Aachen: „Familienfeuerwehr“ der Caritas sucht Verstärkung

Aachen: „Familienfeuerwehr“ der Caritas sucht Verstärkung

Wenn bei Irmgard Jonas das Handy klingelt, dann herrscht am anderen Ende der Leitung sprichwörtlich Not am Mann — oder der Frau. Schnelles Handeln ist gefragt. Doch gerade das ist für die Einsatzleiterin des Projektes „Familienfeuerwehr“ der Caritas momentan ein großes Problem. Denn dem Familiendienst fehlt es an ehrenamtlich Tätigen, die schnelle Hilfe in akuten Situationen leisten.

Solche Situationen können ganz verschieden sein, wie Jonas erklärt: „Wenn beispielsweise ein Kind krank wird, die Mutter aber arbeiten muss, dann kann man uns anrufen. Wir schicken dann einen Ehrenamtler zu der Familie, der vor Ort hilft.“

Überwiegend sind es alleinerziehende Mütter, die sich an die Familienfeuerwehr wenden, aber auch ältere Menschen und überlastete Familien suchen die unkomplizierte Unterstützung. Seit neun Jahren existiert das Projekt, das sich ausschließlich durch Spenden finanziert. Wie häufig Jonas Telefon klingelt, lässt sich nicht pauschal sagen. Rebecca Sohn ist einer der wenigen Ehrenamtler im Team.

Die Studentin lobt vor allem die Abwechslung, die dieses Amt mit sich bringt: „Ich begegne immer neuen Familien und dann ist es wichtig, schnell Vertrauen zu den Kindern aufzubauen, da wir uns ja alleine mit ihnen beschäftigen.“

Vorab wird geklärt, wie viel Zeit benötigt wird und was genau passiert ist, denn Krankenpflege oder Medikamentenverabreichung gehören nicht zu den Aufgaben der Familienfeuerwehr. Der ein oder andere versucht zudem, den Dienst für sich auszunutzen. „Aber wir merken schnell, ob wirklich Not am Mann ist, oder ob jemand einfach nur einen gratis Babysitter sucht, was wir nicht sind“, erklärt Jonas.

Heidi Baumsteiger, die Projektleiterin betont, dass auch eine enge Zusammenarbeit mit dem Jugendamt und Ärzten bestehe. Denn in manchen Familien sei es mit einer einmaligen Unterstützung nicht getan. Maximal drei Tage hintereinander besuchen Ehrenamtler, die regelmäßig geschult werden, eine Familie, bevor gemeinsam mit den Betroffenen nach weiteren Hilfen gesucht wird.

Alleingänge zu Ämtern sind für die Familienfeuerwehr tabu, wie Baumsteiger hinzufügt: „Uns ist es wichtig, dass wir gemeinsam an den Missständen arbeiten und nicht ohne Wissen der Eltern handeln. Nur wenn es wirklich kindeswohlgefährdende Zustände sind, handeln wir natürlich sofort.“

Dass die „Brände auch weiterhin erfolgreich gelöscht“ werden können, wünscht sich Jonas sehr und blickt mit ernster Miene auf ihr Handy. „Wir brauchen dringend Verstärkung und unser Team ist herzlich und offen für jeden.“ Und so harren Jonas und Sohn der Dinge, die da noch kommen können - immer einsatzbereit, um „Familienbrände“ zu löschen.