Aachen: Fatale Löcher im Etat, feine Lücken in der City

Aachen : Fatale Löcher im Etat, feine Lücken in der City

Der lange befürchtete nächste finanzielle Flächenbrand unterm Dach des Theaters ist, nicht zuletzt durch Zuschusserhöhungen vonseiten des Landes, vorerst eingedämmt — schon wird das nächste beachtliche Loch in den städtischen Kulturetat gerissen. Und wiederum hängt dies vor allem mit den vergleichsweise massiven Tarifsteigerungen im öffentlichen Dienst zusammen.

Ziemlich verärgert nahmen die Politiker im Kulturausschuss jetzt die Mitteilung zur Kenntnis, dass der Kulturbetrieb im ersten Quartal 2018 ein sattes Minus über insgesamt knapp 344.000 Euro verzeichnet. Allein rund 314.000 Euro schlagen dabei unter anderem aufgrund von Gehaltserhöhungen um mehr als drei statt, wie vorab veranschlagt, ein Prozent zu Buche. Hinzu kommt ein Defizit von 23.000 Euro, weil die Musikschule wegen aktueller Sanierungsarbeiten im Stammhaus am Blücherplatz zum Jahresbeginn für voraussichtlich etwa zwölf Monate in die ehemalige Hauptschule Franzstraße ausgelagert werden musste. Nun also muss geklärt werden, wie die zusätzlichen Kosten im budgetierten Eigenbetrieb im städtischen Gesamtetat positioniert werden können.

Was die Vertreter der Fraktionen keineswegs davon abhielt, die inhaltliche Arbeit des Kulturbetriebs gelegentlich in den höchsten Tönen zu loben. Ein neues Strategiepapier aus der Feder von Olaf Müller erntete nicht nur bei den Grünen Begeisterung. Sie hatten beantragt, neue Potenziale zur Schaffung von Spielräumen für Kunstdarbietungen aller Art vor allem in der City, im Hochschulbereich und in Grünanlagen zu erkunden.

„Mythische Attraktivität“

Dabei sollen die städtischen Abteilungen für Bauverwaltung, Stadtentwicklung und Wirtschaftsförderung jetzt verstärkt ins Boot geholt werden. So könnten verwaiste Fabrikgelände zumindest vorübergehend für innovative Veranstaltungsformen zur Verfügung gestellt werden — etwa das ehemalige Gebäude der Firma Strang am Eisenbahnweg, das als Plattform für das „Schrittmacher-Festival“ vom Publikum hervorragend angenommen wurde.

Überdies soll der „charmanten Beliebigkeiten“ mehr oder minder improvisierter Festivitäten in den Parks „eine programmatische Konzeption zur Seite gestellt werden“, schreibt Müller. Wie vor allem im Kennedypark bereits vielfach praktiziert, könnten die Anlagen — ähnlich wie bei der erfolgreichen Reihe „Sport im Park“ — als Aktionsfelder für Angebote genutzt werden, die sich an verschiedene Zielgruppen wie Studenten, Migranten und Familien richten. Auch die „mythische Attrakivität“, die besondere historische Atmosphäre des Altstadtkerns biete noch viele Möglichkeiten. Zentrale Orte und Plätze wie Markt, Münsterplatz, Elisengarten, Hof, aber auch Kármán-Auditorium und Pontviertel, Theater, Rathaus und Dom wollen die Kulturschaffenden für neue, möglichst offene „Formate“ neu in den Blick nehmen — um nur einige zu nennen.

Bester Resonanz erfreut sich unterdessen bereits das Anfang 2017 eröffnete Depot an der Talstraße, wie Dezernentin Susanne Schwier berichtete. Daher sollen im Ganzen 57.000 Euro in die Beschaffung der erforderlichen technischen Grundausstattung (akustische Anlagen, Beamer, Stellwände) und Verdunkelungssysteme investiert werden. 35.700 Euro sind dafür bereits eingeplant, der Rest soll im kommenden Jahr aufgebracht werden.

Lediglich die FDP sprach sich im Ausschuss gegen das Maßnahmenpaket aus, während die übrigen Ratsvertreter der Argumentation der Verwaltung einhellig folgten: Bereits im ersten Jahr seines Bestehens habe das Depot rund 30.000 Euro an jährlichen Einnahmen verzeichnen können — mindestens 35.000 Euro sollen künftig in die Kassen fließen. Die technische Infrastruktur werde den jeweiligen Veranstaltern selbstverständlich in Rechnung gestellt, so dass sich das neue Equipment rasch amortisiere.

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