FFF: "Parkhotel" in Aachen bei Google in der Poleposition

Glosse zum „Parkhotel“ : Fünf Sterne für das „Parkhotel“ von „Fridays for Future“

Gibt es in Aachen etwa ein neues Spitzenhotel? Den Eindruck erwecken zumindest Rezensionen auf dem Portal einer einschlägigen Suchmaschine. Von einer „einzigartigen Bauweise“ ist da die Rede, von „hervorragendem Service“ und „großzügig geschnittenen Räumlichkeiten“ mit „besten Entfaltungsmöglichkeiten für Freigeister und Querköpfe“.

Dazu gibt es (fast) ausschließlich Top-Bewertungen: fünf Sterne – besser geht nicht! Zum Vergleich: Der Quellenhof, Aachens einziges offizielles Fünf-Sterne-Hotel, erhält bei Google nur eine durchschnittliche Bewertung von 4,3.

Dabei liegt der neue Konkurrent in Sachen Komfort und Serviceleistung offenbar gar nicht mal so weit vom altehrwürdigen Prachtbau an der Monheimsallee entfernt. Zu finden ist es an der Krefelder Straße, in unmittelbarer Nähe des Fußballstadions Tivoli. Der Name, den man sich offensichtlich merken sollte: das „Parkhotel“ – eine liebevolle Verschmelzung von Parkhaus und Hotel. Die feierliche Eröffnung war am Donnerstag, als die ersten rund 1400 Demonstranten für den zentralen Klimastreik von „Fridays for Future“ in Aachen ankamen. Insgesamt vermeldete der „Betreiber“ – ein überaus junges und engagiertes Team aus dem Raum Aachen – für die ersten drei Nächte insgesamt 4800 Gäste. Damit war das „Etablissement“ zumindest in der Nacht von Freitag auf Samstag fast ausgebucht.

Die Stadt Aachen hatte den Organisatoren der Großdemo das Parkhaus als Unterkunft zur Verfügung gestellt. Auf zwei Ebenen durften die Teilnehmer, die aus insgesamt 17 Ländern Europas kamen, Isomatten und Schlafsäcke ausrollen. Ordner sowie Kräfte der Freiwilligen Feuerwehr kontrollierten rund um die Uhr, dass Rettungswege frei- und das Rauchverbot eingehalten wurden. Dafür leisteten die Gäste einen Kostenbeitrag von zehn Euro für drei Übernachtungen. Wer zudem noch die Anreise über „Fridays for Future“ in Anspruch nahm, zahlte zwischen 35 und 40 Euro. Als „ad-on“ konnte bei Bedarf auch „Halbpension“ dazugebucht werden.

Dass viele Gäste gerne wiederkommen würden, zeigen die Online-Bewertungen. „Das endlose Mosaik der Bodenfliesen wird künstlerisch durch gelegentliche runde Ölgemälde durchbrochen, während das offene Konzept der Fenster und Tore ein Zeichen für alternative Wohnungsbaustile setzt“, schreibt ein Nutzer begeistert. Lobend erwähnt wurde neben der einwandfrei funktionierenden „Klimaanlange“ auch die moderne Raumstruktur: „Der Architekt will, dass alle Menschen sich besser kennenlernen, und verzichtet deswegen in den Schlafräumen auf Wände. Der Boden ist ein kunstvoll gelegtes Mosaik aus grauen Steinen, und die Fenster sind so sauber, man könnte denken, die wären gar nicht da.“

Mehr als 650 Bewertungen hat das „Parkhotel“ innerhalb von gerade mal zwei Tagen erhalten. Es ist – Stand Montagnachmittag – das bestbewertete Hotel in Aachen. Ein Indikator dafür, dass man das „Pop-up-Konzept“ – etwas, das plötzlich auftaucht und nur kurze Zeit andauert – in Zukunft öfters aufleben lassen sollte? Wolfgang Winkler, Vorsitzender des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbandes (Dehoga) Aachen, sieht im „Parkhotel“ sogar einen neuen Trend und einen „ernst zu nehmenden Platzhirschen“: „Nachdem es in der Restaurantbranche schon länger sogenannte Pop-ups gibt, ziehen wir in der Hotellerie jetzt nach. Genauso wie bei den Restaurants entstehen neue Pop-up Hotels jetzt an den ungewöhnlichsten, exquisitesten Plätzen wie am Aachener Tivoli … schlummern für eine Nacht, und schon morgen schläft es sich woanders ebenfalls gut.“

Es könnte eine Marktlücke sein. Doch die Stadt Aachen dämmt am Montag die Hoffnung auf eine baldige Wiederholung: „Die Stadt Aachen freut sich, dass die vielen hundert jungen Übernachtungsgäste ihren Besuch genießen konnten. Sie muss allerdings an dieser Stelle ebenfalls  darauf hinweisen, dass der ,Hotelbetrieb’ eine einmalige Angelegenheit und auf eine Betriebsdauer von exakt drei Nächten angelegt war. Insofern war es für alle Beteiligten eine geradezu historische Erfahrung.“ Schade eigentlich. 

Anmerkung: Der Karteneintrag für das „Parkhotel“ wurde zwischenzeitlich vom Betreiber gelöscht und damit auch die Bewertungen.

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