Aachen: Fast sicher: Musikschule bleibt

Aachen: Fast sicher: Musikschule bleibt

Die Misstöne sind verklungen. Zwischen Eltern der Musikschule, Politik und Verwaltung herrscht mittlerweile überwiegend Harmonie statt Dissonanz. Und eines zeichnet sich nun mit ziemlicher Sicherheit ab: Die Musikschule wird wohl in ihrem angestammten Domizil am Blücherplatz bleiben können.

Die Sanierung der Brandschutztechnik und des Gebäudebestandes - Kostenpunkt: insgesamt rund 2,5 Millionen Euro - wird wohl im laufenden Betrieb vorgenommen. Am Mittwochabend ist man auf dem Weg zu dieser Lösung ein ganzes Stück weitergekommen - bei einer groß angelegten Begehung der alten Baukunstschule sowie der Grundschule Eintrachtstraße, in die die Musikschule dem Willen der Verwaltung nach eigentlich umziehen sollte.

Rund 30 Vertreter aus der Elternschaft, aus Politik und Verwaltung waren zum Rundgang zusammengekommen. Dabei war es an Michael Ferber als Chef des städtischen Gebäudemanagements, die Ausmaße des Umbaus zu erläutern. „Wir haben viele Details vorgestellt bekommen”, berichtete Silvia Kleidon, langjährige Vorsitzende des Fördervereins der Musikschule im Anschluss.

Und natürlich machten die Betroffenen auch noch einmal ihre Sicht der Dinge deutlich. Nämlich dass man damit leben könne, den Betrieb der Musikschule am Blücherplatz auch während der Umbauphase aufrecht zu erhalten - was auch ausgewiesene Experten auf diesem Gebiet aus der Elternschaft untermauert hätten. Und dass kein Gebäude für ebendiesen Betrieb so gut geeignet sei wie eben dieses über 100 Jahre alte Haus. Wobei die Sanierung in Abschnitten erfolgen soll.

Einschränkungen sehen die Eltern nur wenige. So finde bis 15 Uhr, also zur Hauptarbeitszeit, mehr oder weniger nur die musikalische Früherziehung der Kleinsten statt. Für diese Kurse wird es hier und da Ausweichquartiere geben müssen. Zwar hätten Grundschulen Bedenken hinsichtlich einer dauerhaften Überlassung von Räumen geäußert. Aber für eine überschaubare Zeit sei dies durchaus möglich - etwa in der Grundschule an der Annastraße. Aufwendigere Arbeiten wie der Aus- und Einbau von Sicherheitstüren könnte in Ferienzeiten stattfinden.

Bei der Besichtigung des bereits von der Verwaltung verkündeten neuen Standortes an der Eintrachtstraße ergaben sich offenbar bei der Besichtigung auch Erkenntnisse. So zum Beispiel, dass die Turnhalle dort nicht einfach zum Konzertsaal umgebaut werden kann. Hier habe Dezernent Wolfgang Rombey erläutert, dass dadurch der Vereinssport massiv beeinträchtigt würde, wie Dieter Cohnen von der Elterninitiative für der Erhalt des Standorts Blücherplatz erläuterte. Und die da-runter liegende Gymnastikhalle komme auch nicht in Frage, wenn eine Etage höher Ballsport stattfinde. Zudem: Die Elternschaft stehe fest hinter dem Verbleib am Blücherplatz - und auch eine Lehrerkonferenz habe sich eindeutig für diese Variante ausgesprochen.

Und so wird immer wahrscheinlicher, was OB Marcel Philipp zunächst kategorisch ausgeschlossen und dann bei einer Pressekonferenz vergangene Woche doch für möglich erklärt hatte: besagter Verbleib während des Umbaus. Philipp hatte nach einem von CDU und Grünen initiierten Gespräch mit den Betroffenen, an dem er teilnahm, erklärt, in der Verwaltung habe es „Fehleinschätzungen” gegeben.

Das erklärte Grünen-Fraktionsgeschäftsführer Helmut Ludwig am Mittwochabend mit üblen Erfahrungen, die die Verwaltung beim Umbau einer Kita im laufenden Betrieb gemacht habe. Das sei eine unzumutbare Belastung für alle Beteiligten gewesen, so dass man sich danach gesagt habe, so etwas nicht noch einmal zu tun.

In der Musikschule seien die Voraussetzungen aber nun andere. CDU-Fraktionschef Harald Baal sagte, die Besichtigungen seien „erkenntnisstiftend” gewesen. Der OB habe ja schon gesagt, dass wenn alle mit dieser Lösung einverstanden seien, man dies ins Auge fassen werde. Auf die Frage nach einer Tendenz, wie sich der Rat denn bei der entscheidenden Sitzung am 23. Mai entscheiden werde, will Baal sich zwar nicht festlegen, meint aber vielsagend: „Man wird sicher nicht gegen die Musikschule agieren.” Und Helmut Ludwig erklärt: „Es würde mich überraschen, wenn man zu einem anderen Beschluss käme.” Die Fraktionen von CDU und Grünen werden in ihren internen Sitzungen am 21. Mai ihre Linie festlegen, die allerdings nun vorgezeichnet scheint.

Silvia Kleidon bekundet, der Optimismus sei nach dieser Besichtigung noch ein Stück größer als zuvor. Aber man bleibe trotz allem vorsichtig: „Wir werden nicht locker lassen, bis die Entscheidung feststeht.”

So zum Beispiel im Bürgerforum, das sich am 15. Mai (17 Uhr, Verwaltungsgebäude Mozartstraße) mit dem Thema Musikschule beschäftigt.

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