Europawahl: Daniel Freund aus Aachen kandidiert für die Grünen

Europawahl am 26. Mai : Europa-Freund will ins EU-Parlament

Am 26. Mai wird das neue EU-Parlament gewählt. Für die Grünen in Deutschland kandidiert der Aachener Daniel Freund. Der 34-Jährige rechnet sich gute Chancen aus, ins Europaparlament einzuziehen.

Europäischer geht ein Lebenslauf schon fast nicht mehr: Kindergarten im belgischen Raeren; Schulzeit in Aachen; Studium in Leipzig, Washington und Paris; Arbeitsplatz zuletzt in Brüssel. Da muss man den grünen Europakandidaten Daniel Freund fast nicht fragen, warum er für den europäischen Gedanken kämpft. Freund erklärt das trotzdem gerne und mit Leidenschaft. „Europa hat mein Leben seit dem Kindergarten stark geprägt“, sagt er. „Und die Europäische Union ist das beste Werkzeug, um die großen Themen unserer Zeit anzugehen.“ Den Klimawandel zählt er auf, die Digitalisierung, die Bekämpfung von sozialer Ungerechtigkeit und Korruption. „All das kann Deutschland doch nicht allein schaffen.“

Beim Thema Korruption ist der 34-Jährige ein ausgewiesener Fachmann. Seit 2014 leitet er bei der Nichtregierungsorganisation Transparency International die Arbeit zur Korruptionsbekämpfung in den EU-Institutionen. „Dabei sehe ich immer wieder, wie viel Geld durch Korruption verloren geht und wie die Demokratie dadurch bedroht wird“, sagt er. Als Europaparlamentarier möchte Freund diese Themen stärker in die Debatte einbringen. „Großkonzerne sollen auch einen Beitrag zum Allgemeinwohl leisten“, fordert er angesichts grassierender Jugendarbeitslosigkeit und großer Wohnungsnot in der EU. Auf der Bundesliste der Grünen in Deutschland, die von Ska Keller und Sven Giegold angeführt wird, kandidiert Daniel Freund auf Listenplatz 20 und rechnet sich damit gute Chancen aus, ins EU-Parlament einzuziehen.

Fürs Klima sei die anstehende Europawahl am 26. Mai eine Schicksalswahl, ist Freund überzeugt. „Die jungen Leute von ‚Fridays for Future‘ erinnern uns jede Woche daran, dass es kurz vor knapp fürs Klima ist.“ Die nächste EU-Legislaturperiode werde entscheidend sein in den Bemühungen um die Rettung des Weltklimas. „Und gerade für unsere Region ist das ein Kernthema.“ Im Grünen-Wahlkampf ist Daniel Freund im gesamten Rheinischen Braunkohlerevier unterwegs. „Wir haben die größte CO2-Quelle Europas vor der Haustür“, sagt er. Aber Initiativen wie die Entwicklung der Elektrofahrzeuge Streetscooter und e.GO oder aktuelle Forschungen zu Speichermöglichkeiten für erneuerbare Energien zeigen aus Freunds Sicht auch, welche Chancen im Klimaschutz stecken. „Hier können wir als Symbolregion für ganz Europa zeigen, wie man Klimawandel gestaltet und dabei neue Jobs schafft.“

Am Beispiel Klimaschutz verdeutlicht der 34-Jährige auch gern, was die so oft verteufelten EU-Gesetzgeber für 500 Millionen Europäer erreichen können. Reglementierte Energiestandards für Haushaltsgeräte, vom Wasserdurchlauf im Duschkopf bis zum Stromverbrauch des Staubsaugers, sparten so viel Energie wie ganz Dänemark in einem Jahr verbrauche, rechnet Freund vor. Wichtig ist ihm in Zeiten massiven wirtschaftlichen Wandels auch ein soziales Europa, das grenzüberschreitende Solidarität übt: „Wir dürfen niemanden zurücklassen.“

Aber wie soll es weitergehen mit dem großen Projekt Europa? Daniel Freund sieht in den Europa-Vorschlägen des französischen Präsidenten Emmanuel Macron zumindest eine Diskussionsgrundlage im Ringen um eine Reform der EU. Dass Bundeskanzlerin Angela Merkel auf Macrons Visionen nicht eingehe, sei falsch und geradezu eine „Gefahr für Europa“, findet er. „Stillstand ist der Boden, auf dem Unmut und Europaskepsis wachsen.“

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