Aachen: Feuerwehrübung: Wenn der Pkw nach einem Unfall im Graben landet

Aachen : Feuerwehrübung: Wenn der Pkw nach einem Unfall im Graben landet

Auf regennasser Fahrbahn einmal kurz abgelenkt, das Steuer verrissen — und ehe man sich versieht, liegt das Fahrzeug im Straßengraben. Alltag für die Feuerwehr, die das Gefährt nun mit Seilwinden wieder auf die Straße befördern muss. Doch wer diese nicht beherrscht, darf sie nicht benutzen, denn der Umgang mit der Bergewinde ist eine der gefährlichsten Anwendungen eines Maschinisten.

Damit im Ernstfall dennoch alles gelingt, nehmen die Wehrleute regelmäßig an mehrtägigen Seminaren teil, die speziell auf besondere Einsatztechniken ausgelegt sind, wie etwa der professionelle Umgang mit Berge- und Seilwinden. Das wurde jetzt im Aachener Wald geübt.

„Die Situation soll darstellen, dass ein Pkw von der Straße abgekommen, circa 35 Meter in die Tiefe gestürzt und dort 50 Meter von der Straße in einem engen Graben zum Liegen gekommen ist“, beschreibt Uwe Weiß, Leiter Einsatztechnik und Führungsdienst der Feuerwehr Aachen, das Übungsszenario. „Aufgrund der sehr ungünstigen Lage muss also zunächst ein Zwischenplatz gefunden werden, wo Feuerwehr und Notarzt Patienten versorgen können und die feuerwehrtechnische Versorgung sicherstellen.“

Sind die Verunglückten erstmal befreit, versorgt und in Sicherheit gebracht, rückt schweres Bergungsgerät an. 45 Tonnen kann der Feuerwehrkran heben. Am Ende des 35 Meter langen Auslegers sind immerhin noch 2900 Kilogramm möglich. „Selbst das würde für den PKW ausreichend sein“, meint Weiß. Allerdings ist das Auto über den Teleskopausleger nicht zu erreichen.

Ein hohes Gefahrenpotenzial

„Der Kran wird hierbei als Kontergewicht eingesetzt, um mit seiner schweren Bergewinde das Fahrzeug zu bergen“, erklärt Weiß. Von den acht Tonnen Zugkraft, die diese Winde aufbringen kann, wird allerdings nur ein Bruchteil benötigt. Für die 16 Wehrleute aus Berlin, Hannover, Frankfurt am Main, Heilbronn und Aachen birgt die Bergung ein hohes Gefahrenpotenzial, denn die Arbeit mit Winden sei sehr gefährlich, so der Ausbilder. Seile könnten reißen und wie Peitschen umherschnellen. „Achten muss man vorrangig auf den Eigenschutz unserer Kräfte“, so Weiß, „deshalb müssen die Dienstvorschriften strengstens eingehalten werden.“

Nach gut eineinhalb Stunden ist der Wagen zum Abtransport verladen. „Das sähe im Einsatz natürlich anders aus, hier steht der Lerneffekt im Vordergrund.“ Aber auch der Erfahrungsaustausch zwischen den Feuerwehren sei wichtig. Dabei können Seilwinden wesentlich mehr als der Laie vermutet. „Die Seilwinde ist ein universelles Einsatzgerät“, erklärt Ausbilder Hans Jäger von der Feuerwehr Aachen. Damit könne man Fahrzeuge drehen und aufrichten, umgestürzte Ladeeinheiten heben, Fahrzeuge sichern sowie umgefallene Bäume wegziehen und wieder aufrichten.

Auch bei Auffahrunfällen ist sie ein bewährtes Hilfsmittel, beispielsweise wenn sich zwei Lkw ineinander verkeilt haben: „Wir haben in Aachen ein Zuggestänge entwickelt, um das komplette Fahrzeugpakt wegzuziehen“, erläutert Jäger. Mittels Umlenkrollen entstehe ein Flaschenzug, mit dem man selbst ein 42-Tonnen-Gespann mit geschlossenen Bremsen bewegen könne.