Aachen: Flüchtlinge: Stadt braucht mehr Personal

Aachen: Flüchtlinge: Stadt braucht mehr Personal

Dass sich die städtischen Prognosen über die Zahl der Menschen, die in Aachen Schutz suchen, in der Realität schnell verflüchtigen, ist der Eskalation der Flüchtlingskrise geschuldet — und stellt die Stadt fast jeden Monat aufs Neue vor große Probleme.

Vor allem seit Oktober 2015 verzeichnet die Verwaltung einen „drastischen Anstieg an Zuweisungen“: Statt der erwarteten knapp 2400 Flüchtlinge waren es im Januar dieses Jahres in Aachen schon fast 1000 Menschen mehr, die untergebracht werden mussten.

Aber nicht nur Betten werden benötigt, sondern auch Menschen, die dafür sorgen, dass die Flüchtlinge betreut, versorgt und integriert werden — und die all das organisieren. Während man vor Ort, in den Flüchtlingsheimen, die Zahl der Kräfte am steigenden Bedarf orientierte, versuchte man in der Verwaltung, insbesondere bei Abteilungs- und Teamleitern, mit den vorhandenen Ressourcen auszukommen.

Doch dort ist die Grenze der Belastbarkeit jetzt offenbar erreicht. In einer Vorlage für den Personal- und Verwaltungsausschuss am kommenden Donnerstag (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Katschhof) schlägt der Fachbereich Soziales Alarm und fordert 16 neue Vollzeitstellen. In dem Papier heißt es zum Beispiel, dass „eine ordnungsgemäße Führung nicht mehr zu gewährleisten“ sei. Mancherorts sei gar die „Aufrechterhaltung des Dienstbetriebs“ gefährdet und eine „verantwortungsvolle Aufgabenwahrnehmung“ kaum noch möglich. Vielfach sei die Belastung schlicht „nicht mehr zu verantworten“, so die Verwaltung.

Mit einer neuen Organisationsstruktur und vor allem mehr Personal will man nun dafür sorgen, dass beispielsweise im Sozialdienst die einheitliche Qualität gesichert und der „soziale Frieden“ in den Übergangsheimen und deren Umfeld gewahrt bleibt. Drei neue Teamleitungen sollen dort eingerichtet werden, was Personalmehrkosten von 211.500 Euro bedeutet. Hinzu kommen weitere Teamleitungen in der Verwaltung der Übergangsheime und für die Hausmeister sowie dringend benötigte Sachbearbeiterstellen. Von den 16 Stellen können zwar drei „kostenneutral“, also mit in der Verwaltung freiwerdenden Kräften besetzt werden, doch unter dem Strich kostet die Personalaufstockung pro Jahr fast 900.000 Euro zusätzlich. Dass die Politik dem zustimmt, ist angesichts der Dringlichkeit der Lage zu erwarten. Problematischer könnte es werden, auf die Schnelle überhaupt genügend qualifizierte Kräfte zu finden. Dass dies zumal unter Zeitdruck „nicht immer so ganz einfach ist“, räumt Evelin Wölk vom Presseamt ein. Schließlich sollen die Stellen schon in den nächsten Wochen und Monaten besetzt werden. „Die ersten Ausschreibungen laufen bereits“, sagt Wölk, „und wir hoffen auf viele Bewerbungen.“

Und das Ende der Fahnenstange scheint beim Personalbedarf in der Flüchtlingsbetreuung und -verwaltung noch nicht erreicht. So wird in dem Papier auch der Bemessungsschlüssel für Hausmeister und Sozialarbeiter angesprochen. Zwar wolle man noch Erfahrungen mit größeren Einrichtungen auswerten, doch Mitte des Jahres sollten die jetzigen Bemessungsgrundlagen auf den Prüfstand gestellt werden. Zurzeit betreut laut Presseamt ein Sozialarbeiter 100 Flüchtlinge, ist ein Hausmeister für 60 Menschen zuständig, entfällt auf je zehn Mitarbeiter eine Leitungsfunktion. Doch diese Standards hält der Fachbereich Soziales „in der heutigen Situationen einer hohen Fluktuation der Ankommenden für ausgereizt, was die Belastungssituationen der Mitarbeiterinnen betrifft“. Deshalb könne sich „in der Hauptsache nur um die Lebensnotwendigkeiten gekümmert werden“, heißt es in dem Papier — was schon nach dem nächsten Alarmruf klingt.