Freitagsdemos in Aachen: Ministerium erhöht den Druck auf Schulleiter

„Fridays for Future“ : Kein Pardon für streikende Schüler

Ganz egal, wie die äußeren klimatischen Bedingungen in ein paar Tagen aussehen werden – in mancher Hinsicht werden sich Schüler, die sich am nächsten Streik unter dem Motto „Fridays for Future“ beteiligen, warm anziehen müssen.

Denn was die Bestimmungen angeht, ist die „Großwetterlage“ an den Aachener Schulen längst klar: Generell gilt, dass eine Teilnahme an den Kundgebungen, die seit Monaten ungezählte Schüler auf die Straße bringen, nicht gestattet ist, wenn die Protestierenden im Unterricht sitzen müssten.

Eben drum – entgegnen freilich die Organisatoren der Demonstrationen: „Eine breite Aufmerksamkeit für unser Anliegen, wirklich Druck auf die Politiker auszuüben, damit sie endlich konkretere Maßnahmen zur Rettung der Umwelt ergreifen, bekommen wir eben erst, wenn wir richtig streiken“, sagt Rosa Münz. Die 18-jährige Montessori-Schülerin hat sich bereits mehrfach mit Redebeiträgen an den Kundgebungen beteiligt und gehört zum engeren Kreis der Initiatoren in Aachen. Selbstverständlich werde man die Mitschüler daher weiter über die anstehenden Aktionen „informieren“. Auch am kommenden Freitag erwarte man ab 10 Uhr wieder viele Teilnehmer am Elisenbrunnen. Ein Demozug zu mehreren Schulen sei erneut geplant.

„Wir stellen das Engagement der Jugendlichen keineswegs infrage, ganz im Gegenteil“, betont derweil Ralf Gablik, Sprecher der Direktoren an den Aachener Gymnasien und Leiter des Einhard-Gymnasiums. „Allerdings sind die Bestimmungen eindeutig. Es ist schlicht nicht gestattet, dass Schüler dem Unterricht fernbleiben, um sich an Kundgebungen zu beteiligen.“ Dies habe das Landesschulministerium in einer „Anweisung“ vom 13. Februar noch einmal explizit unterstrichen.

„Alle Kollegen in den Gymnasien sind sich einig, dass auch eine ,Beurlaubung‘ zwecks Teilnahme an den Freitagsstreiks nicht genehmigt werden kann“, betont auch Ulrich Brassel, Direktor des Pius-Gymnasiums. Die Schulleiter seien selbstverständlich verpflichtet, dem Ukas des Ministeriums Folge zu leisten. Darauf habe er, wie auch andere Kollegen, unlängst in einem Brief an die Eltern seiner Schützlinge nochmals hingewiesen.

Themenwoche mit Projekten

Schließlich gebe es an den Schulen selbst mannigfaltige Angebote zur kritischen Auseinandersetzung mit dem Thema, sagt Gablik. Am Einhard etwa werde noch vor Ostern eine Themenwoche mit insgesamt 23 Projekten veranstaltet, in deren Rahmen sich die Schüler kritisch und konstruktiv mit nachhaltigen Antworten auf die drängenden Fragen des drohenden Klimawandels beschäftigten.

„Dass das Thema gerade jungen Menschen auf den Nägeln brennt, ist ja allzu verständlich“, meint auch Dieter Cohnen, Vorstandsmitglied der Landeselternschaft für die Gymnasien in NRW und Mitglied im Sprecherkreis der Aachener Stadtschulpflegschaft. Auch die Eltern stünden dem Anliegen ihrer Sprösslinge praktisch durchweg positiv gegenüber. „Wir würden uns wünschen, dass auch sie Gelegenheit erhalten, sich verstärkt an den Kundgebungen zu beteiligen – aber natürlich sind auch die Erwachsenen an Freitagvormittagen meist bei der Arbeit. Aus meiner Sicht wäre es daher besser, wenn die Kundgebungen ein paar Stunden später stattfinden würden, damit könnte man den Protest zugleich auf eine breitere Basis stellen.“ Denn die öffentliche Aufmerksamkeit sei „inzwischen ja auf jeden Fall gegeben“.

„Natürlich wäre ich gern dabei“

Gablik sieht das genauso: „Natürlich wäre ich dabei, wenn eine solche Demo außerhalb der Unterrichtszeit angesetzt wäre.“ So aber bleibe ihm – und allen Kollegen – keine Wahl: „Im Zweifelsfall müssen wir ein ärztliches Attest einfordern, wenn die Vermutung naheliegt, dass Schüler krankgemeldet werden, um freitags auf die Straße zu gehen.“ Bei unentschuldigter Abwesenheit werde nach den einschlägigen Bestimmungen ein Eintrag ins Zeugnis fällig, sofern mehr als vier Unterrichtsstunden versäumt worden sind.

Für Abschlusszeugnisse gilt das allerdings nicht, bestätigt Gablik. Und die Initiatoren der Schülerstreiks argumentieren bekanntlich immer wieder, dass nur durch „zivilen Ungehorsam“ wirkliche öffentliche Aufmerksamkeit zu erzielen sei. „Wir fragen ja vor allem: Warum sollen wir weiter lernen für eine Zukunft, die es für uns vielleicht nicht mehr geben wird?“, sagt Rosa Münz. Viele Schüler seien deshalb entschlossen, auch am nächsten Freitag statt Stiften und Heften wieder Transparente und Megaphone in die Hand zu nehmen.

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