Ernährungsrat in Aachen gegründet

Lebensmittelversorgung : Auch Aachen hat jetzt einen Ernährungsrat

In vielen Städten sind sogenannte Ernährungsräte schon aktiv, nun gibt es auch in Aachen einen. Knapp 30 Menschen kamen am Dienstag zur Gründungsversammlung in der Gaststätte „Pfannenzauber“ zusammen, um sich im Ernährungsrat Aachen/Euregio für eine regionale, gesunde und nachhaltige Lebensmittelversorgung stark zu machen.

Die Vorarbeiten laufen schon seit knapp einem Jahr, wie Anja Schmid, eine der Initiatorinnen, berichtet. Gemeinsam mit Manfred Lieber war sie bereits in der Slow Food-Bewegung aktiv, die sich ebenfalls für ein bewussteres und regional orientiertes Essen einsetzt und damit ein Gegengewicht zum durchdesignten globalisierten Fast Food-Angebot setzen will.

„Essen ist politisch“, sagt Anja Schmid aus tiefster Überzeugung. Eben deswegen ist es ihr so wichtig, die Menschen dazu zu bringen, über ihre Ernährung und ihr Konsumverhalten nachzudenken. Denn auch das Einkaufen ist politisch, unterstreicht sie. Was bedeutet es, zu jeder Jahreszeit jede Sorte Obst und Gemüse kaufen zu können? Welche Lieferketten müssen dafür geschaffen werden? Welche Folgen hat das für die Umwelt? Wieso kann das Fleisch in manchen Supermärkten und Discountern eigentlich so billig sein? Welches Tier hat dafür welchen Preis gezahlt? Wie wurde es gehalten? Wie geschlachtet?

Als Landschaftsplanerin und Gärtnermeisterin habe sie sich immer schon viel mit Ernährungsfragen und auch den internationalen Auswirkungen von Landwirtschaft befasst, sagt Anja Schmid. Die Ernährung müsse wieder „umwelt- und menschenverträglicher“ gemacht werden, findet sie. Ernährungsräte könnten dazu einen guten Beitrag leisten.

Dabei geht es nicht um ein festes Gremium mit Gewählten und Stimmberechtigten, sondern um eine Initiative, die all jenen offensteht, die etwas beizutragen haben zu einem lokalen Ernährungssystem. Landwirte, Imker, Gärtner Gastronomen, Köche in Mensen und anderen Großküchen und auch verarbeitende Betriebe sind willkommen. Auch kirchennahe und entwicklungspolitische Organisationen wie Inkota und Misereor sind dabei. Und mit der Verwaltung und der Politik strebe man ebenfalls eine Zusammenarbeit an, wobei der Ernährungsrat parteipolitisch strikt unabhängig bleiben will.

Nach der Gründungsversammlung wolle man nun sehr schnell an die Arbeit gehen und konkrete Ziele ansteuern, kündigt Anja Schmid an. So wolle man unter anderem den Direktvertrieb von Lebensmitteln fördern und etwa Produzenten mit Gastrobetrieben zusammenbringen. „Viele wissen ja gar nichts voneinander“, sagt Schmid. Denkbar sei etwa eine Gastromesse, auf der dann etwa auch die Betreiber von Schulmensen mit regionalen Erzeugern in Kontakt treten könnten.

Die Ernährungsräte gehen auf eine studentische Initiative in den USA aus dem Jahr 1982 zurück, die Lücken in der Nahversorgung schließen wollte. Im Laufe der Jahre wuchs ihre Bedeutung für die Ernährungspolitik in den USA. Anfang des Jahrtausends wurde die Idee auch in Europa populär, 2016 wurden die ersten deutschen Ernährungsräte in Köln und Berlin gegründet. Seitdem gibt es einen regelrechten Gründungsboom in vielen weiteren Städten.

Wer Kontakt zur Aachener Gruppe aufnehmen will, muss zurzeit noch die Mailadresse der Initiative Slow Food nutzen: aachen@slowfood.de. Einen eigenen Internetauftritt des Aachener Ernährungsrats gibt es noch nicht, er ist in Arbeit.

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