Aachen: Europaplatz dicht: Starke Nerven gefragt

Aachen: Europaplatz dicht: Starke Nerven gefragt

Zehntausende Autofahrer brauchen jetzt starke Nerven. Und Durchhaltevermögen, am besten noch gepaart mit einer Portion Gelassenheit. Denn vor allem zur Berufsverkehrszeit am Morgen und Nachmittag herrscht auf einigen der wichtigsten Verkehrsachsen der Stadt seit Montag der Ausnahmezustand in Form langer Blechkolonnen.

Und das, weil einer der wichtigsten Knotenpunkte wegen Asphaltarbeiten gesperrt ist: der Europaplatz, im Volksmund bisweilen auch schlicht „Verteilerkreis“ genannt. Aber verteilen muss sich das Blech jetzt anderswo.

Und das führt schon an diesem Montag stellenweise zu großem Chaos, Stop-and-go-Verkehr und Hupkonzerten. Beispiel A 544: Da staut es sich allmorgendlich auch ohne Baustelle schon gewaltig. Jetzt wird der auf Aachen zurollende Fahrzeugstrom schon an der Abfahrt Rothe Erde abgeleitet auf den Berliner Ring.

Die ohnehin im Berufsverkehr überlastete Abfahrt hat jetzt noch mehr Autos und Lkw zu kanalisieren. Was den Stau auf der Autobahn deutlich in Richtung Aachener Kreuz verlängert. An diesem Montagmorgen staut sich der Verkehr auf der Autobahn zeitweise auf bis zu neun Kilometer Länge.

Fast überall wird es eng

Auf dem Berliner Ring selber wird es ebenfalls eng. Für jene, die aus Richtung Eilendorf kommen, sogar im wörtlichen Sinne. Für sie steht im Bereich der Autobahnabfahrt jetzt nur noch eine statt sonst zwei Spuren zur Verfügung, damit eben jener Verkehr von der A 544 exklusiv auf der rechten Spur besser abfließen kann.

Natürlich gibt es auch Autofahrer, die sich über die Folgen der Sperrung des zur Bundesstraße 1 gehörenden Europaplatzes schon vorab Gedanken gemacht haben. Und die von vorneherein versuchen, die schlimmsten Brennpunkte zu umkurven. Doch auch das gelingt nicht überall. In Haaren zum Beispiel. Dort bilden sich schon früh lange Schlangen in der Haarener Gracht, wo der Verkehr aus Verlautenheide ankommt. Auf der anderen Seite ist die Alt-Haarener Straße wegen der dortigen Groß- und Langzeitbaustelle im oberen Bereich immer noch eine Einbahnstraße, was die Sache auch nicht gerade leichter macht.

Ursprünglich hatte sich die Stadt den Europaplatz während der Sommerferien vornehmen wollen, weil der (Berufs-)Verkehr dann generell etwas spärlicher fließt. Und daran hatte man trotz starken Gegenwinds aus der Politik auch noch lange festgehalten. Heftige Kritik an diesem Vorhaben hatten die Planer bereits Anfang März dieses Jahres im städtischen Mobilitätsausschuss kassiert.

Der Grund: Ebenfalls in den Sommerferien stand auch eine sechswöchige Sperrung der Bahnlinie zwischen Aachen und Düren an. Damit verbunden war ein sogenannter Schienenersatzverkehr — also Busse, die die Fahrgäste über die Autobahn von Aachen nach Düren transportierten. Und just da wollten die städtischen Planer den Europaplatz dichtmachen. . .

Nicht wenige Politiker quer durch alle Fraktionen witterten damals einen Schildbürgerstreich, andere sprachen von einem „schlechten Witz“ — zumal die Verwaltung zunächst beharrlich bei ihrer Linie blieb. Noch Mitte April wurde die Fahrbahnsanierung am Europaplatz parallel zur Bahnsperrung erneut vehement im Mobilitätsausschuss verteidigt. Die Erneuerung der Asphaltschicht sei dringend nötig, da sich „aufgrund der mangelnden Griffigkeit bereits Unfälle ereignet“ hätten, hieß es damals.

Außerdem sei eine Verlegung der Maßnahme nicht ohne Weiteres möglich, weil sich die Ausschreibung bereits im Vergabeverfahren befinde. Verschoben wurde das Ganze dann aber doch. „Wir haben uns letztlich umentschieden und einen anderen Zeitpunkt gesucht und gefunden“, erklärt Axel Costard vom städtischen Presseamt auf Anfrage. Es habe außer Frage gestanden, dass man am Europaplatz nicht während der Reit-EM zu buddeln anfangen könne, also lege man nun jetzt gleich danach los. Eine noch spätere Ausführung der Arbeiten beispielsweise erst in den Herbstferien sei ausgeschlossen, so Costard: „Für Asphaltarbeiten braucht man gutes Wetter.“

Darüber zu spekulieren, welcher Termin für die Maßnahme der bessere gewesen wäre — in den Ferien oder jetzt — sei im Übrigen „müßig“, meint Costard. „Straßenarbeiten kommen immer ungelegen.“ Man werde aber in diesen Tagen auf den Umleitungsstrecken neuralgische Ampelkreuzungen — etwa Jülicher Straße/Prager Ring/Berliner Ring — im Auge behalten und gegebenenfalls die Ampelphasen anpassen. Was aber auch kein Allheilmittel sei, habe ein Eingriff an einer Stelle Auswirkungen auf das ganze System. „Es bringt ja auch nichts, die Staus auf andere Kreuzungen zu verlagern.“

Freie Bahn nur für „Straßen.NRW“

Freie Bahn hat dagegen zumindest für zwei Wochen der Landesstraßenbaubetrieb „Straßen.NRW“. Er nutzt die autofreie Zeit auf der A 544, um zwischen Europaplatz und Ab- bzw. Auffahrt Rothe Erde die Fahrspuren zu erneuern. Die eine Million Euro teure Maßnahme hat für die Autofahrer nur einen Haken: Sie wird weit länger dauern als die Sanierung des Europaplatzes — bis November. Wenn in zwei Wochen der Europaplatz wieder befahrbar sein wird, dann verfährt man bei „Straßen.NRW“ wie folgt: Sowohl stadtein- wie auch stadtauswärts wird es dann je eine Fahrspur statt zwei geben. Zu diesem Zweck wird der jüngst erst erneuerte Standstreifen genutzt. Zumindest für jene Pendler, die morgens über die Autobahn ins Aachener Zentrum wollen, drohen dann also weiterhin Staus.

Unter dem Strich wird wohl allen Betroffenen nur eines helfen: früher aufstehen, früher losfahren und immer schön locker bleiben.