Aachen: Er initiierte den Bau von Haus Grenzwacht

Aachen: Er initiierte den Bau von Haus Grenzwacht

Das „Hochhaus“, wie es im Volksmund genannt wird, gehört auch heute noch zu den markantesten Gebäuden der Stadt. Seine Entstehung geht auf Rudolf Lochner zurück, den Thomas Lochner in seinem Werk beschrieben hat. Er starb vor 75 Jahren.

Der jüngste Sohn des Aachener Tuchfabrikanten Rudolf Lochner und seiner Frau Gertrud, geb. Philips, wurde 1883 in Aachen geboren. Nach schulischer und universitärer Ausbildung war Lochner zunächst mehr als zehn Jahre lang tätiger Teilhaber an der 1913 gegründeten Waggonfabrik J. P. Goossens, Lochner & Co. KG in Brand. Danach machte er sich auch als Bauherr in Aachen einen Namen.

Staatliche Zuschüsse bleiben aus

Seit 1923 plante die Stadt Aachen den Bau eines Bürogebäudes auf dem vor dem Hauptbahnhof gelegenen Gelände, das vor allen Dingen den belgischen Besatzungstruppen zur Verfügung gestellt werden sollte. Bei den Planungen wurde davon ausgegangen, dass das Bauvorhaben überwiegend durch Mittel der Reichsregierung finanziert würde. Nachdem im Frühjahr des Jahres 1924 auf der Grundlage von Planungen des an der TH Aachen tätigen Hochschulprofessors Theodor Veil bereits die Baugrube ausgehoben worden war, blieb Mitte 1924 überraschend die erwartete finanzielle staatliche Unterstützung aus. Ein privater Investor wurde gesucht, um das Vorhaben doch noch zu realisieren.

Im Januar 1925 erfolgte dann seitens der Stadt Aachen die Veräußerung des Grundstücks an die Rudolf Lochner gehörende Lochner´sche Bauunternehmungs AG, die sich auch mit der weiteren Bauausführung befassen sollte. Lochner beauftragte umgehend den Düsseldorfer Architekten Prof. Emil Fahrenkamp, die Pläne Veils noch einmal zu überarbeiten. Mitte 1925 wurde schließlich mit dem Bau eines der ersten deutschen Hochhäuser auf Basis einer Stahlskelettkonstruktion am Vorplatz des Hauptbahnhofs begonnen. Die Berliner Illustrierte Zeitung stellte in ihrer Ausgabe vom 21. März 1926 diesen Bau zusammen mit dem Düsseldorfer Wilhelm-Marx-Haus, der Bremer Rolandsmühle und dem Kölner Hansahochhaus als Sensation dar. Das Gebäude sollte den ursprünglichen Planungen zufolge schon im Frühjahr 1926 bezugsfertig sein.

Nachdem das Stahlgerippe im Jahr 1925 zügig fertig gestellt worden war, konnte der Bau aufgrund von erheblichen Kostensteigerungen und damit einhergehenden finanziellen Engpässen jedoch zunächst nicht weitergeführt werden. Fast vier Jahre existierte das nackte Skelett des Lochnerhauses als Deutschlands bekannteste Investitionsruine.

Im Frühjahr 1927, nach schon knapp zweijährigem Baustillstand, gab es Überlegungen seitens der Stadt Aachen, einen Teil des Rohbaus käuflich zu erwerben, diesen fertigzustellen und dort ein Arbeitsamt unterzubringen. Die Pläne wurden nicht zuletzt auch aufgrund auch hier fehlender finanzieller Mittel verworfen. Im August 1927 forderte die städtische Baupolizei sogar, das stählerne Gerüst niederzulegen. Im Oktober 1927 schließlich beauftragte die Stadt Aachen die Essener Hochtief AG, das Bauvorhaben fortzusetzen.

Diese erwarb von Lochner Grundstück und Rohbau — bebaute Grundfläche 2240 Quadratmeter — und beauftragte den Architekten Jacob Koerfer, die Planungen erneut zu überarbeiten. Ab April 1929 wurde der Bau nach stark veränderten Plänen endlich weitergeführt. Nach seiner Fertigstellung im Februar 1930 wurde das nun „Haus Grenzwacht“ genannte Gebäude zu zwei Dritteln von der Stadtverwaltung genutzt und beherbergte neben einem Restaurant und mehreren Geschäften im rückwärtigen Teil das ehemalige Aachener Capitol-Kino, das über mehr als 1100 Sitzplätze verfügte und mit einer großen Kinoorgel der Fa. Welte & Söhne zur musikalischen Untermalung von Stummfilmen ausgestattet war.

1951 von der Stadt gekauft

Im Jahr 1951 kaufte die Stadt Aachen Grundstück und Gebäude an, Ende der 1950er Jahre wurden bauliche Erweiterungen vorgenommen und eine Wettersäule auf dem elfstöckigen Turm angebracht. In Zeitraum von 2003 bis 2007 wurde der Gebäudekomplex umfassend saniert, unter anderem wurden die aus den 1920er Jahren stammenden Stahlträger dabei mit Feuerschutzmaterialien ummantelt.

Das heutige, unter Denkmalschutz gestellte Hochhaus am Hauptbahnhof hat mit dem ursprünglichen Entwurf des zunächst als „Lochnerhaus“ bekannten Gebäudes nur noch recht wenig gemeinsam.

Rudolf Lochner, dessen Ehe kinderlos blieb, zog im Sommer des Jahres 1929 mit seiner Frau von Aachen nach Berlin um. Er starb vor 75 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit im Frühjahr 1939 im Alter von nur 55 Jahren in Berlin und wurde wenig später in Aachen beigesetzt.

Quelle: Thomas Lochner, Die Geschichte des Aachener Tuchfabrikanten Johann Friedrich Lochner und seiner Familie, Schnell - Verlag Warendorf, 1. Auflage 2013.

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