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"Fridays for Future" Aachen organisiert sich neu

„Fridays for Future“ : Menschenkette rund ums Rathaus

Die „Fridays for Future“-Bewegung hat am Freitag auf dem Markt auf sich aufmerksam gemacht. Der Protest der Aachener Gruppe soll in Zukunft etwas anders organisiert werden.

„Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns die Zukunft klaut.“ Dieser unter Fridays-for-Future-Mitgliedern deutschlandweit benutzte Schlachtruf schallte auch am Freitagmittag immer wieder über den Aachener Markt. Zum Abschluss der „Week For Climate“, die mit der Großdemonstration am 20. September startete, mobilisierten die jungen Umweltaktivisten rund 150 Mitstreiter, um mit einer Menschenkette das Rathaus zum umschließen. Dies gelang zunächst zwar nicht in Gänze, zumindest den Karlsbrunnen konnte man allerdings Hand in Hand umringen.

Nichtsdestotrotz dürfte die Botschaft angekommen sein. „Die Kette aus Menschen bringt noch einmal Aufmerksamkeit symbolischer Art und zeigt den Zusammenhalt für unser gemeinsames Ziel“, erklärt die 20-jährige Studentin Merit Raudonat, die immer wieder neugierige Passanten per Megafon anlockte und für die Idee gewann. Ausgestattet mit Plakaten für den Kohleausstieg und anderen in kreativer Weise kritisierenden Schildern gaben die Demonstranten ein buntes Bild aus Forderungen ab.

Im Mittelpunkt der Aktion stand eine von den Aachener Mitgliedern der Klimabewegung verfasste Rede an die Bundesregierung. „Politik, handle jetzt!“, lautete die mehr als eindeutige Forderung an deren Ende, zuvor wurde die Nicht-Einhaltung der Klimaziele angeprangert und nicht zum ersten Mal festgestellt: „Offenbar ist die Gesellschaft in Sachen Nachhaltigkeit und Umweltschutz schon um einiges weiter als die Menschen, die an deren Spitze stehen.“ So zumindest fasst es die 17-jährige Hannah Lindlar zusammen, die für diese Aussage mit begeistertem Applaus belohnt wird.

Unter anderem um das Thema Nachhaltigkeit ging es auch an den anderen Tagen der „Week for Climate“, die auch die Aachener Öffentlichkeit durch zahlreiche kreative Ideen zu spüren bekam. „Durch die im ganzen Land durchgeführte Klimawoche wollen wir zeigen, dass wir nicht nur demonstrieren können, sondern die Menschen auch aktiv dazu ermuntern, über ihren Lebensstil und politische oder ökologische Umstände nachzudenken“, erläutert Hannah Lindlar die Ziele der Aktionstage. So traf man sich am Samstag, dem Tag nach der Großdemonstration, im Frankenberger Park zum kollektiven Müll sammeln. An den darauffolgenden Tagen ging es unter anderem vor das Rathaus, wo riesige Eisblöcke sowie ein Stoffpinguin aufgestellt wurden. „Mit dieser Aktion wollten wir auf das Schmelzen der Pole aufmerksam machen“, berichtet Lindlar.

Des Weiteren erfolgte eine Kleidertauschaktion am Markt und sogenannte „Die-Ins“, bei denen man mit einer großen Gruppe auf Kommando umfällt und sich tot stellt. Dies fand vor allem vor den Parteizentralen Aachens statt, allen voran galt die Kritik CDU und SPD. Nach Bildung der Menschenkette auf dem Markt stand zudem eine Zusammenarbeit mit der Volkshochschule Aachen auf dem Programm, wo durch Workshops und einen Film über die nachhaltige Nutzung des Planeten und erneuerbare Energie informiert wurde.

Intensiver und kreativer

Das Resümee der „Fridays For Future“-Aktivisten fällt positiv aus: „Gerade über die sozialen Netzwerke haben wir viele gute Rückmeldungen bekommen. Oft wurde auch gefragt, wann demnächst wieder Aktionen dieser Art stattfinden“, zieht Merit Raudonat Bilanz. Und nicht nur an Berlin, auch an die Stadt Aachen haben Raudonat und ihre Mitstreiter Forderungen: „Klar ist, dass die Fahrradwege in der Stadt viel zu schlecht ausgebaut sind. Außerdem ist der ÖPNV deutlich zu teuer.“ Um auf diese Forderungen in Zukunft noch kraftvoller aufmerksam zu machen, hat der Aachener Ableger von „Fridays For Future“ seinen System geändert: „Ursprünglich haben wir zweimal im Monat demonstriert, nun wollen wir dies nur noch einmal tun, jedoch soll diese eine Demo umso intensiver und kreativer gestaltet werden“, erklärt Raudonat.