Aachen: Falscher Polizist prellt Seniorin um 355.000 Euro

Aachen : Falscher Polizist prellt Seniorin um 355.000 Euro

Eine 76-jährige Aachenerin übergibt einem vermeintlichen Polizisten 355.000 Euro, um ihr Vermögen vor Betrügern zu retten — und wird dabei um ihr Geld gebracht, weil sich der Polizist als falscher entpuppt: Dieser Fall aus dem vorigen Jahr, den die Aachener Polizei am Mittwoch bekanntmachte, steht für ein neues Phänomen, das auch in der Aachener Region immer weiter um sich greift.

Denn gehörten „falsche Polizisten“ 2016 noch gar nicht zum Repertoire der Trickbetrüger, wurden im vorigen Jahr in der Städteregion 338 solcher Fälle verzeichnet. Damit macht diese Masche über die Hälfte der 603 Taten aus, in denen 2017 versucht wurde, alte Menschen zu betrügen.

Auf den Fall der Aachenerin waren die Ermittler durch Frankfurter Kollegen aufmerksam gemacht worden. Diese hatten „Fake“-Telefonnummern überwacht, die als „110“ im Display erscheinen, und festgestellt, dass auch die 76-Jährige angerufen worden war. Bei ihr hatte sich ein Anrufer als Polizist ausgegeben und mitgeteilt, dass ihren Konten Abbuchungen durch Betrüger drohten. Da zu der Bande auch Bankangestellte gehörten, solle sie ihr Geld zur sicheren Verwahrung der Polizei überlassen. Die Frau übergab ihm zunächst 300.000 Euro. Später meldete sich der Mann erneut und brachte die Seniorin dazu, weitere 55.000 Euro abzuheben.

Diesmal spielte er ihr ein fingiertes Telefonat vor, das belegen sollte, dass Bankmitarbeiter in den Betrug verwickelt sind. Die vermeintliche Leichtgläubigkeit der oft sehr alten Opfer in solchen Fällen relativieren die Ermittler: Bei dieser „ausgefeilten Betrugsmasche“ handelten „auf höchstem Niveau geschulte Täter“. Die Opfer würden professionell ausgekundschaftet und „ganz gezielt ins Visier genommen“.

Im Fall des Würselener Künstlers Albert Sous, den Trickdiebe um Schmuck im Wert von rund 250.000 Euro gebracht hatten, können die Ermittler derweil einen Erfolg verzeichnen: Zwei Verdächtige seien festgenommen worden, ein dritter habe sich selbst gestellt, hieß es am Mittwoch bei der Präsentation der Kriminalstatistik für 2017 im Aachener Präsidium. Was ins positive Gesamtbild passt: Insgesamt ist nicht nur die Zahl der Straftaten in der Städteregion um 4464 Fälle (8,3 Prozent) gesunken, sondern auch die Aufklärungsquote gestiegen. Vor allem bei Wohnungseinbrüchen, Autodiebstählen und Straßenkriminalität sind die Zahlen der Delikte rückläufig.