Erinnerung an das jüdische Ghetto in Litauen

Darf man auf dem Friedhof Theater spielen?

Showtanz, Musik und bunte Kostüme sind für Orte der Freude gedacht, nicht aber für ein jüdisches Ghetto in Litauen 1942. Darauf wollte auch Jehoshua Sobol hinweisen, als er 1984 das Theaterstück „Ghetto“ veröffentlichte, das genau von diesem absurden Szenario erzählt, welches sich tatsächlich vor 77 Jahren im Ghetto von Wilna abspielte. Ihm Rahmen der Projektwoche „Kulturhaus Barockfabrik redet Tacheles – jüdisches Leben heute und damals“ bringt die Theaterschule Aachen das erfolgreiche Stück ab Freitag, 14. Juni, auf die Bühne im Space des Ludwig Forums.

Und darum geht es genau: Jakob Gens, Chef der jüdischen Ghettopolizei, arrangiert sich während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg mit dem SS-Führer Bruno Kittel. Der gleichwohl von Jazz-Musik besessene, aber auch unberechenbare Offizier lässt ein Theater eröffnen und fordert die Juden zum Schauspielern auf. Gens Motto lautet „Arbeiten, um zu überleben“, und um den Lebenswillen und die Hoffnung der Juden zu stärken gründet er für Kittel eine Theatergruppe. Gens stößt auf Proteste unter den Ghettobewohnern. Diese stellen eine Frage, die das ganze Stück verfolgt „Darf man auf dem Friedhof Theater spielen?“.

Regisseur Roman Kohnle kann sich kein besseres Stück für die Themenwoche denken: „Sobols Stück basiert auf wahren Begebenheiten, die damals von dem Bibliothekar Hermann Kruk in Wilna niedergeschrieben wurden“. Was das Stück noch echter macht, ist die Musik, denn alle Lieder, die auf der Bühne zu hören sind, sind historische Lieder, die von den Juden im Ghetto geschrieben wurden.

Gespielt wird das Stück von einem Ensemble der Theaterschule. Eines macht das Stück besonders: „Es spielen Schauspieler aus allen Semestern mit“, erklärt Kohnle stolz. „Die einen betreten mit diesem Stück das erste Mal die Bühne und die anderen gehen mit dem Stück hinaus in ihr Berufsleben“, freut sich der Regisseur.

Die Theaterschule kooperiert mit dem Kulturhaus Barockfabrik, um jährlich bis zu fünf Produktionen zu schaffen. „So werden die Studenten sofort in die Praxis geführt und wir bieten unserer Stadt Kunst und Kultur“, freut sich Ingeborg Meyer, Leiterin der Theaterschule.