Kunst in Aachen: Faszinierende Bilder aus dem Computer

Kunst in Aachen : Faszinierende Bilder aus dem Computer

„Einmal durch den Keller kommen, bitte“, schallt es vom dunklen Ende des langen Flures. Eine andere Möglichkeit, in das „Kreativhabitat“ mit Atelier, Ausstellungsraum, Büros und Showroom von Tim Berresheim zu gelangen, gibt es noch nicht. Noch ist alles Chaos, aus dem Struktur und vor allem ein Angebot für Kunstinteressierte entstehen soll, das gleichzeitig niederschwellig ist und viele Leute erreicht, aber auch „Futter für Profis“ bietet.

Los geht es an Aachens neuer Kunstadresse mit der Eröffnung der Solo-Ausstellung „Aus alter Wurzel neue Kraft. From Los Angeles to Bad Aachen“, bei der Tim Berresheim nicht nur seinen neuen Showroom „Die Kabine“ zeigen, sondern auch seine einzigartige Arbeitsweise nahebringen kann. „Ich bin ein Schmelztiegel“, sagt der 44-Jährige, der sich trotz Studienzeiten an der Kunsthochschule Braunschweig und der Düsseldorfer Kunstakademie als Autodidakt bezeichnet.

Berresheims Kunst ist ohne den Computer nicht denkbar. „Ich bin ein experimenteller Typ von Kindheit an“, kennzeichnet der Künstler sich selbst und schaut auf das mit Totenkopf-Textil bezogene Riesensofa in seinem Atelier. Unmengen von Schallplatten und Musiktechnik erinnern daran, dass der künstlerische Weltenbummler aus der Region Aachen auch Musik macht, was wiederum zu seiner durch und durch computergenerierten Kunst passt. Seit Anfang 2002 schafft er mit dem Computer Bilder, die durch ihre Mehrdimensionalität und bühnenhafte Inszenierung faszinieren. Immer sind es komplexe, äußerst detaillierte Darstellungen, teils auch mit optischen Verzerrungen, die die Blicke tiefer und tiefer in das Kunstwerk ziehen und seine Lesbarkeit verändern.

So spielt Berresheim nicht nur mit der Realität wie andere Künstler auch, sondern geht dank seiner Möglichkeiten weiter. Während er auf höchstem technischen Niveau mit diversen Ebenen der Realität spielt, reicht dem Betrachter allerdings eine App auf dem Handy, um das Kunstwerk voll zu erfassen.

Aufbruchstimmung herrscht in den Räumlichkeiten nicht nur angesichts der bevorstehenden Eröffnung, sondern zeigt sich als Grundstimmung und Arbeitshaltung generell bei Tim Berresheim. So nannte er sein Atelier „Studios New Amerika“; eine Würdigung der ersten Siedler, die nach Amerika aufbrachen, um dort ihre Träume in Freiheit umsetzen zu können. Doch die USA sind nicht seine Ziele der nächsten Monate, sondern Arbeit in Aachen und der Region. Anfang Oktober zeigt er seine in Kooperation mit der RWTH entstandene künstlerische, selbstverständlich computergenerierte Inszenierung des neuen Superrechners, dann folgt unter anderem schon bald ein Schulprojekt, das sich bereits in der Vorbereitung befindet.

Neue Landschaften im digitalen Raum entdecken und inszenieren ist die Spezialität Tim Berresheims, der nun mit seinem Ausstellungsraum „Die Kabine“ alle kunstinteressierten Erwachsenen und Schüler einlädt, ihn und seine mehrdimensionale Kunst kennenzulernen.

Die Eröffnung an der Theaterstraße 66 findet am Samstag, 14. September, 11 Uhr, statt. Ausstellungsbesuche in der „Kabine“ sind montags bis freitags von 10 bis 17 Uhr möglich und nach Absprache per mail: info@studiosnewamerika.com.

Mehr von Aachener Zeitung