Frei nach Edgar Allan Poe im Aachener Mörgens

Premiere der „Unheimlichen Geschichten“ : Der Theaterbesuch wird zum Alptraum

Das Mörgens will mit „Edgar Allan Poes Unheimliche Geschichten“ die Zuschauer das Fürchten lehren. Dabei wird nicht einfach nacherzählt – die Verantwortlichen leihen sich Poes Figuren aus.

In seinen Erzählungen wie „Das verräterische Herz“, „Der Doppelmord in der Rue Morge“ oder auch in Gedichten wie „Der Rabe“ gewährt der amerikanische Schriftsteller Edgar Allan Poe seinen Leser tiefe, teils verstörende Einblicke in die Psyche seiner Charaktere. Poe, der selbst während seines kurzen Lebens – er wurde gerade einmal 40 Jahre alt – nicht gerade auf Rosen gebettet war, lässt seine Figuren Schlimmes durchleben.

Alte Bekannte, neuer Grusel

Und das tun auch Stefan Rogge und Vivica Bocks mit den Figuren in ihrer Inszenierung „Edgar Allan Poes Unheimliche Geschichten“, die ab Donnerstag im Mörgens zu sehen ist. Dabei erzählen die beiden  keine der Schauergeschichten aus dem 19. Jahrhundert in Gänze nach. Vielmehr leihen sie sich Poes Figuren aus, um einen ganz eigenen Alptraum auf der Bühne zu schaffen.

„Wer sagt schon gerne über sein eigenes Theaterstück, dass es gruselig ist?“ fragt Rogge lachend. Er fügt aber hinzu, dass es durchaus darum geht, auch die Zuschauer in einer Welt, die „jenseits von gut, jenseits von Schuld“ ist, in alptraumhafte Situationen zu versetzen.

Inhaltlich wollen Bocks und Rogge nicht allzu viel verraten. Nur soviel: Auf der Bühne begegnen sich Charaktere aus unterschiedlichen Poe-Texten, wenn auch nicht unbedingt im bekannten Kontext.

„Uns stehen zwar nicht die Mittel von Blockbustern im Kino zur Verfügung, um Horror und Grusel zu vermitteln“, sagt Vivica Bocks, „aber das macht nichts.“ Denn der Horror, der Grusel entstehe im Kopf der Zuschauer. Auch dadurch, dass man die Szenen, die die Schauspieler vorführen, in einem Raum wie dem Mörgens unmittelbar miterlebe.  „Da ist nicht viel zwischen mir und dem, was auf der Bühne passiert.“ Dabei reagiere jeder Zuschauer, das habe die Kostprobe zum Stück gezeigt, durchaus unterschiedlich auf das Stück. „Jemand, der Poe kennt, empfindet die Vorstellung sicherlich anders als jemand, der noch nie etwas von Poe gelesen hat“, verspricht Rogge. So oder so: Die neue Inszenierung im Aachener Mörgens Theater ist sicherlich nichts für schwache Nerven.