Europäische Geschichte in Aachen

Ausleihbarer Fotokoffer : Direkter Weg zur Geschichte unseres Kontinents

Eintauchen in das Thema Europa und sich intensiv mit seiner Geschichte auseinandersetzen: Dazu will ein Kunstfoto-Koffer mit insgesamt 51 Bildern anregen, den die Direktorin der Agentur Magnum Photos, Paris, Andréa Holzherr, und Dr. Nina Mika-Helfmeier, Kulturreferentin der Städteregion, in Kooperation mit der RWTH Aachen erstellt haben.

Bei genauerem Hinsehen entpuppt sich der Koffer als massive Holzkiste, in die eine ganze Reihe von gerahmten Bilder eingehängt sind. Vorsichtig zieht Prof. Christian Kuchler, RWTH Aachen, den ein oder anderen Rahmen heraus. Gemeinsam mit Johannes Kuber, wissenschaftlicher Mitarbeiter, führt er vor, welche Anregungen das von ihnen erarbeitete didaktische Begleitmaterial gibt, um sich den Fotografien zu nähern.

Vor allem jungen Menschen sollen die Bilder einen unmittelbaren Zugang zu Europa verschaffen. Und dass gerade Bilder bestens geeignet sind, um historische Themen zu vermitteln, habe bereits eine ähnliche Aktion zum Thema „Menschenrechte“ gezeigt, sagen die Organisatoren. Mit dem aktuellen Projekt will das Kunst- und Kulturzentrum der Städteregion das oft so trocken behandelte Thema Europa lebendig gestalten. „Und das passt dann auch sehr schön zu den anstehenden Europa-Wahlen“, freut sich Städteregionsrat Dr. Tim Grüttemeier. „Wenn es eine Region gibt, die für Europa steht, so ist das unsere“, betont er noch.

Die ausgewählten Fotos zeichnen die Entwicklung Europas nach: Vom Ende des Zweiten Weltkrieges und den Anfängen des Kalten Kriegs, über Studentenrevolten, Wirtschaftswunder, Mauerfall, Jugoslawienkriege und Flüchtlingswelle bis hin zum Brexit. Die Bilder in Ruhe betrachten, sie vergleichen und sich fragen, was sie auslösen und in welchen Kontext sie stehen, ist eine Herangehensweise. Das didaktische Begleitheft bietet den Einstieg in verschiedene Themenblöcke: „Fotografien müssen eingeordnet und genau betrachtet werden“, betont Mika-Helfmeier zudem. Denn erst durch den Kontext, durch den Blick auf das Davor und Danach, würden sie authentisch.

„Die Kraft der Bilder ist groß – und sie tragen in erheblichem Maße zur Bewusstseinsentwicklung bei. Sich mit ihnen auseinanderzusetzen und sie ganz genau zu betrachten, eröffnet einen unmittelbaren Zugang zur Geschichte“, meinen alle gleichermaßen. Und sie wünschen sich einen offenen Dialog mit kritischen Reflexionen und freuen sich über jede Ergänzung, die zum Thema kommt. Schulen, Bildungs- und Kultureinrichten können den Fotokunst-Koffer für jeweils zwei Wochen kostenlos ausleihen.

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