Längere Vorlaufzeit bei Wetterwarnungen: Firmen aus Aachen entwickeln ein sehr genaues Regenradar

Längere Vorlaufzeit bei Wetterwarnungen : Firmen aus Aachen entwickeln ein sehr genaues Regenradar

Ob man am Aachener Rathaus nach der Trauung umjubelt trocken die Treppe herunterschreiten kann, aber vielleicht bereits am Dom von einem Schauer erwischt wird und einen Regenschirm braucht – das könnte bald mit einem Vorlauf von drei Stunden vorhersagbar sein.

Auf dem Dach des Neubaus der Firma Kisters AG in Oberforstbach betreiben die beiden Aachener IT-Firmen Kisters AG und Gamic mbh ab Mitte 2020 einen neuen Regenradar mit dem schönen Namen „X-Band-Radar“. Und das soll das Nass von oben auf ein Gebiet von 25 Metern mal 25 Metern präzise lokalisierbar machen.

„Die bisherigen Vorhersagemöglichkeiten lassen uns festlegen, ob es in Burtscheid regnen wird oder nicht, weil wir Niederschlag bislang auf einen Quadratkilometer prognostizieren können. Jetzt können wir den Menschen raten, am oberen Ende des Katschhofs zu stehen, weil sie am unteren Ende nass werden“, veranschaulichte Michael Natschke von der Kisters AG die Verbesserung durch das „X-Band-Radar“.

Anlass für die Entwicklung des neuen Radars samt Technologieplattform „HydroMaster“ durch die beiden Firmen ist natürlich nicht das Hochzeitsglück von zukünftigen Brautpaaren, sondern vielmehr durch den Klimawandel deutlich häufiger auftretende Extremwetterlagen. „Im Moment fehlen uns im Falle von Starkregenereignissen weitgehende Informationen, um Gefährdungsbeurteilungen im Vorfeld sinnvoll abzugeben. Wir können nur akut entscheiden“, erklärte Elmar Wiezorek, Leiter des Fachbereichs Umwelt der Stadt Aachen.

Durch die Aufbereitung der Daten in Echtzeit und einen Beobachtungsradius von 80 Kilometern erhofft er sich eine längere Vorlaufzeit für die Warnung der Bevölkerung sowie der Infrastrukturbetreiber, wie zum Beispiel den Wasserverband Eifel-Rur und die Aseag, die dann rechtzeitig Maßnahmen ergreifen können. Auch soll durch die nachträgliche Auswertung der präziseren Starkregendaten eine Karte mit stark und weniger stark gefährdeten Gebieten entstehen. „So können wir die Bevölkerung zielgerichteter aufklären, wie sie sich langfristig gegen Überflutungen schützen können“, so Wiezorek.

Regen stoppt nicht an der Grenze

Wenn es nach Professorin Christiane Vaeßen, Geschäftsführerin des Zweckverbands Region Aachen, geht, sollen von den Echtzeitdaten auch bald andere euregionale Kommunen profitieren. Schließlich liegen in 80 Kilometern Umkreis von Oberforstbach viele Gemeinden dies- und jenseits der Grenze. „Und der Regen stoppt nicht daran.“ Deshalb möchte sie das Entwicklungsprojekt „X-Band-Radar“ möglichst frühzeitig weiträumig bekannt machen. „Solche Projekte, die von regionalen Firmen getragen werden, helfen uns auch beim Strukturwandel“, ist sie sich sicher.

Das „X-Band-Radar“ von Kisters AG und Gamic mbh wird außer von der Stadt Aachen auch vom Bundesumweltministerium im Rahmen des Förderprogramms „Maßnahmen zur Anpassung an die Folgen des Klimawandels“ für zweieinhalb Jahre gefördert. Die Fördersumme liegt bei etwa 40 Prozent. Über die genauen Investitionssummen wollten Natschke und Paul Malkomes, Geschäftsführer von Gamic mbh, indes Stillschweigen wahren. Neben der technischen Entwicklung soll auch ein Betreibermodell entstehen, das weitere Kommunen als Datenabonnenten gewinnen soll.