Forum zum Thema Wohnungsnot in der Städteregion

Günstiger Wohnraum ist Mangelware : Sorgenvoller Blick auf den Wohnungsmarkt in der Städteregion

Es ist ein Phänomen, das nicht nur in den Millionenstädten für Wut bei den Bürgern sorgt: Seit Jahren steigen die Mieten, besonders Geringverdiener werden dadurch vor eine große Herausforderung gestellt.

Beim Forum der SPD-AG 60plus zum Thema Wohnungspolitik präsentierten Hans Knops (Geschäftsführer Mieterschutzverein Aachen), Professor Axel Thomas (Geschäftsführer der städteregionalen Wohnungsbaugesellschaft GWG) und DGB-Geschäftsführer Ralf Woelk besorgniserregende Statistiken und forderten die Kommunen auf, für mehr sozialen Wohnungsbau zu sorgen.

Moderator und 60plus-Vorsitzender Walter Cremer sprach von einer „schwer zu verdauenden Situation“. Gerade für Rentner sei es oft schwierig, in ihrem gewohnten Viertel wohnen zu bleiben. Für Knops, seit 30 Jahren im Mieterschutzverein tätig, ist das keine Überraschung. In vielen Gesprächen registriere er einen steigenden Bedarf an Beratung, da die Mietsituationen komplizierter würden und bei älteren Menschen deshalb oft Unsicherheit mitschwinge.

Die hohen Preise weiten sich laut Knops zunehmend auch auf den Altkreis aus. Das liege nicht zuletzt an den vielen Studenten-WGs. Die Rechnung: Eine große Wohnung sei für eine Miete von 1200 Euro, bei der vier Personen jeweils 300 Euro zahlen, einfacher zu vermieten als an einen einzelnen Mieter. „Zudem gibt es keine vernünftige Regelung bezüglich eines Mietspiegels“, ärgerte sich Knops über die gesetzlichen Rahmenbedingungen.

Ähnliche Töne schlug Axel Thomas an, der mit der Wohnungsbaugesellschaft hunderte Wohnungen in der Städteregion verwaltet. Der starke Rückgang von Betriebswohnungen und die Landflucht treibe die Mieterhöhungen voran, „auch wenn vereinzelt kommunale Betriebe wieder mit eigenen Wohnungen werben“. Zudem machten niedrige Kreditzinsen die Investition in teure Wohnungen attraktiv.

„Wenn Wohnen ein Grundbedürfnis ist – funktioniert der Markt dann überhaupt?“, fragte Moderator Cremer provokativ. Ralf Woelk hatte darauf eine klare Antwort: Nein. Er fordert, dass Städte und Kommunen für deutlich mehr öffentlichen Wohnungsbau sorgen müssen. Während fast jeder Zweite einen Anspruch auf einen Wohnberechtigungsschein habe, machten die Sozialwohnungen in Aachen beispielsweise nur sieben Prozent der gesamten Wohnungen aus. „Ein unterirdischer Wert“, echauffierte sich Woelk.

Bei den Lösungsansätzen offenbarten die Experten durchaus Differenzen. Während Thomas beim Thema Enteignungen davor warnte, einen Schuldenberg anzuhäufen, und Knops dort Potenzial „für viel Ärger, der wenig bringt“ sah, nannte Woelk eine „Verschuldung doppelt und dreifach sinnvoll“ und freute sich über die Debatte, die unlängst der Juso-Vorsitzende Kevin Kühnert angestoßen hatte.

Mit einer Wohngelderhöhung und einer Mietpreisdeckelung könne der Staat Einfluss nehmen, schlug Axel Thomas vor. Letztlich könne aber nur die Schaffung von neuem, bezahlbarem Wohnraum nachhaltig dafür sorgen, dass Menschen mit geringem Einkommen entlastet werden.