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Aachen: Förderpreis: Die Kreativität steckt in den Kinderschuhen

Aachen : Förderpreis: Die Kreativität steckt in den Kinderschuhen

Mit Trommelwirbel geht es los! Die Schüler der Europaschule KGS Passtraße geben den Auftakt für die Preisverleihung des Kinder-Förderpreis Kunst. Mehr als 200 Schüler aus Aachen und der Städteregion haben in den letzten Monaten Ideen gesammelt, mit Materialien experimentiert und Bilder und Skulpturen erschaffen.

Nun sitzen die Kinder aufgeregt mit Eltern, Oma und Opa in der großen Mulde im Ludwig Forum und warten auf die Preisverleihung. Erstmalig wurde der Kinder-Förderpreis Kunst vor sieben Jahren von der Bürgerstiftung für die Region Aachen im Rahmen des Aachener Modells verliehen. Eigentlich soll Olaf Müller, der Betriebsleiter des Kulturbetriebs der Stadt Aachen, das Modell noch einmal bei der Preisverleihung vorstellen — und etwas über das Projekt zur frühen Förderung individueller Begabung und den 26 Grundschulen, die sich am Modell beteiligen, erzählen — doch Müller findet das heute zu langweilig.

Deswegen erzählt er den Kindern viel lieber eine Geschichte: „Damals in einem Malunterricht sollte auch ein Kunstpreis vergeben werden“, beginnt er. Doch eines der Kinder habe keine Lust auf Malen gehabt und auf sein Blatt Papier einen überaus provokanten Satz geschrieben. Lautes Gelächter unterbricht Müllers Rede. Was will er damit wohl sagen?

„Wie ihr bestimmt erraten könnt, hat der Junge damals nicht den Preis bekommen“, sagt Müller, „und trotzdem ist er heute Künstler.“ Mit seiner fragwürdig künstlerischen Aktion sei der Junge so trotzdem vielen im Gedächtnis geblieben: „Wenn ihr also gleich keinen Preis bekommt, macht trotzdem weiter“, endet Müller.

Als kleines Intermezzo legen Ella und Franka vom Schülerzirkus Configurani der Viktoriaschule auf Einrädern und Matten beeindruckende Kunststückchen auf das Parkett. Und dann ist es endlich so weit: Handwerkskammerpräsident Dieter Philipp und Sparkassenvorstand Dr. Christian Burmester von der Bürgerstiftung der Sparkasse Aachen vergeben die Preise.

Fünf davon gehen an Einzelwerke. Ein Sonderpreis soll an eine Gruppenarbeit, an der zehn Kinder mitgewirkt haben, vergeben werden.

Als erste wird Kai-Lena Bittel geehrt. Noch etwas scheu reicht sie den beiden anzug- und schlipstragenden Vertretern der Stiftung ihre Hand und nimmt ehrfürchtig ihre Urkunde entgegen. Kai-Lena ist Schülerin am GGS Kämpchen. An ihrem Bild „Planeten über Aachen“ hat sie rund drei Wochen gearbeitet. „Das Thema für alle hieß ja grenzenlos“, sagt sie, „ich habe mir überlegt, die Unendlichkeit mit Galaxien und Planeten, die auch über Aachen liegen, zu zeigen“, sagt die Zehnjährige.

„Die Kinder haben bemerkenswert weit gedacht“, findet Andreas Beitin, der Direktor des Ludwig Forums. Leonie Mirbach (9) hat beispielsweise in ihrer Konstellation aus Draht die Verbindung zwischen zwei Schwestern dargestellt. Und auch die gemalte Katze von Valerie Elbnik (8) zeigt eine ganz besondere Beziehung: „Valerie liebt Tiere und vertieft dies auch gerne in Bildern“, sagt ihre Mutter. Valerie selbst ist von der Preisverleihung total sprachlos. Aber auf den Preis, da freut sie sich schon richtig.

Denn die 15 Preisträger werden ein Wochenende mit dem Künstler Joost Meyer verbringen. „Bei dem Workshop haben alle die Gelegenheit, ihre künstlerischen Fähigkeiten weiterzuentwickeln“, erklärt Koordinatorin Tanja Wansel. Ein solches Wochenende sei viel besser als ein Sachpreis oder eine finanzielle Unterstützung, denn „die Kinder können so den Kontakt auch zu Kindern aus anderen Schulen ausbauen.“