Aachen: „Freundschaftspreis mit Nüssen“ für Buchhändler-Ehepaar Hoppe-Vennen

Aachen : „Freundschaftspreis mit Nüssen“ für Buchhändler-Ehepaar Hoppe-Vennen

Von Aachen als einer Stadt der Preise zu sprechen, wäre untertrieben. Es käme sogar fast einer Beleidigung gleich, schließlich ist es wissenschaftlich erwiesen, dass es die Stadt mit der höchsten Pro- Kopf-Dichte in Sachen Preisverleihungen ist — seit Beginn der Zählungen im Jahr 814. Klingt an den Haaren herbeigezogen?

Mag sein, aber fest steht doch: Wer Preise vergibt, der braucht eben einen angemessenen Rahmen. Das ist auch bei der Verleihung des „Internationalen Aachener Freundschaftspreises mit ganzen Nüssen“ nicht anders, der zum zweiten Mal im Café Couleur verliehen wurde.

Und so hob Laudator und „Preis-Krematoriums“-Mitglied Wendelin Haverkamp den Stellenwert dieser Veranstaltung durch nicht ganz ernst gemeinte wissenschaftliche Belege hervor. Immerhin wurden zwei Menschen geehrt, die „eine kultivierte Atmosphäre in der Stadt schaffen und zu einem Anlaufpunkt des kulturellen Austauschs geworden sind“, betonte Haverkamp völlig ernsthaft und frei von jeder Ironie.

Die Rede ist vom Ehepaar Dr. Walter Vennen und Barbara Hoppe-Vennen, die als Inhaber der Buchhandlung „Schmetz am Dom“ seit vielen Jahren ein gutes Stück der Stadtkultur prägen. „Sie sind nicht nur ein wichtiger Teil der intellektuellen Szene von Aachen, sondern gehören auch zu einer aussterbenden Spezies“, witzelte Haverkamp und ergänzte: „Das Ehepaar Vennen ist nämlich der Gattung der lesenden Buchhändler zugehörig. Eine Art, die leider immer weiter ausstirbt.“

Mit ihren Literaturevents, unter anderem unter dem Titel „Literatur life“, kombinieren sie den musikalischen Aspekt mit dem literarischen und erreichen dadurch viele Menschen, die sich ebenfalls für Literaturkompositionen begeistern. Da ist es nicht verwunderlich, dass sich die „Krematoren“ der Preisjury unter dem Versuch, ihre Emotionen ansatzweise im Zaun zu halten, für Familie Vennen entschieden haben.

Musikalisch untermalt wurde die Verleihung, bei der ausschließlich geladene Gäste anwesend waren, von Manfred Leuchter, Semal Sembritzku, Uwe Böttcher sowie Dieter Kaspari. Auf der Hand lag für Haverkamp in dem gefühlsbetonten Zusammenhang die Nähe zum Prinzip der Nachtabsenkung. Bitte was? „Im Land der überfrierenden Nässe ist genau dieses Prinzip eine gesellschaftliche Chance für alle. Denn die Nachtabsenkung regt nicht nur zum Nachdenken an, sie eröffnet unter gewissen Umständen neue Chancen“, betonte er.

Aber auch ohne Nachtabsenkungen wissen Walter und Barbara Vennen ihre Chancen zu nutzen. So nahmen sie voller Rührung eine Urkunde sowie eine von der Goldschmiedin Beate Wimmer angefertigte Nuss aus Silber entgegen. Doch Moment: Keine seriöse Preisverleihung ohne Auflagen. Deshalb gilt: „An geraden Werktagen, lieber Walter, darfst du die Nuss tragen und an ungeraden Werktagen du, liebe Barbara. Wie ihr es an den Sonntagen gestaltet, bleibt euch überlassen.“

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