Aachen: Flüchtlinge: BLB bietet weitere Gebäude an

Aachen: Flüchtlinge: BLB bietet weitere Gebäude an

Um den enormen Zustrom von Flüchtlingen zu bewältigen, nimmt die Stadt seit geraumer Zeit nahezu alles unter die Lupe, was als menschenwürdige Unterkunft in Frage kommen könnte: Städtische Grundstücke werden daraufhin überprüft, ob sie als Standorte für Wohncontainer geeignet sind.

Leerstehende Schulgebäude werden in Wohnraum umgewandelt, leerstehende Büro- und Verwaltungstrakte umgenutzt. Schließlich mussten bislang schon etwas 1000 Menschen in Aachen untergebracht werden, die eine Zuflucht vor den Kriegen und Krisen in aller Welt suchten. Und es dürften noch mehr werden — möglicherweise könnte sich die jetzige Zahl der Flüchtlinge in Aachen sogar nahezu verdoppeln.

„Geeignet und bedingt geeignet“

Da trifft es sich eigentlich gut, dass der Bau- und Liegenschaftsbetrieb NRW (BLB) in Düsseldorf jetzt verbal in die Offensive gegangen ist und angekündigt hat, die Kommunen bei der Unterbringung von Flüchtlingen und Asylbewerbern zu unterstützen. Erstellt wurde in dem Zusammenhang eine lange Liste mit „geeigneten und bedingt geeigneten BLB-Liegenschaften“ — und auf der stehen auch sieben Immobilien, die auf Aachener Stadtgebiet liegen.

Ausgerechnet bei den drei größten Aachener Gebäuden auf der Liste ist allerdings anscheinend die Bekanntmachung erfolgt, bevor man sich an die Umsetzung gemacht hat: Denn weder das große Bürogebäude an der Robert-Schuman-Straße 51, das teils von der FH genutzt wird, noch das große Schenker-Haus an der Kühlwetterstraße oder das ehemalige Abama-Gebäude an der Süsterfeldstraße sind der Stadt Aachen bislang als mögliche Flüchtlingsunterkunft angeboten worden. „Wir wissen davon nichts“, sagt Evelin Woelk vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Beim BLB war dazu am Donnerstag keine Stellungnahme zu erhalten.

Für die Stadt beschränke sich das Angebot des BLB derzeit auf lediglich drei Adressen, die der Verwaltung auch schon länger bekannt seien — und von denen vermutlich nur eine Liegenschaft als neues Zuhause für Flüchtlinge in Frage kommt. Dabei handelt es sich um das ehemalige Laborgebäude des Staatlichen Umweltamts an der Lukasstraße 1. „Dort haben wir bereits mit Architekten gesprochen und einen groben Belegungsplan erstellt“, sagt Woelk.

Baurechtliche Fragen klären

Ergebnis: Etwa 65 bis 70 Menschen könnten dort wohnen. Allerdings müssten noch die Kosten für die Umbauarbeiten geschätzt und baurechtliche Fragen geklärt werden, sagt die Sprecherin. „Erst dann können wir sagen, wie lange es dauern wird, bis dort Menschen einziehen können.“

„Eher nicht geeignet“ sind laut Woelk die beiden anderen Landesimmobilien. Dabei handelt es sich zum einen um das schon länger in Rede stehende ehemalige Straßenbauamt an der Karl-Marx-Allee, das einen erheblichen Sanierungsbedarf aufweist. Zwischen dreieinhalb und fünf Millionen Euro müssten dort investiert werden, um menschenwürdige Unterkünfte zu schaffen.

Ähnlich ist es um zwei ehemalige Gebäude der RWTH an der Nizzaallee 34 bestellt, die insgesamt gut 1300 Quadratmeter Fläche böten. „Auch das waren keine Wohngebäude“, sagt Woelk, „und auch dort ist der Herrichtungsaufwand wahrscheinlich höher als der Nutzen.“ Insofern bieten die bisher vom BLB offerierten Gebäude nicht allzu viel mehr Hilfe als der vielzitierte Tropfen auf den heißen Stein, könnte man meinen — doch sieht man das bei der Stadt ausgesprochen pragmatisch. „Alles hilft“, sagt Woelk.