Aachen: Europäischer Schüleraustausch: Von der Kleintierpraxis ins Designstudio

Aachen: Europäischer Schüleraustausch: Von der Kleintierpraxis ins Designstudio

Mittendrin in Europa angekommen sind die Schüler am Bischöflichen Pius-Gymnasium: Als Europaschule organisiert das Pius jedes Jahr europäische Schüleraustauschprojekte. Einmal ein Praktikum in dem Büro zu machen, in dem die Urkunde für den Internationalen Karlspreis entworfen wird: ein Traum, der für Marie-Charlotte Gour jetzt in Erfüllung gegangen ist.

Die Schülerin der Groupe Scolaire Saint Charles-La Providence aus Saint Brieuc hat an den Europäischen Berufspraktika in Aachen teilgenommen.

Seit 13 Jahren ermöglicht die Europaschule ihren Schülern im Rahmen des Europaprojekts diesen besonderen Austausch. Rund 400 Schüler nahmen bislang auf beiden Seiten teil, wie der Koordinator für Internationale Begegnung, Norbert Weitz, anlässlich eines Empfangs im Aachener Rathaus erklärte.

„Die Schule hat damit ein absolutes Alleinstellungsmerkmal erworben. Was die Jugendlichen hier für ihr Leben mitnehmen, geht weit über den normalen Schüleraustausch hinaus“, betonte Bürgermeisterin Dr. Margrethe Schmeer. Sie hatte die Schüler, ihre Betreuer und Gastfamilien zum Abschluss des Projekts in den Weißen Saal eingeladen. Nach einer kleinen Stadtführung und einer Dombesichtigung avancierte der Empfang bei der „frankophonen“ Bürgermeisterin zum Höhepunkt der Woche in Aachen.

Vier Tage waren die Jugendlichen zuvor in den Betrieben eingespannt, schauten etwa beim Kindermissionswerk, in einer Bäckerei, einer Buchhandlung oder in der Grundschule am Höfchensweg den Mitarbeitern über die Schultern. Kurz und intensiv war der Besuch der jungen Franzosen in Aix-la-Chapelle. „Der Élysée-Vertrag lebt. Das sieht man an diesem schönen Beispiel für das deutsch-französische Verhältnis“, freute sich Weitz, der das Austauschprogramm für die Berufspraktikanten mit viel Engagement auf die beine stellt. Natürlich wurden zum Erinnerungsfoto mit der Bürgermeisterin auch die deutsche, die französische und die europäische Fahne präsentiert.

„In der Kleintierpraxis, im Marienhospital oder im Design-Studio haben die Schüler über den Tellerrand geblickt, ihre Sprachkenntnisse verbessern können und erlebt, was europaweite Mobilität bedeutet“, schilderte Weitz. „Mir hat es sehr viel Spaß gemacht“, resümierte die Zehntklässlerin Marie-Charlotte, die bei Barbara Neumann im N&N-Design-Studio ihr Praktikum absolvierte. Denn dort durfte sie mehr als Kaffee kochen. „Wir haben dafür einen eigenen Praktikantenarbeitsplatz und freuen uns, jedes Jahr am Europaprojekt teilzunehmen“, betonte Neumann. Sie bezeichnete den jährlichen Besuch aus Frankreich als große Bereicherung. Sprachliche Probleme gab es bei den 34 französischen Auslandspraktikanten übrigens nicht: Mal spricht man Deutsch, mal Französisch.

Bereits im vergangenen November waren die Pius-Schüler zum Auslandsbetriebspraktikum nach Saint Brieuc gereist. Simon Oslender etwa schaute im Théatre La Pasarelle hinter die Kulissen, Sina Geissler schnupperte in die Gendarmerie hinein und Christian Middendorf war in einem Ingenieurbüro zu gat. 27 Schüler nahmen zeitgleich am „Euregionalen Denkmal- und Gedenkstättenprojekt“ teil, das den Jugendlichen entsprechende Sehenswürdigkeiten in Aachen und der Region näher brachte — abseits der touristischen Pfade und mit großem Erfolg.

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