Aachen: FDP: Hinter den Kulissen kracht es weiter

Aachen: FDP: Hinter den Kulissen kracht es weiter

Im September ist Petra Müller bekanntlich über die Landesliste in den Bundestag eingezogen. Bis Mittwochnachmittag stand sie indes auf der Verlustliste der örtlichen Basis.

Dabei haben sich die Gemüter bei den Liberalen keineswegs beruhigt, seit Müller jüngst auf Bezirksebene eine heftige Watsche hinnehmen musste. Als Vizevorsitzende des Parteiverbands war sie nicht bestätigt worden. „Seither hat sie sich bei uns nicht mehr gemeldet”, bekundete der Kreisvorsitzende Dr. Alexander Heyn auf Nachfrage lakonisch. Selbst die Teilnahme bei der internen Vorstandssitzung habe die Abgeordnete abgesagt. Dann aber erschien sie überraschend doch.

Und während sich rund 20 Parteifreunde im „Brander Stier” auf den NRW-Wahlkampf einschwören ließen, tagte der FDP-Vorstand nebenan stundenlang hinter verschlossener Tür. Am späten Abend schließlich - während das Gremium noch immer debattierte - ließ Heyn die Versammlung wissen, dass der parteiinterne Konflikt keineswegs beigelegt sei.

Denn ein Schreiben, das kein Geringerer als Bundesschatzmeister Dr. Hermann Otto Solms persönlich und vertraulich an ihn sowie den örtlichen Schatzmeister Dr. Klaus Vossen gesandt hatte, um der Abgeordneten den Rücken zu stärken, sei in Parteikreisen ohne Rücksicht auf das Briefgeheimnis verbreitet worden. Dies, so Heyn, sei ein Skandal, der ihn veranlasst habe, einen Anwalt einzuschalten.

Wie berichtet, hatte Müller bei einer jener internen Vorstandssitzungen im Juli 2009 vorgeschlagen, eine in Aussicht gestellte Spende an den offiziellen Gremien vorbei zu schleusen - was, weil illegal, vehement abgelehnt wurde. Im besagten Brief unterstreicht Solms, er habe die Angelegenheit prüfen lassen - und sehe keinen Grund für weitere Konsequenzen. Schließlich sei die Spende ja gar nicht geflossen.

Heyn mochte der AZ am Dienstag freilich keine offizielle Stellungnahme zum Bescheid aus Berlin geben. Wie sich bei den Liberalen dieser Tage generell kaum einer aus der Deckung hervorwagt - während die Fronten der Müller-Kritiker und -Freunde hinter den Kulissen heftig aufeinanderprallen.

Letztere munitionieren sich etwa hinter vorgehaltener Hand mit dem Hinweis, Heyn selbst betreibe eine Werbeagentur, die schon manche Parteikampagne gestaltet habe. „Das ist korrekt”, sagte Heyn der AZ, „allerdings haben wir den Wahlkampf von Frau Müller nicht konzipiert, die Kampagne wurde von der Bundesebene übernommen. Wenn wir Kampagnen gemacht haben, dann immer nach offiziellem Beschluss der Parteiführung - und zwar ohne meine Beteiligung.” Zudem habe seine Agentur auch Werbefeldzüge anderer Parteien gestaltet.

Petra Müller schweigt derweil in der Öffentlichkeit weiterhin ganz und gar. Sie war auch am Dienstag für die AZ nicht zu erreichen.

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