Aachen: Freimaurerlogen feiern das 300-jährige Bestehen

Aachen: Freimaurerlogen feiern das 300-jährige Bestehen

Winkel und Zirkel bilden seit jeher das Symbol der Freimaurer und verweisen zugleich auf den Ursprung: Die ersten Logen wurden von Handwerkern gegründet.

Am 24. Juni 1717, vor gut 300 Jahren also, schlossen sich in einer Kneipe in London vier Logen zur ersten Großloge von England zusammen, seither gilt dieser Tag als das offizielle Gründungsdatum der „modernen“ Freimaurerei. Die vier Aachener Logen laden anlässlich dieses Jubiläums am Freitag, 30. Juni, zu einem Festakt in der Citykirche.

In Aachen existieren derzeit vier Freimaurerlogen: Die Loge „Zur Beständigkeit und Eintracht“ wurde bereits 1774 gegründet, „Carolus Magnus“ war seit 1981 in Bonn ansässig, ist jedoch seit 2009 in Aachen etabliert. Die „Trias Charlemagne“ besteht seit 2011 und ist ein Zusammenschluss deutscher, niederländischer und belgischer „Brüder“ — so nennen sich die Mitglieder untereinander, die sich überdies auch alle duzen. Mit der Loge „Diotima“ gibt es darüber hinaus seit 2010 eine Frauenloge.

Die Freimaurer verstehen sich als ein ethischer Bund freier Menschen. Sie folgen den fünf Grundidealen Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit, Toleranz und Humanität. Dabei berufen sie sich auf ihre bis heute gültige Verfassung aus dem Jahr 1723. Die Mitglieder vertreten die Auffassung, dass die „ständige Arbeit an sich selbst“ zu einem menschlicheren Verhalten im Alltag führt.

„Wir sind eine weltumspannende Bruderkette und es gibt kein Land, wo man nicht auf Freimaurer trifft. Wir haben uns zwar alle einem gemeinsamen Ideal verschrieben, verfolgen jedoch keine Ideologie und verstehen uns als adogmatisch“, erklärte Jürgen Werwie, Sekretär der Loge Carolus Magnus. Rainer Seiffert, „Meister vom Stuhl“ — so nennen die Freimaurer den Vorsitzenden einer Loge — von Carolus Magnus, hob die Bedeutung der Freimaurerei für die Aufklärung in der frühen Neuzeit hervor: „Die Französische und Amerikanische Revolution sowie die Grundsätze der modernen Demokratie wurden davon beeinflusst.“

Eine besonders wichtige Rolle spielt seit den Gründungstagen die Bildung, „denn diese war für die Menschen des 18. Jahrhunderts nur begrenzt zugänglich“, erläuterte Karl-Josef Dreyer, Meister vom Stuhl der Loge Zur Beständigkeit und Eintracht. Das geheimnisvoll-mythische, das die Freimaurerei bis heute umgibt, rühre vor allem von den Ritualen her, zu denen Außenstehende keinen Zutritt haben, erleutert Dreyer. Außerdem wirbt der Bund nicht explizit um Neumitglieder, sondern die Interessenten, Suchende genannt, ergreifen von selbst die Initiative.

Der Festakt in der Citykirche am 30. Juni beginnt um 19 Uhr. Neben einer musikalischen Untermalung mit Anna Katharina Rothe an der Violine, Emil Jonathan Riedel am Cello und Che Rhin Na am Klavier gehören lyrische Vorträge von Andreas Grude zum Programm. Auch Oberbürgermeister Marcel Philipp wird anlässlich des Jubiläums ein Grußwort sprechen. Der Eintritt ist frei, um eine Spende für die Schaffung eines Behindertenaufzugs in der Domschatzkammer wird gebeten.