Aachen: „Fest der Lichter“: Geist von Taizé erfüllt den Aachener Dom

Aachen: „Fest der Lichter“: Geist von Taizé erfüllt den Aachener Dom

Einmal im Jahr räumt der Aachener Dom sämtliche Stühle aus dem Oktogon und macht Platz für rund 1000 Jugendliche und junge Erwachsene für die „Nacht der Lichter“.

Der Fachbereich kirchliche Jugendarbeit für die Regionen Aachen-Stadt und -Land hatte in Kooperation mit dem Jugendreferat des evangelischen Kirchenkreises Aachen und der Hauskirche „Kafarnaum“ zu diesem ökumenischen Abendgebet eingeladen, das mit Gesängen und Meditation den Geist der ökumenischen Gemeinschaft von Taizé in die Domstadt tragen möchte.

Vielstimmig: Die Gesänge erklangen im Dom mal in Deutsch, mal in Englisch, mal in Französisch. Kernaussagen der Lesungen werden in verschiedenen Sprachen wiederholt. Foto: Andreas Steindl

Die „Communauté de Taizé“ wurde 1949 von Roger Schutz nahe des burgundischen Dorfs Taizé gegründet. Heute leben rund 100 Brüder aus 25 Nationen in dieser Gemeinschaft, die aus Katholiken und Mitglieder verschiedener evangelischer Kirchen besteht. „Wir wollen vor allem Menschen sein, die anderen zuhören. Wir sind keine Lehrmeister“, hatte Roger Schutz, der Gründer der Gemeinschaft einmal gesagt.

Jedem ein Licht: Höhepunkt der Lichterfeier ist traditionell das Entzünden der Kerzen.

Vielleicht ist es diese Haltung, die gerade Jugendliche und junge Erwachsene anspricht. Seit den 60er Jahren pilgern jedes Jahr Tausende in das kleine Dorf, besonders um die Osterzeit herum, um dort einige Tage mit den Brüdern der Gemeinschaft zu leben. Die Lichterfeier, bei der der Auferstehung Christi gedacht wird, findet in Taizé jeden Samstag statt. Den Geist von Taizé beschreibt Lisa Patzelt, Beauftragte für regionale Jugendarbeit in Aachen-Stadt und -Land und Mit-Organisatorin des Abends, so: „Gott steckt im Einfachen. Die Menschen sollen im Einfachen Gott finden.“

Andächtig: Aachens Bischof Helmut Dieser (rechts) und Dompropst Manfred von Holtum.

In der Umsetzung offenbart sich das so: Ein roter Teppich ist im Oktogon ausgelegt. Den Altarraum prägen Kreuzikone und Osterlicht. Auch an den Säulen sind Ikonen aufgestellt, die Szenen aus dem Leben Jesu darstellen. Die Feier bereitet ein siebenköpfiges ökumenisches Team vor, im Dom unterstützen der Chor „Pius-Celebration“ und das Orchester des Bischöflichen Pius-Gymnasiums sowie Techniker des Philipp-Neri-Hauses die Lichterfeier. Lesungen und Gebete werden von Jugendlichen vorgetragen.

Das ist auch in diesem Jahr so, doch eine Besonderheit gibt es: Die Begrüßungsworte richtet Aachens neuer Bischof Helmut Dieser an die Besucher. Vor einer Woche ist er im Aachener Dom in aller gebotenen Pracht offiziell in sein Amt eingeführt worden. „Heute erlebe ich diesen Dom zum ersten Mal gefüllt mit jungen Menschen. Nicht, weil es Touristen sind oder ein Leistungskurs, der sich mit der Geschichte Karls des Großen befasst, sondern weil sie beten wollen.“ Für ihn sei das etwas Besonderes. Als Bischof sehe er sein Anliegen auch darin, junge Menschen auf ihrem Weg bei der Suche nach Gott zu begleiten.

Miteinander der Sprachen

Der Geist von Taizé, das ist auch das Miteinander verschiedener Sprachen: die Gesänge erklingen mal in Deutsch, mal in Englisch oder Französisch. Kernaussagen der Lesungen werden in verschiedenen Sprachen wiederholt. In vielen europäischen Ländern wird die „Nacht der Lichter“ im Herbst und Winter als Baustein auf dem Weg zum internationalen Jugendtreffen in einer europäischen Großstadt gefeiert.

In diesem Jahr ist das die lettische Hauptstadt Riga. Daran erinnerte auch ein kurzer Gesang in lettischer Sprache. Höhepunkt der Lichterfeier ist das Entzünden der Kerzen, die am Eingang an jeden Besucher ausgeteilt wurden. Den Schlusssegen sprach Hans-Peter Bruckhoff, Superintendent des evangelischen Kirchenkreises Aachen.