Aachen: Fit werden für ein Leben in Selbstständigkeit

Aachen : Fit werden für ein Leben in Selbstständigkeit

Dass das Haus Martin in der Wichernstraße sein zweijähriges Bestehen feierte, war für die Akteure keine Selbstverständlichkeit. Denn ein passendes Haus, das Menschen mit chronischen Abhängigkeitserkrankungen als Wohnheim dient, musste erst einmal gefunden werden.

Eine Aufgabe, die sich als nicht ganz einfach herausstellte, wie Jürgen Amberg, Direktor Alexianer Wohn- und Beschäftigungsverbund Aachen, betonte: „Im Jahr 2001 zogen in dieses Haus im Rahmen einer Enthospitalisierungsmaßnahme 34 Menschen mit geistiger Behinderung ein. Diese zogen ein paar Jahre später nach Alsdorf und so konnte das Haus Martin im Sommer 2016 mit seiner jetzigen Funktion eröffnen.“

Darüber sind die Verantwortlichen sehr froh, denn es sei unglaublich schwer gewesen, geeigneten Wohnraum für Menschen mit Suchterkrankungen zu finden. Das Haus Martin ist eine Einrichtung der Alexianer Aachen GmbH und gehört zum Alexianer Wohn- und Beschäftigungsverbund Aachen. Es bietet in drei Wohngruppen ein Zuhause für 24 Erwachsene mit chronischen Abhängigkeitserkrankungen, auch einhergehend mit psychischen Behinderungen und hohem sozialen Integrationsbedarf.

„Nach langen Psychiatrieaufenthalten oder aufgrund einer Chronifizierung benötigen die Klienten ein intensives und abstinenzförderndes Hilfsangebot sowie Hilfen zur persönlichen Stabilisierung“, so Verena Koch, Diplom-Sozialpädagogin und Leiterin der Einrichtung. Sie ergänzte: „Wir sind allerdings keine klassische therapeutische Einrichtung, sondern arbeiten gemeindeorientiert. Die Menschen sollen hier stabilisiert und fit für ein eigenständiges Leben gemacht werden. Neben Kooperationen zu verschiedenen Einrichtungen gehören ärztliche Betreuung und Selbsthilfegruppen zur Tagesstruktur.“ Die Wohndauer ist dabei unbegrenzt.

16 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, darunter Sozialpädagogen und Heilerziehungspfleger, kümmern sich um die Bewohner. „Wir stellen uns jeden Tag einem anspruchsvollen Auftrag, sowohl die Klienten wie auch das gesamte Team vom Haus Martin engagieren sich jeden Tag aufs Neue“, sagte Koch.

Unterstützen und stärken

Rolf Frankenberger, Fachbereichsleiter Wohnen, Soziales und Integration der Stadt Aachen betonte vor allem die Wichtigkeit des Angebotes für die Region. Es sei von hoher Relevanz, dass Menschen mit Suchtproblematiken und psychischen Beeinträchtigungen auf ihrem Weg zurück in ein selbstständiges Leben unterstützt und gestärkt werden. Und genau das passiere im Haus Martin, erklärte Frankenberger.

Koch und Amberg wünschen sich, dass möglichst viele Klienten es schaffen und sich ein Leben in den eigenen vier Wänden und ohne Sucht aufbauen können. Wobei Amberg vor allem mit Blick auf den aktuellen Wohnungsmarkt nicht ganz unbesorgt ist. „Bezahlbarer Wohnraum ist ohnehin schon knapp, aber gerade für Menschen mit Behinderung gestaltet sich die Suche besonders schwer. Da hoffe und wünsche ich mir, dass das in Zukunft etwas einfacher wird.“