Aachen: Erster Spatenstich am Kaiserplatz — und ein neuer Name

Aachen: Erster Spatenstich am Kaiserplatz — und ein neuer Name

Baustart für das neue Einkaufszentrum am Kaiserplatz: Oberbürgermeister Marcel Philipp und die Projektpartner von ECE und Strabag Real Estate haben am Donnerstag den ersten Spatenstich an der Adalbertstraße gesetzt. Kaiserplatz-Galerie soll die Shopping-Mall aber nicht mehr heißen: Der neue Name des Shopping-Centers wurde nun bekanntgegeben.

Dass der Spatenstich am Donnerstag ins Wasser fällt, bedeutet diesmal keinen weiteren Aufschub. Bloß Regen. Bei Schmuddelwetter haben die Projektpartner ECE und Strabag Real Estate mit Oberbürgermeister Marcel Philipp am Donnerstag ganz offiziell die Festakt-Schaufeln in die Trümmerlandschaft an der Adalbert-straße gestoßen. Schampuslaune. Ende 2015 soll das 290 Millionen teure Einkaufszentrum zum Weihnachtsgeschäft öffnen.

Weil aber der Shopping-Palast mit fast sechsjähriger Verzögerung entsteht und dabei massenhaft Negativ-Schlagzeilen produzierte, wurde nun neben dem Bauloch auch gleich der Name „Kaiserplatz-Galerie“ begraben. Nach dem Willen der Investoren soll der Koloss aus Stahl, Glas und Beton ab sofort nur noch „Aquis Plaza“ heißen. Natürlich wegen des Aachener Quellwassers, wie Klaus Grages, ECE-Regionaldirektor West, der Festgesellschaft erklärt.

Innenansicht der geplanten Shopping-Mall an der Adalbertstraße. Foto: Grafik: ECE


„Meine Prognose ist, dass die Aachener die Mall auch noch in zehn Jahren Kaiserplatz-Galerie nennen“, entgegnet OB Philipp. Und lächelt. Die Stimmung ist trotz dunkler Wolken über der Baustelle prächtig. Ein halbes Dutzend ECE-Manager des Hamburger Milliarden-Konzerns, der weltweit 187 Shopping-Center betreibt, ist angereist. Für die Strabag Real Estate tritt Bereichsleiter Rainer Maria Schäfer ans Mikrofon: Er spricht von „einem Glücksfall für Aachen, bei dem die Besten zusammen angetreten sind“.

Für die ECE greift „Chief Investment Officer“ Josip Kardun zum Spaten. „Wir sind bei den Verhandlungen manchmal schier verzweifelt“, erinnert er an den Immobilienpoker um 43 Parzellen und die zähen Gespräche mit den vormaligen Projektbetreibern aus den Niederlanden. Dass der über dubiose Immobiliengeschäfte zu Fall gebrachte „Erfinder“ der „Kaiserplatz-Galerie“, der Aachener Architekt Hans Kahlen, in diesen Tagen eine mehrjährige Haftstrafe antreten musste (wir berichteten), blieb am Donnerstag nur eine Randnotiz. Er spielt bei der Verwirklichung des Projekts schon lange keine Rolle mehr.

Die Szenerie am Kaiserplatz lässt keinen Zweifel am Baubeginn aufkommen. Die Rundfahrt an St. Adalbert ist gesperrt. Fünf Monate sind einkalkuliert zur Verlegung unterirdischer Versorgungsleitungen. Erst dann kann der Tiefbau für den Tunnel ins Parkhaus beginnen. Das Reiterdenkmal mit Kaiser Friedrich muss darum Ende Mai um einige Meter weichen. Große Baumaschinen treiben unterdessen den Abriss der letzten Häuser auf dem Shopping-Terrain voran, daneben setzen die Archäologen ihre Arbeit fort. Bis zum Jahresende soll die riesige Baugrube ausgehoben sein, die nach Angaben von Projektleiter Mark Apelt bis zu 17 Meter tief reicht. Ab 2014 wird der Aachener „Aquis Plaza“ tatsächlich zügig wachsen sehen. „Im Oktober 2014 ist der Gebäudeumriss erkennbar“, sagt Apelt. Schließlich folgen Parkhaus, Fassade und Innenausbau — Eröffnung Ende 2015, spätestens im Frühjahr 2016.

„Die kommenden zweieinhalb Jahre werden verdammt anstrengend“, erklärt Philipp. Massiver Baustellenverkehr, Lärm, Dreck — und nicht zuletzt erhebliche Verkehrsstaus werden das Bauvorhaben zwangsweise begleiten. Die Händler der „ISG Kleine Adalbert-straße“, die neben der Kaiserplatzbrache seit Jahren unter extremen Umsatzeinbußen leiden, haben derweil „feierliche Spatenstich-Angebote“ mit Rabatten von bis zu 20 Prozent angekündigt.

Wohin die Kundschaft nach Einweihung des „Aquis Plaza“ strömt, will Aachen nicht dem Zufall überlassen. Spezielle Marketingaktionen sollen Einzelhändler in der historisch kleinteiligen Einkaufsaltstadt beflügeln, kündigt der OB an. Damit der traditionelle Einzelhandel abseits des „Aquis Plaza“ nicht im Regen steht.

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