"Fridays for Future" in Aachen lockt auch an Karneval viele Schüler an

Trotz schulfrei: Knapp 400 Schüler demonstrieren für den Klimaschutz

In Stefans Gesicht ist an diesem Vormittag vor allem eine Emotion zu sehen: Erleichterung. Erleichterung darüber, dass auch an diesem Freitag wieder hunderte Schüler zum Aachener Elisenbrunnen gepilgert sind.

Vorwürfe und Ermahnungen gab es in den vergangenen Wochen und Monaten schließlich genug. Streiken für den Klimaschutz? Schöne Idee – aber doch bitte in der Freizeit und nicht während der Unterrichtszeit, lautet häufig die Aussage, wenn es um „Fridays for Future“ geht.

Für Stefan sind die knapp 400 jungen Menschen, die sich an diesem Vormittag mit Plakaten und Transparenten in der Innenstadt versammelt haben, deshalb ein Symbol. „Es ist ein Symbol dafür, dass wir auch streiken, wenn keine Schule ist. Und es ist ein Symbol dafür, dass wir auch streiken, wenn schlechtes Wetter ist“, sagt der 17-Jährige. Auch innerhalb des Organisationsteams von „Fridays for Future Aachen“ sei man sich unsicher gewesen, wie viele Menschen man am Tag nach Weiberfastnacht zum Bildungsstreik auf die Straßen locken würde, berichtet Stefan. Zumal an einem Tag, an dem an den meisten Schulen frei ist.

Doch sie sind gekommen. Und das zahlreich. Die 18 Jahre alte Julia hat – der jecken Zeit entsprechend – sogar ihr Karnevalskostüm aus dem Schrank geholt. Als Pinguin verkleidet, steht sie vor dem Elisenbrunnen, eine weiße „Ordner-Binde“ um den linken Oberarm gebunden. „Der Pinguin passt einfach, weil uns das Eis wegschmilzt. Und davon bin auch ich betroffen“, sagt die Schülerin des Einhard-Gymnasiums. Sie ist zum zweiten Mal dabei und begleitet den Demonstrationszug zum ersten Mal als Ordnerin.

An dem unterrichtsfreien Tag sind auch viele besonders junge Schüler dabei. Der sieben Jahre alte Levi wurde von seinen Eltern begleitet. Foto: ZVA/Harald Krömer

Vom Elisenbrunnen aus geht es dieses Mal über die Wirichsbongard- und die Schützenstraße zum Hauptbahnhof, von dort ziehen die jungen Menschen weiter ins Hochschulviertel zum Super C bis zum Markt. Auf ihrem Weg ernten sie immer wieder ein zustimmendes Nicken von Passanten. Ein vorbeifahrender Fahrradfahrer hebt anerkennend den Daumen, vor allem die jungen Demonstranten strahlen und bedanken sich.

Nicht nur Schüler sind unterwegs, auch einige Erwachsene haben sich unter die Menge gemischt. So etwa Angela Oels. Die Juniorprofessorin für Environmental Science an der Open Universiteit in Heerlen begleitet ihre Tochter Maya. „Eure Klimapolitik ist ein Witz, aber keiner lacht“, steht auf dem Plakat, das die elfjährige Schülerin noch am Abend zuvor gebastelt hat. „Mich inspiriert das total, was die jungen Menschen hier machen“, sagt Oels. „Und da heute kein Unterricht ist, wollten wir uns das mal angucken.“ 1995 habe sie selbst in Berlin anlässlich des ersten Klimagipfels demonstriert. Seitdem sei nur wenig in Sachen Klimaschutz passiert.

Über den Bildungsstreik, inspiriert von der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, sagt sie: „Wer demonstriert, muss anecken. Wer würde die Schüler ernst nehmen, wenn sie nachmittags streiken würden?“ Deshalb würde sie es auch unterstützen, wenn ihre Tochter in zwei Wochen am Schulstreik teilnimmt. Für den 15. März hat „Fridays for Future“ zum internationalen Bildungsstreik aufgerufen. Das Aachener Organisationsteam hofft, dass dann auch in Aachen wieder besonders viele Schüler auf die Straße gehen, um ein deutliches Zeichen für den Klimaschutz zu setzen. Zumindest Angela Oels haben sie mit ihrem Einsatz längst beeindruckt. Mehr noch: „Ich finde es peinlich, dass die Kinder das für uns machen müssen.“

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