Höhere Effektivität dank besserer Koordination: Förderung des Aachener Ehrenamtes über neue Angebote

Höhere Effektivität dank besserer Koordination : Förderung des Aachener Ehrenamtes über neue Angebote

Auf veränderte gesellschaftliche Bedingungen und neue Strukturen zu reagieren, ist derzeit das Hauptanliegen des Vereins zur Förderung des Ehrenamts.

„Außerdem haben wir seit April zwei neue Mitarbeiterinnen in der Beratung, die jede Menge neue Ideen und Projekte im Kopf haben“, sagen die Vereinsvorsitzende Nina Trogus-Liegmann und ihre Stellvertreterin Gabriele Niemann-Cremer.

Seit Mitte August stehen Eva Schiffner und Gabi Dovern jeden Dienstag von 12 bis 14 Uhr in den Räumen des Stadtteilbüros in der Nadelfabrik bereit, um all jene zu beraten, die Interesse an einem Ehrenamt haben.

Sie wollen vor allem auch junge Menschen für den freiwilligen Einsatz begeistern. „Denn in vielen Vereinen und Organisationen werden Nachfolger für wichtige Aufgaben gesucht“, sagen sie. Wichtig ist dabei allen gleichermaßen, mit den zukünftigen Ehrenamtlern ins Gespräch zu kommen. „Da reicht eine Webseite zur Orientierung nicht aus“, betont Eva Schiffner. „Wir wollen den Interessenten in unserer Sprechstunde die Wertschätzung entgegenbringen, die sie verdienen“, sagt sie weiter. Und im Gespräch werden demnach nicht nur geeignete Einsatzmöglichkeiten erörtert; gleichzeitig werden übersteigerte Erwartungen gestutzt und an die reale Bedingungen angepasst. So können nach Meinung der Beraterinnen Enttäuschungen und Frustrationen gleich zu Beginn vermieden werden.

Schnittstelle der Organisationen

Außerdem fungiert der Verein zur Förderung des Ehrenamts als Schnittstelle zwischen den Organisationen, die Ehrenamtler suchen, und jenen, die sich für ein solches Amt anbieten. Dass die Sprechstunde im Stadtteilbüro Aachen-Ost angesiedelt ist, freut auch dessen Leiterin Myriam Rawak. Sie stellt die Räume in der Nadelfabrik gerne zur Verfügung, und erhofft sich gerade auch für das Viertel eine Belebung durch ehrenamtliche Tätigkeiten.

Verstärkt will der Verein auch junge Menschen für solche Aufgaben motivieren. Denn gerade Studenten der sozialen Arbeit beispielsweise würden in hohem Maße profitieren, da sie hier die Chance bekämen, Praxiserfahrungen zu sammeln, meint Rawak.

Und auch Migranten, die ihr Leben lang in Aachen gearbeitet haben, sind gern gesehene Helfer. Ein türkischer Mitbürger beispielsweise meldete sich in der Sprechstunde mit dem Wunsch, ehrenamtlich zu helfen und dabei gleichzeitig seine deutschen Sprachkenntnisse zu trainieren. „Das ist eine ganz wunderbare Idee“, meinen die Beraterinnen. Überhaupt ist dem Verein daran gelegen, dass gesellschaftliche Miteinander in den Fokus zu rücken. „Und davon profitieren schließlich alle“, sagt Gabi Dovern.

Gerade pensionierte Ehrenamtler finden demnach oft eine wichtige Aufgabe, die ihnen weiterhin die Teilhabe an der Gesellschaft ermöglicht, ihre Einsatzstelle profitiert derweil von ihrem Können und ihren Erfahrungen, und das kommt letztendlich der ganzen Gesellschaft zugute, so Dovern. Und wer sich für ein Ehrenamt entscheidet, der wird laut Niemann-Cremer auch nicht alleine gelassen.

Im November bietet der Verein zur Förderung des Ehrensamts, beispielsweise eine kostenlose Fortbildung an, bei der die „erfolgreiche Kommunikation im Ehrenamt“ im Mittelpunkt steht. Ein brisantes Thema, wie Trogus-Liegmann meint. Denn der Umgang miteinander ist nicht immer ganz leicht. Was tun, wenn beispielsweise ein neuer Ehrenamtler über die Gebühr von seinen eigenen Fähigkeiten überzeugt ist und so die Teamarbeit zu sprengen droht? „Da hilft nur ein sensibles Vorgehen, und genau das will gelernt sein“, meint Niemann-Cremer.

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