Aachen: Erbpacht als Chance fürs Neue Kurhaus?

Aachen : Erbpacht als Chance fürs Neue Kurhaus?

Spätestens nach den jüngsten Nutzungsvorschlägen durch das Gebäudemanagement der Verwaltung ist die politische Debatte über die Zukunft des Neuen Kurhauses wieder voll entbrannt: Wie bringen wir das (Sanierungs-)Projekt für die gediegene städtische Residenz mit ihrem besonderen Stellenwert für die Badestadt Aachen auf die Zielgerade, ohne dass uns die Kosten davongaloppieren?

Die Grünen und die Piraten im Rat plädieren jetzt per Ratsantrag für eine einfache, aber aus ihrer Sicht denkbar sinnvolle Antwort auf die reichlich komplizierte Frage, die den Stadtrat in seiner nächsten Sitzung wohl wieder beschäftigen wird. Sie wollen den Prachtbau am Stadtpark nun sozusagen mit einem finanztechnischen Paukenschlag aus dem inzwischen vier Jahre andauernden Dornröschenschlaf wecken. „Niemand will dieses Gebäude verkaufen. Aber wir möchten, dass die Verwaltung prüft, ob man das Gebäude über einen Erbpachtvertrag einem privaten Investor überlassen kann“, erklärte Michael Rau, planungspolitischer Sprecher der Grünen, am Dienstag beim gemeinsamen Ortstermin mit seinem Ratskollegen Udo Pütz.

Repräsentativ, postkartentauglich — aber teuer: Die Kostenexplosion bei der geplanten Sanierung des Neuen Kurhauses und auch dessen künftige Bestimmung bereiten der Politik weiter Kopfzerbrechen. Zurzeit sind bis zu sechs Varianten zur Nutzung des Prachtbaus an der Monheimsallee im Gespräch. Grünen-Ratsherr Michael Rau und sein Piraten-Kollege Udo Pütz (kleines Bild v. r.) plädieren deshalb dafür, ein Erbpachtmodell zu prüfen. Foto: Michael Jaspers, Harald Krömer

Die Vorteile eines solchen Modells lägen schließlich auf der Hand, findet auch der Pirat Pütz. Wenn man das Objekt für einige Jahrzehnte — die Rede ist von 33 oder 66 Jahren — einem potenten Geldgeber überließe, könne die Stadt zumindest den größten Teil der Herrichtungskosten schlicht sparen. Zumal die angepeilten Gesamtinvestitionen für die umfassende Sanierung in allen bislang vorgeschlagenen Nutzungsvarianten bei mindestens 38 bis über 40 Millionen Euro lägen — zu viel, finden die Politiker.

Knackpunkt laufende Kosten

Wenn man das Objekt nun größtenteils dem Eurogress überlasse, wie es die SPD befürworte, oder Verwaltungseinrichtungen wie das Standesamt oder die Vereine aus der Klangbrücke dort unterbringe, fielen schließlich auch die laufenden Kosten weiter vor allem dem städtischen Haushalt zur Last. Ob das Spielkasino überhaupt Interesse an einer Rückkehr Richtung Monheimsallee habe, sei ohnedies mehr als fraglich, ebenso wie die Ansiedlung eines sogenannten Event-Museums. „Wir verstehen sowieso nicht, warum die Verwaltung in der jüngsten Ratssitzung einen solchen Druck erzeugt hat“, meint Pütz — eine Entscheidung bis Juni sei nicht erforderlich. Immerhin investiere die Stadt jetzt mindestens 20 Millionen Euro in den Umbau des Verwaltungsgebäudes Lagerhausstraße, enorme Summen müssten für eine weitere Feuerwache aufgebracht werden.

Die Neugestaltung des Bushof-Areals — und damit die Zusammenlegung von VHS und Bibliothek — stehe ebenso auf der Agenda. Auch durch die Umstellung von G8 auf G9 würden zeitnah hohe Kosten fällig, die weitere Sanierung des Freibads müsse zudem bald angegangen werden. „Deshalb sollten wir uns jetzt das gesamte Ensemble zwischen Quellenhof, Euro-gress und dem ehemaligen Knappschaftsgebäude in Ruhe anschauen, die baulichen und denkmalpflegerischen Aspekte für das größere Umfeld und entsprechende Anforderungen definieren, um eine Markterkundung für eine längerfristige private und gewerbliche Nutzung des Kurhauses zu veranlassen“, sagt Rau. Und: „Es gibt ja genügend potente Geldgeber, die uns ein solches Objekt aus der Hand reißen würden.“ Schließlich könnten diese — im Gegensatz zur Stadt — enorme Summen vor allem in Form von staatlichen Zuschüssen für die Denkmalpflege abschreiben.

So könnten Rau und Pütz sich durchaus vorstellen, einen großen Teil des Gebäudes für Büros, Kanzleien oder zum Beispiel eine Seniorenresidenz zu reservieren. Den zentralen Saal könne die Stadt gegebenenfalls immer noch als Veranstaltungsstätte übernehmen. Kurzum: „Wir sollten noch einmal gemeinsam über ein solches Modell nachdenken statt holterdipolter eine Entscheidung zu fällen“, betont Rau. „Das, was jetzt auf dem Tisch liegt, reicht uns — bei aller Anerkennung für die Arbeit des Gebäudemanagements — jedenfalls nicht.“

CDU: Zunächst Nutzung klären

Ob es den kleineren Oppositionsparteien gelingt, die große Koalition im Rat auf ihre Seite zu ziehen, ist indes offen. „Wir haben das Thema in den vergangenen drei Fraktionssitzungen intensiv diskutiert“, unterstreicht CDU-Fraktionschef Harald Baal. „Wir müssen jetzt zunächst genauer ausloten, was denn nun im Neuen Kurhaus stattfinden soll. Erst danach können wir klären, wie man das Ganze finanziert.“ Im Kern müsse die Frage beantwortet werden, „inwieweit wir zulassen, ob dieses repräsentative Gebäude langfristig der öffentlichen Nutzung entzogen werden kann“. Denkbar sei, zunächst einmal die notwendigen Investitionen in die Außenhülle vorzunehmen — ein Vorschlag, den auch Grüne und Piraten in ihrem Antrag formuliert haben.

Diese fordern nun, dass die Verwaltung bis zum Herbst auslotet, ob und wie ein Erbpacht-Modell aussehen könnte. Ob der Antrag reelle Chancen hat, ist freilich genauso offen wie die vielen Fragen nach den Alternativen. Jedenfalls habe auch die CDU den Oberbürgermeister gebeten, das Thema bereits in der nächsten Ratssitzung am 16. Mai wieder auf die Tagesordnung zu setzen, erklärte Baal. Und: „Auf eine Kostenexplosion à la Hamburger Elbphilharmonie im Kleinen ist mit Sicherheit niemand erpicht.“

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