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Aachen: Fest der Begegnung: Sport lässt manche Hemmschwelle fallen

Aachen : Fest der Begegnung: Sport lässt manche Hemmschwelle fallen

Ein bisschen fühlt es sich an wie fliegen, so eine Fahrt im TriBike. Bei diesem speziellen Fahrrad nimmt der Fahrgast vorne in einem Sitz Platz und wird vom Fahrer hinten kutschiert. Zwei dieser Fahrräder stehen dem Heinrich-Sommer-Haus in Brand zur Verfügung, einer Außenwohnanlage des Aachener Vinzenz-Heims.

So haben auch Menschen mit Behinderung die Möglichkeit, an einer Radtour teilzunehmen oder Wege zurückzulegen, die sie sonst im Bus oder im Auto bestreiten.

Die TriBikes, ein klassisches Rad und ein E-Bike, zogen auch beim Fest der Begegnung zahlreiche Testfahrer an, die sich einmal über den Vorplatz des Tivoli-Stadions an der Krefelder Straße fahren lassen wollten. „Ein bisschen Vertrauenssache ist das schon, man sieht ja nicht, was der Fahrer tut“, meint Niklas Zillig, der als Betreuer im Vinzenz-Heim arbeitet. Doch die strahlenden Gesichter sind beredter Ausdruck, wie sehr die Fahrgäste es genießen, sich einmal so den Wind um die Nase wehen zu lassen.

Die Perspektive wechseln

Zu sehen und auszuprobieren gab es beim 35. Fest der Begegnung außerdem reichlich. Der integrative Kultur- und Sportverein Tabalingo hatte einen Sportparcours aufgebaut. Beim Rollstuhlhockey und -handball konnten Besucher mitmachen oder sich beim integrativen Judo des TSV Walheim auf die Matte schicken lassen. Zum 35. Mal luden die Behindertenverbände aus Stadt und Region Aachen zu diesem Fest ein, um Menschen mit und ohne Behinderung bei gemeinsamen Aktivitäten zusammenzubringen. Sport hat dabei auch im Alltag eine wichtige Funktion bei der Inklusion, findet Ingeborg Jansen, Behindertenbeauftragte der Stadt Aachen: „Beim Rollstuhlhockey bewegen sich auch Menschen ohne Behinderung im Rollstuhl fort. Sie erleben, wie das ist. Es hilft, die Perspektive mal zu wechseln.“

Den Rollstuhl-Sportclub Aachen (RSC), bei dem Rollstuhlhockey gespielt wird, gibt es seit 2003. „Die Sportart gab es bei der Gründung so noch gar nicht“, erzählt Dirk Branigk, erster Vorsitzender des RSC. Fündig wurde man beim Eishockey und wandelte die Regeln so um, dass es auf ihre Bedürfnisse passte. Im Club spielen Menschen mit und ohne Behinderung zusammen, 16 Aktive ab 18 Jahren zählt der Club derzeit. Auch einen Liga-Betrieb gibt es, obwohl der zurzeit auf Eis liegt. „Wir lernen voneinander“, beschreibt Branigk das Miteinander: „Menschen ohne Behinderung können sich abdrücken und haben vielleicht dadurch etwas mehr Beweglichkeit. Dafür kennt der Rollstuhlfahrer seinen Rollstuhl blind.“ Der gemeinsame Sport helfe, Berührungsängste auf beiden Seiten abzubauen.

Autogrammstunde mit der Alemannia

Etwas, was auch an diesem Nachmittag auf dem Tivoli-Vorplatz — erstmals Ort der Austragung — gut gelang. Ingeborg Jansen und Stefanie Krauß von der Leitstelle „Menschen mit Behinderungen“ der Stadt Aachen waren zufrieden mit dem Zuspruch der Besucher. „Den Verbänden ist die Begegnung sehr wichtig. Sie möchten nicht nur unter sich bleiben“, betonte Ingeborg Jansen. Der Besucherzuspruch war auch bei der Autogrammstunde von Spielern der Alemannia groß.

Die Beteiligten des Festes nutzten die Gelegenheit, zu zeigen, was sie können. Beim Chor „Hands up“ der Katholischen Grundschule Am Römerhof sind hörende Kinder, Kinder mit Hörschädigung und gehörlose Kinder zusammen. Sie übersetzen Musik in Gebärdensprache und machen Musik so erlebbar. Die Gruppe „Capoeira Siao“ beließ es nicht nur bei einer Demonstration des brasilianischen Kampfsports, sondern animierte die Zuschauer zum Mitmachen. „Hier wird in die Realität umgesetzt, was wir politisch einfordern,“ sagt Elisabeth Paul, stellvertretende Städteregionsrätin.