde ein und ziehen von dort gemeinsam über die Peterstraße, den Hansemannplatz, die Jülicher Straße und über den Blücherplatz bis zum Europaplatz. Und auch wenn die Teilnehmerzahl längst nicht so hoch ist wie bei der Großdemo im Juni, so steht die Veranstaltung ihrer „Vorgängerin“ in Sachen Kreativität in nichts nach. Neben den Untergruppen „Parents for Future“, „Scientists for Future“ oder „Artists for Future“ mischen sich diesmal auch die „Farmers for Future“ und die „Buddhists for Future“ unters Volk. Auf einigen Plakaten nehmen die Teilnehmer konkret Bezug auf ihre Heimatstadt. Sie prophezeihen Aachen einen Zugang zum Meer, wenn Holland durch den Klimawandel unter dem ansteigenden Meeresspiegel verschwinden würde. Oder sie titeln schlicht „Au banan, et wird warm!“

Sowohl in der Innenstadt – kein Durchkommen für die Busse der Aseag entlang der Peterstraße – als auch am Europaplatz staut sich während der Demo zeitweise der Verkehr. Die Autos, die von der Autobahn 544 in die Stadt fahren wollen, können vom Europaplatz aus in der Mittagszeit nur über die Joseph-von-Görres-Straße in die Stadt. Auch entlang der Düppelstraße im Ostviertel müssen die Anwohner für einige Zeit auf ihr Auto verzichten: Die Aktivisten setzen sich kurzerhand auf den Boden, ein sogenanntes „Sit in“, und skandieren ihre Klimaschutzparolen.

"Alle fürs Klima": Tausende demonstrieren in der Region

Trotz der Wartezeit scheinen sich die Verkehrsteilnehmer weitestgehend auf die Demo eingestellt zu haben. „Wir haben uns zwar einiges anhören müssen von Autofahrern, die im Stau standen“, erklärt Paul Kemen, Sprecher der Aachener Polizei, auf Anfrage. Doch die Demo und der Verlauf durch die Stadt seien lange im Vorfeld angekündigt worden. „Und irgendwann gilt einfach: Demokratie zählt mehr als der fließende Verkehr.“ Auch Aachens Polizeipräsident Dirk Weinspach ist vor Ort, um sich ein Bild von der Lage zu machen und mit Polizeikräften zu sprechen. „Alles in Ordnung, alles ruhig“, lautet Weinspachs knappes Fazit zum Tag.

Ebenfalls positiv fällt dann auch erwartungsgemäß das Fazit der Demo-Organisatoren aus. „Wir können immer noch nicht ganz fassen, dass so viele Menschen gekommen sind“, erklärt Nele Hochkirchen, eine der Organisatorinnen, kurz nachdem die Gruppe am Kennedypark angekommen ist. Viele der Aktivisten machen es sich auf der Wiese gemütlich. Sie hören den Rappern vom Kingz Corner und anderen Musikern zu, die auf der städtischen Bühne auftreten, und sie lassen sich von der Aachener Foodsharing-Gruppe mit frischen Radieschen und Pflaumen versorgen.

Sorge um Teilnehmer

„Wir hatten zwischenzeitlich sogar Sorge, ob wir tatsächlich die angemeldeten 3500 Menschen erreichen. Doch die Sorge war unbegründet“, sagt Hochkirchen. Wenn sich das Orga-Team vom Freitag erholt hat, geht es gleich weiter mit den Planungen für die nächsten Aktivitäten. Unter anderem sei eine Aktion zum Thema Nachhaltigkeit mit der Aachener Volkshochschule geplant, erklärt Nele Hochkirchen. „Wir müssen weitermachen. Weitermachen, bis sich endlich was ändert.“

Weitermachen wollen auch die Aktivisten von Extinction Rebellion im Frankenberger Park. Die sogenannte „Aachener Zelt-Ausstellung“ verstehen die jungen Menschen als „unsere Antwort auf die Internationale Automobilausstellung“, erklärt eine Teilnehmerin. „Aber hier geht es um Verantwortung für das Leben auf unserer Erde.“ Die Gruppe lädt nach eigenen Angaben Anwohner und Aachener Klimaschutzgruppen ein, den öffentlichen Raum gemeinsam zu nutzen und ins Gespräch über Klimagerechtigkeit zu kommen.

Das Camp soll auch länger zur Verfügung stehen: „Wir bleiben im Park, so lange es geht, und hoffen auf viele Menschen, die sich anschließen und ihr Zelt dazustellen“, sagt Jakob Stubenrauch.

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