Fotografien zeigen das historische Aachen

Ansichten aus dem alten Aachen : Als der Kaiser durch die Pontstraße ritt

Sie strahlen eine eigene Faszination aus: Die Fotografien, die das alltägliche Leben im alten Aachen dokumentieren. Der Verein „abuta“ steht für Aachener Bild- und Tonarchiv und zeigt seltene Aufnahmen im Internationalen Zeitungsmuseum.

Zehn thematische Fenster gewähren Einblick in rund 40 Jahre Fotografie- und Stadtgeschichte. Die Ausstellung „Foto-Zeiten“ im Zeitungsmuseum an der Pontstraße lädt ein, Motive und Menschen kennenzulernen, die vielleicht bislang gar nicht so bekannt sind. Das Aachener Bild- und Tonarchiv (abuta) hat in seinen Beständen nachgeschaut und auch Motive und Perspektiven ausgewählt, die vielleicht nicht so geläufig sind. Und darunter sind laut Ludwina Forst, abuta-Vorsitzende, auch Rätselbilder, die der Betrachter erkennen und zuordnen soll. Bei einem Bild ist aber selbst den Experten keine solche Zuordnung gelungen: und zwar bei einem Bahnhofsfoto.

Neben den vergrößerten und gerahmten Bildern an der Wand werden historische Kameras und fototechnische Utensilien gezeigt. Das Aachener Bild- und Tonarchiv wurde 2007 gegründet, um alte Aufnahmen zu archivieren und zu digitalisieren. Inzwischen konnten 6000 Fotos digitalisiert werden. Die Ausstellung im Zeitungsmuseum lädt ein zu einer Zeitreise in die Vergangenheit. Unter verschiedenen Titeln öffnet sie den Blick für verschiedene Aspekte: „So sah das damals aus“, „Wo war das denn?“ oder „Hier stimmt was nicht“ lauten einige Titel der verschiedenen Fenster in die Vergangenheit.

Fotograf Jacob Wothly

Dem Aachener Fotografen Jacob Wothly (1823-1873) wird besondere Beachtung geschenkt. „Er lebte am Tivoli und experimentierte mit gefährlichen Substanzen, um die Beschichtung seiner Fotos zu verbessern“, erzählt Ludwina Forst. Und Burtscheid wird als eigene Stadt und dann als Stadtteil gezeigt. Mit dem Kaiserbesuch 1902 endet die Ausstellung.

Der Besuch war den Organisatoren so wichtig, dass sie ihn unbedingt dokumentieren wollten. „Eine Stadt putzt sich heraus, und der Kaiser reitet auch durch die Pontstraße“, erzählt Ludwina Forst mit Blick auf die ausgestellten Bilder. Die mögen damals noch wertvolle Einzelstücke gewesen sein, während die Fotografie heute einen ganz anderen Stellenwert hat, wie Andreas Düspohl, Leiter des Zeitungsmuseums, meint. „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ ist demnach ein Satz, der gerade in Zeiten von Instagram und Co eine ganz besondere Bedeutung habe.

Und Prof. Frank Pohle, Leiter der Route Charlemagne, denkt mit Nostalgie an den Begriff „Lichtbildner“, den der Duden offiziell abgeschafft habe. Die ersten Porträtaufnahmen haben aber die Geduld des Porträtierten noch arg auf die Probe gestellt. „Damals mussten sie sehr lange sehr still sitzen“, sagt Forst. Es habe sogar entsprechende Gestelle gegeben, die dabei halfen, sich nicht zu bewegen. Da war es möglicherweise doch einfacher, Gebäude wie das Rathaus und den Dom zu fotografieren. Und die sind dann in immer wieder anderen Variationen durchaus auch Thema der Ausstellung. Aber insgesamt wollten die Organisatoren unveröffentlichte Bilder und neue Perspektiven zeigen.

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