Aachen: Fette Finanzspritze für marode Schulen in Aachen

Aachen: Fette Finanzspritze für marode Schulen in Aachen

Die Bestandsaufnahme liest sich besorgniserregend: „Das nunmehr 45 Jahre alte Gebäude weist erheblichen Sanierungsbedarf auf“, heißt es da. Einzelne „Bauteile der Gebäudehülle“, also Dach, Fassaden und Fenster, seien sogar „abgängig“ — was wohl bedeutet, dass sie sich langsam selbstständig machen.

Deshalb bestehe mittlerweile ein „kurzfristiger Handlungsbedarf“. Und: Die Beseitigung der umfangreichen Schäden müsse „höchste Priorität“ genießen und dürfe „nicht verzögert oder fachfremden Sichtweisen untergeordnet werden“.

Gerade der letzte Satz verwundert nicht, wenn man bedenkt, dass hier von einem Gebäude die Rede ist, das täglich von rund 1200 Kindern und Jugendlichen bevölkert wird. Denn die drastischen Worte stehen in einem Sachstandsbericht über den Zustand des Inda-Gymnasiums, das in Kornelimünster gelegene größte Gymnasium Aachens.

Und am anderen Ende der Stadt, in Laurensberg, steht noch so eine „Bruchbude“ — zumindest was die Außenhülle angeht. Denn auch im dortigen Schulzentrum sind Fenster, Fassaden und Dächer der 1978 erbauten Trakte A und B „stark sanierungsbedürftig“. Und auch dort, wo das Anne-Frank-Gymnasium und die Heinrich-Heine-Gesamtschule untergebracht sind, sind bereits einzelne Bauteile „abgängig“, wie es im Bericht des städtischen Gebäudemanagements heißt.

Da trifft es sich gut, dass Anfang Februar die Zusage über eine fette Finanzspritze im Aachener Rathaus eingetroffen ist. Gut 13,4 Millionen Euro aus dem sogenannten Kommunalinvestitionsförderungsgesetz des Bundes fließen von Berlin in den Westzipfel, streng zweckgebunden für die Verbesserung der Schulinfrastruktur.

Schon Ende 2015 waren aus dem gleichen Fördertopf knapp 15 Millionen Euro geflossen, die damals noch etwas breiter gestreut werden konnten. Das Geld wurde in die Anschaffung von Elektrobussen, die U3-Betreuung und die jetzt anstehende Sanierung des Einhard-Gymnasiums gesteckt.

Dass die aktuelle Finanzspritze nun die maroden Gemäuer von Inda-Gymnasium und Schulzentrum Laurensberg wieder fit machen soll, hat der Schulausschuss kürzlich empfohlen. Den endgültigen Beschluss wird der Stadtrat am kommenden Mittwoch fassen. Allerdings könnte es sein, dass die 13,4 Millionen Euro aus Berlin nicht reichen, um alle Schäden zu beheben — auch wenn die Stadt zu dieser Förderung noch einen Eigenanteil von zehn Prozent beisteuern muss.

Denn nach einer ersten groben Schätzung beziffert die Verwaltung die Gesamtkosten beim Schulzentrum auf 9,5 Millionen und am Inda-Gymnasium auf knapp sechs Millionen Euro. Damit wäre, wie es in der Vorlage für die Ratssitzung heißt, „die gesamte in Aussicht gestellte Förderung bereits um rund 550.000 Euro überschritten“.

Und dabei dürfte es kaum bleiben: Angesichts „mangelnder Planungstiefe“ reklamiert die Verwaltung derzeit eine „Kostenunsicherheit von bis zu 40 Prozent“. Soll heißen: Im schlimmsten Fall könnten die beiden Maßnahmen rund 6,2 Millionen Euro teurer werden. Dieses Geld müsste die Stadt zuschießen. Oder es gibt, was zu erwarten ist, auch in den nächsten Jahren entsprechende Förderprogramme. Eine Alternative zur Sanierung gibt es jedenfalls nicht.

Deshalb soll es nun nach Möglichkeit schnell gehen. „Die Zeit drängt, es wird mit Hochdruck an der Planung gearbeitet“, sagt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Denn: Der Förderzeitraum reicht nur bis Ende 2022, dann müssten die Maßnahmen fertiggestellt sein. Das Gebäudemanagement bereite derzeit die EU-weite Ausschreibung vor, mit den Arbeiten wolle man einer ersten Grobplanung zufolge Mitte 2020 beginnen.

Dann dürften auf die betroffenen Schulen bewegte Zeiten zukommen. Auch dazu stehen in den Berichten des Gebäudemanagements deutliche Worte. Mit Problemen sei zu rechnen aufgrund der „erheblichen Komplexität“ der Maßnahmen und des „erheblichen Zeitdrucks“, heißt es da.

Störungen für den Schulbetrieb seien nicht auszuschließen, eine Beschränkung auf die Ferienzeiten beispielsweise bei der Sanierung der großen Dachflächen des Laurensberger Schulzentrums kaum möglich. Darüber wird dann noch zu reden sein. „Natürlich werden wir rechtzeitig mit den betroffenen Schulen über die genauen Abläufe sprechen.“

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