Aachen: Etliche Baumfällungen: Der Landesbetrieb macht wieder Kleinholz

Aachen : Etliche Baumfällungen: Der Landesbetrieb macht wieder Kleinholz

Wenn die „Harvester“ — zu Deutsch sagt man „Vollernter“ —anrücken, dann geht es ziemlich flott. Ruckzuck liegen zig Bäume darnieder. Die Effektivität der brachialen Maschinen konnte man dieser Tage zum Beispiel ausführlich an der Autobahnaus- und auffahrt in Verlautenheide beobachten. Dort — und nicht nur dort — sind jetzt mehrere bis dato üppig bewachsene Areale annähernd baumfrei.

Und während Politik und Bürger in Aachen oftmals um jeden Baum, der am Straßenrand niedergelegt wird, heftig diskutieren und streiten, geht das an den Autobahnen vollkommen „unbürokratisch“. Ohne vorherige Ankündigung — geschweige denn Diskussion — rücken die Maschinen an und schaffen Tatsachen. Das erzürnt manchen Bürger ebenfalls, was dann aber logischerweise zu spät kommt.

Kritiker nennen es „Kahlschlag“, der Landesbetrieb „Straßen.NRW“ spricht von „Gehölzpflege“: An der Autobahn — hier in Verlautenheide — wird derzeit wieder kräftig geholzt und gehäckselt. Foto: Michael Jaspers

Frage der Sicherheit

Fertig zum Abtransport: An der Auffahrt Verlautenheide wurden laut „Straßen.NRW“ 70 Prozent der dortigen Bäume gefällt. Foto: Michael Jaspers

Zuständig für die regelmäßigen Gehölzarbeiten an den Autobahnen ist der Landesbetrieb Straßenbau NRW („Straßen.NRW“). Dort weist man den Vorwurf, hier werde „Tabula rasa“ gemacht beziehungsweise ein Kahlschlag vorgenommen, wie in früheren Jahren auch schon weit von sich. Die „Gehölzpflege“, wie es der Landesbetrieb lieber nennt, müsse sein: „Wir können nicht zulassen, dass Bäume und Sträucher beispielsweise in die Fahrbahn hineinragen“, sagt Norbert Cleve von der Niederlassung Krefeld auf Anfrage.

Auch müsse sichergestellt sein, dass keine umsturzgefährdeten Bäume an den Autobahnen stehen, die etwa bei Sturm oder Orkan — wie in den vergangenen Wochen — auf die Fahrbahnen fallen können. Deswegen werde ein Sicherheitsstreifen freigehalten, der in der Regel eine Breite von sechs Metern habe, aber je nach dem auch bis zu 15 Meter breit sein könne.

Erbärmlicher Anblick

Cleve widerspricht auch Aussagen, der Landesbetrieb „rode“ ganze Areale: „Das tun wir nicht.“ Die Bäume würden so geschnitten, dass es auch wieder einen Austrieb geben könne. Sowohl Norbert Cleve als auch „Straßen.NRW“-Sprecher Bernd Löchter räumen ein, dass der Anblick solcher Flächen in Richtung erbärmlich geht. In spätestens anderthalb Jahren sehen das dann aber auch wieder anders aus, so Cleve.

Auch einen weiteren Kritikpunkt weist Cleve zurück. Jenen nämlich, dass sich durch die Baumfällungen der Lärmschutz für die Anwohner verschlechtere. Expertisen hätten längst nachgewiesen, dass Bäume erst bei einer bewaldeten Tiefe von 100 Metern einen Lärmschutz darstellten. Er könne sich lediglich vorstellen, dass man es als lauter empfinde, weil man anders als vordem die Autobahn nun sehe.

In Verlautenheide hat man nun jedenfalls einen deutlich besseren Blick auf die Autobahn. Und warum genau wurde dort massiv geholzt? Krank oder faul waren diese Bäume jedenfalls nicht, wie Löchter sagt. „An dieser Stelle handelte es sich um klassische Gehölzpflege“, so Löchter. Die Bäume hätten zu dicht gestanden und sich somit gegenseitig Licht und weitere Lebensgrundlagen genommen. So könnten nun wieder junge Bäume nachwachsen. In Verlautenheide seien 70 Prozent der Bäume gefällt worden.

Wirtschaftliche Gründe kommen bei derlei Anfragen nicht zur Sprache. Allerdings dürfte es die auch geben. Schon vor einigen Jahren berichtete unsere Zeitung von mengenmäßig kaum zu erfüllenden Holzlieferverträgen des Landes mit Unternehmen. Der damals schon hohe Holzpreis ist indes seither nochmals deutlich gestiegen. Auch ein Kostenaspekt könnte durchaus eine Rolle spielen: Einen nicht vorhandenen Baum braucht man weder aufwendig zu pflegen noch zu kontrollieren.

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