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Aachen: Fachdienst „Autismus und Arbeit“ unterstützt bei der Suche nach Jobs

Aachen : Fachdienst „Autismus und Arbeit“ unterstützt bei der Suche nach Jobs

Hürden und Stolpersteine beseitigen, um Menschen mit Autismus eine berufliche Tätigkeit zu ermöglichen: Das hat sich die Lewac gGmbH zum Ziel gesetzt und zu diesem Zweck den Fachdienst „Autismus und Arbeit“ (FAA) ins Leben gerufen.

Seit Ende 2017 unterstützen hier die Psychologin Anne Bohr und die integrative Heilpädagogin Birgit Frenz Betroffene bei der Suche nach einem Job. Sie wollen Brücken bauen zwischen potenziellen Arbeitgebern und Menschen aus dem Autismus- Spektrum. „Damit bei der Kommunikation nichts schiefgeht, braucht es oft so etwas wie einen Übersetzer“, meint Ulrike Feldmann-de Vet, Geschäftsleitung.

Denn dass ein Autist sich in der Arbeitspause auch schon mal zurückzieht und vielleicht auch sonst Verhaltensweisen an den Tag legt, die möglicherweise brüskieren, kommt bei den Arbeitskollegen auf Dauer womöglich nicht gut an. Genau in solchen Situationen wollen die Fachfrauen die Kommunikationsschwierigkeiten aus dem Weg räumen. Ihre Unterstützung setzt aber schon viel früher an.

„Wir helfen Autisten, die ihren Arbeitsplatz verloren haben, die nach der Schule oder dem Studium keinen Arbeitsplatz finden, oder die gar nicht so recht wissen, welche Arbeit oder welcher Beruf für sie in Frage kommen könnten“, sagen die Beraterinnen.

Hinter dem Begriff „Autismus-Spektrum“ verbergen sich unterschiedliche Formen des Autismus wie Asperger und High Functioning Autismus. Die Betroffenen weisen zum Teil ganz unterschiedliche Symptome auf. Wichtig ist dem Fachdienst, dass jeder einzelne Ratsuchende ganz individuell wahrgenommen wird. Erst dann sei es auch möglich, ein passgenaues Arbeitsangebot zu finden.

Das schlimmste Klischee über Autisten ist demnach, dass sie alle gleich sind. Und dass sie keine sozialen Kontakte wollen, ist laut Anne Bohr auch nicht richtig. „Natürlich wollen sie die. Sie wollen einen Freund oder eine Freundin, aber sie wissen oft nicht, wie sie das anstellen sollen.“

Ihre Andersartigkeit macht Autisten oft zu Mobbing-Opfern und Außenseitern. „Eine gezielte Hilfestellung kann da viel bewirken“, sind die Fachberaterinnen überzeugt. Sie üben im Rollenspiel Bewerbungsgespräche und nehmen bei Bedarf auch Kontakt zum Arbeitgeber auf. Und sie brechen die Erwartungen der Betroffenen auf ein realistisches Niveau herunter, denn Autisten überschätzen laut Ulrike Feldmann-de Vet nicht selten ihre Möglichkeiten.

„Menschen aus dem Autismus-Spektrum können in Betrieben gut arbeiten, vorausgesetzt ihre Kompetenzen können sich entfalten“, sind die Beraterinnen überzeugt. Wichtig sei aber, dass auch die Arbeitgeber sich mit den besonderen Regeln der Kommunikation vertraut machen.

„Autisten sind ehrlich, loyal und extrem zuverlässig“, sagen die Beraterinnen und sehen hier schon das erste Konfliktpotenzial. Denn eine kompromisslose Ehrlichkeit könne auch Probleme schaffen, meinen sie. Und große Veränderungen kommen demnach auch nicht immer gut an. Eine Fahrplan-Änderung bei Bus und Bahn kann Autisten so großes Kopfzerbrechen bereiten, dass sie möglicherweise sogar darüber nachdenken, ihren Job aufzugeben.

Das neue Beratungsangebot „Fachdienst Autismus und Arbeit“ ist in der Region einzigartig und wird vier Jahre lang von der Aktion Mensch gefördert. Dahinter steht zudem ein weites Netzwerk: Das Autismus-Therapie-Zentrum, der Integrationsfachdienst und der gerade erst gegründete Arbeitskreis „Autismus und Arbeit“ sind nur einige Einrichtungen, mit denen der Fachdienst im Austausch steht. Angesiedelt ist er bei der Lewac gGmbH, einem Gemeinschaftsunternehmen der Lebenshilfe und der Wabe, in der Jülicher Straße 352.