Aachen: Fotografische Tore zu Seelen: Foto-Schau „Blicke die bleiben“

Aachen : Fotografische Tore zu Seelen: Foto-Schau „Blicke die bleiben“

Blicke können ganze Geschichten erzählen und nicht umsonst spricht man davon, dass die Augen eines Menschen das Tor zu seiner Seele sind. Unvermittelt treffen die Seelen den Betrachter der zahlreichen Porträtfotos, die derzeit in der neuen Ausstellung „Blicke die bleiben“ im Suermondt-Ludwig-Museum zu sehen sind. Es ist eine spannende Zeitreise in die Geschichte der Fotografie.

Ausgestellt werden Bilder aus der Anfangszeit bis in die Gegenwart. Maler sahen sich im 19. Jahrhundert durch die neue Entwicklung bedroht, nagte sie doch an ihrem eigenen Geschäft und polemisch verkündete etwa der französische Dichter Charles Baudelaire: „Die Fotografie ist der Todfeind der Malerei, sie ist die Zuflucht der gescheiterten Maler, der Unbegabten und der Faulen.“

„Demokratisierung des Porträts“

Doch anders als Baudelaire es vielleicht vermutet haben mag: Die Fotografie hat sich zu einer eigenen Kunstform entwickelt. Sicherlich, die „Demokratisierung des Porträts“, wie es Kuratorin Sylvia Böhmer ausdrückte, trug maßgeblich dazu bei, dass die heutige Porträtmalerei eher ein winziges Nischengeschäft ist, aber sie bedeutete nicht den Tod der Malerei als solcher. „Wir waren schon viel zu lange auf Entzug“, so Bürgermeisterin Margrethe Schmeer in ihrer Rede zur Vernissage am Freitagabend zu den zahlreich erschienenen Besuchern.

Die Fotografien stammen alle aus der Sammlung Fricke, die dem Museum in einer Dauerleihgabe zur Verfügung steht. In über 40 Jahren hat das Ehepaar Christiane und Karsten Fricke eine beachtliche Sammlung an Fotografie von über 120 Fotografen zusammengetragen. 2013 war die letzte Ausstellung im Suermondt-Ludwig-Museum mit Bildern aus der Sammlung, das damalige Motto lautete: „Aufbrüche — Bilder aus Deutschland.“

„Blicke die bleiben“ ist eine Ausstellung, die einfängt. Egal, ob es sich bei den fotografierten Personen um Prominente handelt oder um die einfachen Leute auf der Straße. Da hängt die Frau eines Fischers zwischen Fotografien vom Dalai Lama und Konrad Adenauer. Dass nicht nur Prominenz den Ton in der Porträtfotografie angibt, zeigt auch das Titelbild der Ausstellung: Eine unbekannte Schönheit namens Gabi, aufgenommen 1988 von Sibylle Bergemann in Berlin, schmückt derzeit zahlreiche Werbesäulen in Aachen. Andere Bilder sind so ikonisch, dass man meint, sie irgendwo schon einmal gesehen zu haben. Ganz bekannt zum Beispiel die beiden Porträts von Romy Schneider oder auch das berühmte Foto Albert Einsteins in der Lederjacke, aufgenommen durch Lotte Jacobi.

Angeblich nicht angemessen

Das Magazin „Life“ lehnte eine Veröffentlichung des Fotos damals mit der Begründung ab, das Bild sei nicht angemessen um einen so berühmten Physiker und Nobelpreisträger zu zeigen. Heute gehört es zu den bekanntesten Aufnahmen Einsteins.

Ein großer Teil der Ausstellung ist der berühmten Fotografin Jacobi gewidmet und auch sie selbst findet sich gleich auf zwei Fotos in der Ausstellung. Einen besonderen Aufruf richtete Margrethe Schmeer indes auch an die Besucher: „Seien Sie Botschafter für das Suermondt-Ludwig-Museum!“

Denn es ist leider kein Geheimnis, dass das Museum aktuell mit niedrigen Besucherzahlen zu kämpfen hat. Und das, obwohl es auf eine umfassende Sammlung, eine interessante Dauerausstellung und immer wieder besondere Sonderausstellungen blicken kann. Mit der Einrichtung der Bürgerlichen Kunstkammer hat es zudem ein Alleinstellungsmerkmal. „Blicke die bleiben“ könnte dazu beitragen, dass sich in den kommenden Monaten vielleicht ein paar mehr Besucher im Suermondt-Ludwig-Museum blicken lassen. Es lohnt sich allemal.