Fest auf dem Synagogenplatz beendet Jüdische Kulturtage

Jüdische Kulturtage : Zum Abschluss wurde auf dem Synagogenplatz gefeiert

„Zuhause – jüdisch. Heute. Hier“. Unter diesem Motto fanden in Nordrhein-Westfalen die Jüdischen Kulturtage statt. Gefeiert wurde auch in Aachen.

Vom 20. März bis zum 14. April stand bei den Veranstaltungen die Frage im Mittelpunkt, inwiefern das jüdische Leben unsere Kultur prägt. In Aachen sind die Tage am Sonntag mit einem „Fest der Begegnung“ auf dem Synagogenplatz zu Ende gegangen. Und das Wetter spielte mit, was bei Open-air-Veranstaltungen in der Domstadt keine Selbstverständlichkeit ist.

Gemeinsam mit der jüdischen Gemeinde hatte der Kulturbetrieb der Stadt Aachen eingeladen. Die vierköpfige Klezmer-Formation „Dance of Joy“ spielte auf, dazu gab es Falafel und koscheren Wein. Rund 100 Besucher nahmen die Einladung zur Begegnung an, eine Größe, die auch die Veranstalter angepeilt hatten.

Das Fest war dabei in mehrfacher Hinsicht eine Premiere: Es ist das erste Mal, dass das Programm der Jüdischen Kulturtage buchstäblich nach draußen geht. Und auch die jüdische Gemeinde lädt zum ersten Mal zu einem Fest außerhalb der Synagoge ein. Nachbarn, Mitglieder der jüdischen Gemeinde, Neugierige haben auf den Sitzbänken Platz genommen oder sind stehengeblieben, um der Klezmer-Musik zuzuhören.

Friedrich Thul, Geschäftsführer der jüdischen Gemeinde Aachen, freut sich über die Resonanz. „Wir sind ein Bestandteil der Gesellschaft“, unterstreicht er. Sichtbares Zeichen dafür soll auch dieses Fest sein. Ebenso sichtbar sind allerdings auch die Mannschaftswagen der Polizei, die an der Synagoge platziert sind.

Auch in Deutschland hat der Antisemitismus zugenommen. Damit müsse man umgehen, sagt Friedrich Thul. Der Stimmung tut das keinen Abbruch. Der Einladung, bei der Kälte doch zu den Klängen der Klezmer-Musik zu tanzen, folgten die Gäste zwar nicht, doch rhythmisches Mitwippen bei den schnelleren Stücken war hie und da doch zu beobachten.

Für Susanne Güntner vom Kulturbetrieb der Stadt Aachen ist dieses Fest ein schöner Anlass, jüdisches Leben in Aachen in Fröhlichkeit und Freundschaft zu würdigen. Es bildet den Abschluss einer insgesamt gelungenen Veranstaltungsreihe zu den Jüdischen Kulturtagen. Zehn Veranstaltungen aus fast allen Sparten – vom Comic-Konzert über „Ein Abend für Fredy Hirsch“ bis hin zu Kinofilmen – fanden dabei ihr Publikum. „Es war ein sehr feines Programm. Wir hatten eine tolle Resonanz, trotz der Konkurrenz durch das Schrittmacher-Festival und die Criminale. Die Jüdischen Kulturtage finden alle vier Jahre statt und erreichen immer ihr Publikum“, zieht Güntner Bilanz.

Beide Seiten können sich vorstellen, den Synagogenplatz auch zukünftig für Veranstaltungen zu nutzen. Auch in der Hinsicht war das Fest der Begegnung eine gelungene Premiere.

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