Freiwillige in Aachen bekämpfen invasives Springkraut im Wald

Aktion des Nabu Aachen : Dem Springkraut geht es an den Kragen

Das Springkraut mag zwar hübsch anzusehen sein. Dennoch muss es seit 2017 EU-weit bekämpft werden. Als invasive Pflanze verdrängt es auch im Aachener Wald heimische Pflanzen. Das wollen der Nabu und viele Freiwillige verhindern.

„Wir kommen an ganz viel Springkraut vorbei, aber bitte noch nichts herausreißen, denn da, wo wir hin wollen, ist noch viel mehr“. Mit diesen Worten von Volker Dohm begann jetzt ein weiterer Aktionstag, an dem über 30 engagierte Helfer dem „Drüsigen Springkraut“ zu Leibe rückten. Ihr Ziel: den vierten Großbestand in Aachen „platt“ zu machen. Denn die Pflanze zählt wie der Riesenbärenklau und der japanische Staudenknöterich nicht nur zu den „Neophyten“, also den nicht auf natürlichem Wege zu uns gelangten Pflanzenarten, sondern steht seit 2017 auch noch auf der Liste der „invasiven Arten“, deren Besitz und Freisetzung verboten ist. Denn da, wo sich das Springkraut rasant ausbreitet – vorwiegend in feuchten Lichtungen –, verdrängt es alle anderen Pflanzen, selbst die hartnäckigen Brombeeren.

Dohm, dessen Vater Jäger war, hat das Entsetzen gepackt: „Ich kenne den Wald nur ohne Springkraut“. Das Springkraut habe sich in den 1990er-Jahren breitgemacht. 2011 hat der Professor für theoretische Physik deshalb eine Kartierung aller Springkrautbestände im ganzen Aachener Wald erstellt. Insgesamt sechs Großbestände hat er ausfindig gemacht. Doch wollten sich damals weder Stadt noch Umweltamt der Sache annehmen. Unterstützung bot der Nabu Aachen an und initiiert seitdem regelmäßig Aktionen zur Springkrautbekämpfung.

Samen springen sieben Meter weit

„Man muss mit dem größten Bestand anfangen“, so Dohm. Deshalb rückten die ehrenamtlichen Helfer einem Großbestand von mehreren hundert Pflanzen in Bildchen-West erstmals zu Leibe. Und das gerade noch rechtzeitig, denn ab Ende August erzeugt jede Pflanze bis zu 4000 Samen. Bei leichter Berührung platzen die Kapseln auf, und die Samen springen bis zu sieben Meter weit. Damit die Samen sich nicht ausbilden können, ist es wichtig nach dem Ausrupfen jeden Halm mindestens zweimal zu brechen um den Wassertransport zu unterbrechen. Nach gut zwei Stunden war der riesige Bestand ausgerissen und in Haufen abseits der Wege abgelegt.

„Ich bin ganz begeistert, dass so viele Leute hier sind und sich so viele berufen fühlen mitzuwirken“, äußerte sich Carmen Tress. Sie wohnt seit zwei Jahren im Preuswald, geht regelmäßig mit ihrem Hund durch den Wald und ärgert sich über das Springkraut. Als ehemalige Biolehrerin ist die Verbindung zur Natur ohnehin da, und als sie durch einen Bekannten auf die Aktion aufmerksam gemacht wurde, war sie direkt dabei.

Doch mit einmal anpacken sei es nicht getan. „Erfahrungsgemäß brauchen wir fünf Jahre, um eine Stelle springkrautfrei zu bekommen“, erklärte Dohm. Weil der Nabu Aachen seit 2012 konsequent gegen das Springkraut vorgeht, konnten seitdem drei Großbestände nachhaltig von Springkraut befreit werden. Dazu zählt beispielsweise ein 500 mal 600 Meter großes Areal am Grindelweg an der Wolfsschlucht. „Nach sechsjähriger Arbeit haben wir den Bestand dort auf Null gebracht“, schilderte Dohm. Die Fläche konnte dadurch sogar wieder aufgeforstet werden.

Im Preuswald setzt sich neben den Nabu-Mitgliedern auch die Bevölkerung maßgeblich ein. Nach drei Jahren ist am Eberburgweg das Springkraut so gut wie weg. „Aber die Nachkontrolle gehört mit zum Geschäft, nur so können wir nachhaltig Erfolg gewährleisten“, sagte der Physiker.

EU-Verordnung seit 2017

„Die deutschen Behörden haben bis 2017 kaum Springkraut bekämpft“, erklärte Dohm. Deutschland habe sogar gegen die EU-Verordnung gestimmt, die seit 2017 besagt, dass das Springkraut europaweit zu bekämpfen sei. „Anfangs hat uns die Stadt unterstützt und die Haufen abtransportiert, nun habe man dafür kein Personal“, meinte der Aktionsleiter enttäuscht.

Das sei sehr schade, denn auch das Wurmtal brauche eine Bekämpfung, wo sich die Pflanze entlang des Ufers ausbreite. Und insbesondere in Naturschutzgebieten müsse die Stadt was tun, denn dort sind dem Nabu und den ehrenamtlichen Helfern die Hände gebunden.

Anders sei es im belgischen Raeren. „Dort macht die Gemeinde Aktionen zur Springkrautbekämpfung, dankenswerterweise in Kommunikation mit uns“, erzählte Dohm. Nur wenn viele mit anpacken, könne man dieses Problem in den Griff kriegen – als Einzelkämpfer sei man verloren.

Mehr von Aachener Zeitung