Fotograf Andreas Herrmann erhält nächste Auszeichnung

Fotograf Andreas Herrmann : Haselnüsse für einen „Bildarchitekten“

Die Liste der Preisträger ist noch nicht lang, aber doch ein Sinnbild dafür, was Wendelin Haverkamp und Dieter Kaspari mit dem Freundschaftspreis mit ganzen Nüssen erreichen wollen – nämlich eine Linderung der Pro-Kopf-Schmerzen der Einwohner in der „Stadt der Preise“.

Fotograf Andreas Herrmann erhält nun die nächste Auszeichnung dieser Art. Wenn der Kabarettist Wendelin Haverkamp und der Öcher Blues-Balladen dichtende und singende Dieter Kaspari die Köpfe zusammenstecken, ist Heiteres im Busch. Mit Wortspiel und Schabernack wird über alles und alle gelästert. Wie beim „Internationalen Aachener Freundschaftspreis mit ganzen Nüssen“. Den heckte das Duo vor drei Jahren aus.

Wie der Spott im Titel es schon preisgibt: Ein bisschen Anti-Preis will der Freundschaftspreis sein. Mit Nüssen, ganzen, sich lustig machen über die printenlastige „Stadt der Preise“. Hätten doch US-Wissenschaftler erforscht, „dass auf jeden erwachsenen Aachener 8,35 Preisträger entfallen, der höchste Wert seit Beginn der Preisaufzeichnungen im Jahre 814“.

Mit dem Preis versuche das „Preis-Krematorium“ ein wenig „zur Linderung der Pro-Kopf-Schmerzen beizutragen, an denen viele Aachener Jahr für Jahr leiden, wenn in ihrem Namen sinistre Gestalten Preise erhalten, die für die Stadt auch nicht mehr getan haben als übergelaufene Abfallbehälter“. Die Traumata Karl der Große, Karlspreis und AKV-Ritterorden lassen grüßen.

Hinter dem vordergründigen Spaß mit Preis-Ranking, Nüssen und Sinistren steckt dennoch Ernst. Die beiden Querdenker sehen den darin: „Der Preis wird verliehen an jemanden, der für das nicht staatlich domestizierte kulturelle Aachener Leben jenseits der subventionierten Tempel eine wichtige Rolle spielt und dabei hilft, eine emotionale Beziehung zu dieser oft rätselhaft verqueren Stadt zu entwickeln. Also an jemanden, der vermutlich nie im Leben in dieser Stadt einen Preis bekommen würde.“ Was auch beweise, dass der „Preis nicht mit der Pflicht zur Entgegennahme von Printen verbunden ist“.

Wen die Preisenden im Blick haben, zeigt die noch kurze Liste der Preisträger. Als Erste wurde die legendäre Jazzkneipen-Wirtin Runi Förster gerühmt. Ihr folgte das Ehepaar Barbara Hoppe-Vennen und Walter Vennen, das die Buchhandlung Schmetz am Dom führt. Der nun Dritte im jungen Bunde ist Presse- und Industriefotograf Andreas Herrmann, schon seit vielen Jahren auch für unsere Zeitung tätig.

Haverkamp/Kaspari: „Unabdingbar für ein Kaff, das sich Stadt nennen will, ist nicht nur das Vorhandensein von Orten des freien kulturellen Austausches, an denen sich Neugier und Mitteilungsbedürfnis, Interesse und Wissen, Kreativität und lokale Originalität der Einwohner treffen und gegenseitig bereichern können. Ebenso nötig sind Akteure, die eine solche Szene mit Leben erfüllen. Andreas Herrmann ist ein preiswürdiges Beispiel dafür.“

Mit kreativem Blick

Herrmann kämpfe um die beste Form der Bildberichterstattung. Er verbessere so die Bedingungen, unter denen öffentliche Meinungsbildung stattfinde. Durch viele künstlerische Aktivitäten und Projekte sei er engagiert. Als „Bilderarchitekt“, Hinweis auf sein Studium, verarbeite er die Welt mit kreativem Blick. Seine fotografisch basierte Kunst wirke inhaltlich anregend wie ästhetisch aufregend.

„Stets auch ein politischer Kopf, ist Andreas Herrmann einer der lebendigen Mosaiksteine in jenem fruchtbaren Untergrund, den eine städtische Szene benötigt, um intellektuell existieren zu können“ - im Lobpreis steckt, was der „Freundschaftspreis“ sagen will.

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