"Fridays for Future" beklagt mangelnde Unterstützung in Aachen

Klimabewegung „Fridays for Future“ : Vier Wochen vor der Großdemo in Aachen fehlen noch die Schlafplätze

Die Schülerstreik-Bewegung „Fridays for Future“ wirft Oberbürgermeister Marcel Philipp mangelnde Unterstützung bei den Vorbereitungen zum „internationalen zentralen Streik“ am 21. Juni in Aachen vor.

Erwartet werden bis zu 20.000 Teilnehmer, die mit Bussen und Sonderzügen aus ganz Europa anreisen. Die Organisatoren versprechen ihnen in den einschlägigen Internetaufrufen bereits, Übernachtungsmöglichkeiten bereitzustellen. Die aber gibt es bislang noch gar nicht.

„Turnhallen, Klassenzimmer und Großzelte“ wolle man vorrangig zur Verfügung stellen, heißt es auf der Homepage zum international beworbenen „Central Strike“ in Aachen. Man habe sich dabei auf erste Signale des Oberbürgermeisters verlassen, die städtischen Turnhallen für das Großereignis zur Verfügung stellen zu wollen, teilte am Donnerstag Benedikt Neukirchen, 16-jähriger Schüler am Gymnasium St. Leonhard und zuständig für die Unterbringung beim Klimastreik, mit. Jetzt lehne „Herr Philipp“ das Anliegen der Organisatoren jedoch „ohne weitere Begründung“ ab.

Vier Wochen vor der Demo hat das Aachener Vorbereitungsteam – allesamt Schüler, die keine Erfahrungen mit Veranstaltungen dieser Größenordnung haben – somit ein erhebliches Problem. „Wir haben auch wegen Campingplätzen, Grün- und Ackerflächen angefragt“, sagt der Zehntklässler Benedikt Neukirchen. Doch alles werde abgeblockt. „Im Moment haben wir nichts“, sagt er.

So schickte „Fridays for Future“ am Donnerstag einen Notruf raus: „Wir rufen Herrn Philipp dazu auf, die jungen Menschen, die aus ganz Europa nach Aachen kommen, nicht im Regen stehen zu lassen. Die städtischen Turnhallen sind die einfachste und beste Möglichkeit, große Gruppen, die mit Bussen und Sonderzügen anreisen, in Aachen unterzubringen.“ Zugleich sicherte Neukirchen zu, alle gängigen Standards des Jugend- und Brandschutzes sowie weitere städtische Auflagen erfüllen zu wollen.

„Schräg“ findet Marcel Philipp den von „Fridays for Future“ verschickten Aufruf, wie er auf Anfrage erklärt. „Die jungen Leute bekommen von der Stadtverwaltung Unterstützung“, sagt er. Seit Wochen seien Mitarbeiter der Verwaltung dabei, zu prüfen, wo man die vielen Schüler unterbringen könne.

Auch Turnhallen würden geprüft, doch gebe es hier natürlich auch andere Nutzergruppen – Sportvereine oder eben Schulen, die man nicht außer Acht lassen könne. „Wir hatten den Jugendlichen den Tivoli angeboten – sowohl als Veranstaltungsort als auch als Übernachtungsort. Doch das wurde abgelehnt“, so Philipp.

Als Veranstaltungsort präferieren die jungen Leute derzeit den Kennedypark, dorthin ist eine Art Sternmarsch geplant. Wo genau die „Fridays for Future“-Demo jedoch letztlich stattfindet, muss die Polizei entscheiden, die die Genehmigungen ausspricht.

Mehrere Aachener Parteien, darunter SPD, Grüne und Piraten, wollen ebenfalls einen Appell an den Oberbürgermeister richten. Aachen möge sich doch als guter Gastgeber und weltoffen präsentieren, soll es darin sinngemäß heißen. Die Verwaltung solle demnach die Schüler auch bei der Organisation einer Schlafbörse und des Sicherheitskonzepts unterstützen. Ob der Appell von der CDU mitunterzeichnet wird, war am Donnerstag noch unklar.

„Ich hege eine große Sympathie für die Bewegung“, betont Philipp, der sich gegen den Vorwurf wehrt, die Organisatoren im Regen stehen zu lassen. „Ich finde die Herangehensweise und auch die Inhalte, die die Schüler transportieren, sehr richtig.“ Allerdings müsse man auch bedenken, dass die Stadtverwaltung alle angemeldeten Demos grundsätzlich gleich behandeln müsse.

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