Aachen: Eurogress soll die alte Spielbank retten

Aachen: Eurogress soll die alte Spielbank retten

Ob die Abrissbagger schon zum 100. Geburtstag des Neuen Kurhauses — dem früheren Spielcasino-Domizil — anrücken dürfen, ist völlig offen. Das wäre 2016. Denn die vergammelte Stahl-Glas-Konstruktion namens Lenné-Pavillon an der Kurparkflanke des neoklassizistischen Prunkbaus an der Aachener Monheimsallee will wohl niemand sanieren.

Der ehemals glamouröse Wintergarten kann angerissen werden. Zumindest das steht so gut wie fest.

Adieu Roulette: Tausende Metallketten an der über zehn Meter hohen Decke sollen im ehemaligen Spielcasino einem Veranstaltungssaal weichen.

Wer hingegen für 20 bis 30 Millionen Euro erst bei Sanierung und Umbau des denkmalgeschützten Hauptgebäudes und danach in Sachen Vermarktung beziehungsweise Bespielung der aufpolierten Veranstaltungsflächen auf tausenden Quadratmetern Regie führt, bleibt auch nach über zweijährigen politischen Beratungen unklar. Die politischen Vertreter im Betriebsausschuss Eurogress — die scheinbar tatsächlich keine Ahnung haben, mit welchen mietwilligen Entertainment-Unternehmen und Beratungsfirmen Oberbürgermeister Marcel Philipp hinter verschlossenen Türen verhandelt — vertagten das Thema „Was wird denn jetzt aus dem Kurhaus?“ deswegen Dienstagnachmittag ein weiteres Mal.

Was geht? Das Kurhaus wird künftig wohl ohne Lenné-Pavillon (kl. Bild) auskommen. Foto: Michael Jaspers

Vergangene Woche verzichtete die Verwaltung sogar darauf, die Kommunalpolitik über die kurzfristige Absage eines Spitzengesprächs zwischen OB, Westspiel und deren favorisierter „Entertainmentberatungsfirma“ zu unterrichten. Was SPD-Chef Karl Schultheis Dienstag zornig mit den Worten „Ich krieg‘ hier ‘nen Fön“ kommentierte. Denn in dem Gespräch hätten die Weichen für die Zukunft des Kurhauses gestellt werden können. Stattdessen: Fehlanzeige.

Nach der Sommerpause, am 15. September, will der Betriebsausschuss einen neuen Anlauf unternehmen. Dabei favorisieren die meisten Mitglieder des auf der Stelle tretenden Gremiums mangels attraktivem Partner aus der Entertainment-Welt längst die Geschäftsführung des Eurogress. FDP, Linke und Teile der SPD würden Eurogress-Geschäftsführerin Kristina Wulf am liebsten sofort beauftragen. Sie solle gemeinsam mit dem Gebäudemanagement der Stadt ein Umbau- und Veranstaltungskonzept erarbeiten, hieß es im Betriebsausschuss. Andere sind überzeugt, dass ein solches Konzept längst in der Schublade liegt.

Und wiederum andere — darunter der grüne Ratsherr Michael Rau — wiesen am Dienstag daraufhin, dass eine solche Beauftragung gar nicht Sache des Betriebsausschusses, sondern des Stadtrates sei. Der müsse sich nun aktiv einschalten. Hauptberuflich ist Rau übrigens ein enorm erfahrener Architekt. Was man wissen muss, wenn man ihn im Betriebsausschuss sagen hört: „Es ist eine Illusion, jetzt schon an Bauen zu denken. Erste Handwerker wird das Neue Kurhaus frühestens im Frühjahr oder Herbst 2017 sehen.“

Franz Plum (CDU) bat die anderen Fraktionen um drei Monate Geduld: „Wir haben schon so viele Runden gedreht. Wir sollten hier mit der Beauftragung des Euro-gress keine Nägel mit Köpfen machen, so lange der OB noch mit anderen verhandelt.“ Wie es weitergeht, will man nun intern in der großen Koalition ausloten. Das Eurogress würde das Kurhaus gerne neben dem überbuchten Kongress- und Tagungszentrum nutzen. Zudem ist eine multifunktionale Veranstaltungshalle für bis zu 700 Zuschauer im Kurhaus im Gespräch. Bloß: Wenn kein externer Entertainment-Magnet fürs Kurhaus gewonnen wird, könnte Casino-Betreiber Westspiel den Rückzug vom Ausweichstandort Tivoli an die Monheimsallee verweigern. So ist das vertraglich vereinbart. Kein Zweifel besteht nur daran: Die Jubiläumsparty fällt flach.

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