Aachen: Fahrräder und Mathematik: Junge Flüchtlinge werden unterstützt

Aachen: Fahrräder und Mathematik: Junge Flüchtlinge werden unterstützt

Etwa 110 jugendliche Flüchtlinge besuchen die reformpädagogische Sekundarschule am Dreiländereck. Für einige von ihnen steht neben Deutsch und Mathematik auch Fahrradfahren auf dem Stundenplan. Doch wenn die Schule im Sommer 2016 schließt, hat auch das von der Bürgerstiftung Lebensraum unterstützte Projekt keine Heimat mehr.

Die Idee, die Schüler am Kronenberg mit Fahrrädern auszustatten, stammt von einer Gruppe ehrenamtlich engagierter Herren. Gemeinsam mit fünf Freunden verspürte Dieter Weinkauf den Drang, etwas zum Wohl der vielen unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge beizutragen. Mit Unterstützung der Bürgerstiftung Lebensraum konnten etwa 40 gespendete Fahrräder gesammelt werden. Viele davon waren jedoch noch nicht tauglich für den Straßenverkehr — und ebenso ging es einigen der zukünftigen Besitzer.

Um Jugendliche und Fahrräder fahrbereit zu machen, sind die sechs Ehrenamtler daher regelmäßig an der reformpädagogischen Sekundarschule im Einsatz: Im Wechsel unterstützen drei von ihnen die Schüler im Deutsch- und Mathematikunterricht, während die anderen drei sich um die Fahrradausbildung kümmern. In der eingerichteten Fahrradwerkstatt werden die Drahtesel gemeinsam mit den Schülern auf Vordermann gebracht. Dabei werden auch technische Zusammenhänge und Wissen über Werkzeug und Reparatur vermittelt.

Auf dem Übungsplatz der Verkehrswacht üben die Jugendlichen in kleinen Gruppen das Verhalten im Straßenverkehr. Am Ende der „Fahrradausbildung“ steht eine Prüfung. Und wer den gesamten Prozess vom Aussuchen eines Rades über die Reparatur bis zum sicheren Fahren durchlaufen hat, darf das Rad behalten. 15 Fahrräder konnten bislang fit gemacht und in den Einsatz gebracht werden.

Finanziert werden Werkzeug und Zubehör wie Helme und Schlösser aus Spenden von Privatpersonen und von der Bürgerstiftung Lebensraum Aachen. In Zusammenarbeit mit der Schulleitung und den beteiligten Lehrern ist ein „Musterbeispiel für bürgerliches Engagement“ entstanden, so Norbert Greuel von der Bürgerstiftung. Die Stiftung setzt seit einem Jahr mit dem Projekt „Willkommen“ ein positives Zeichen in der Flüchtlingsdebatte und unterstützt besonders unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. So unterrichten an etlichen Aachener Schulen viele Ehrenamtler in internationalen Förderklassen oder übernehmen Patenschaften für Minderjährige.

Doch am Kronenberg wird das Projekt zum kommenden Sommer auslaufen: die Schule am Dreiländereck wird geschlossen, die Schüler müssen neu verteilt werden. Die entstandene Gemeinschaft wird so aufgelöst, bedauert Klaus Greven aus der Gruppe der Ehrenamtler. Mitten in der Aufarbeitung ihrer Traumata würden die Geflüchteten einer neuerlichen Entwurzelung ausgesetzt. In internationalen Förderklassen wird zunächst vor allem Wert darauf gelegt, die Deutschkenntnisse von Flüchtlingen an die der anderen Schüler anzupassen. Dieses Konzept wird häufig als abschottend kritisiert, doch an der reformpädagogischen Sekundarschule funktioniere es hervorragend: die Schüler könnten dadurch erst wieder das Gefühl von Sicherheit und Vertrauen erfahren.

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