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Aachen: Er bewegt sich doch: Marktliner soll 700.000 Euro kosten

Aachen : Er bewegt sich doch: Marktliner soll 700.000 Euro kosten

Wenn er tatsächlich kommt, dann mit ziemlich großer Verspätung. Schließlich hat die FDP-Fraktion im Aachener Stadtrat schon im Februar 2014 die Wiedereinführung des 2001 aus Kostengründen eingestellten Marktliners beantragt. Bloß ist nichts passiert. Bis jetzt.

Gut zwei Jahre nach dem Antrag hat die Aseag nun zumindest berechnet, was es kostet, wenn man alle 7,5 Minuten eine neue Haltestelle vor dem Rathaus ansteuert, um das Geschäftsviertel rund um den Markt wieder besser ans Busnetz anzubinden: rund 700.000 Euro im Jahr. Bei weniger Service — sprich: einem 15-Minuten-Takt — käme man mit 380.000 Euro hin, heißt es in einer Vorlage für den Mobilitätsausschuss, der am 14. April im Verwaltungsgebäude Marschiertor tagt.

Anfang November vorigen Jahres hatte es auf AZ-Anfrage seitens der Stadtverwaltung noch geheißen, der Marktliner sei zu teuer, „aus Kostengründen“ sei er nicht vor 2020 zu realisieren. Allerdings kannte da noch keiner irgendwelche Kosten.

Die Aseag hatte sie nicht berechnet, weil sie nach eigenem Bekunden dafür keinen Auftrag erhalten hatte. Das lag daran, dass sowohl Verwaltung als auch Ratsmehrheit in dieser Sache die Füße still hielten, obwohl vor allem mit Blick auf das Aquis-Plaza-Projekt am Kaiserplatz rund um den Markt die Rufe nach einer besseren Busanbindung immer lauter wurden.

Und jetzt bewegt er sich doch. Nachdem die große Koalition das Thema Mitte November wieder auf ihre politische Agenda gesetzt und die Aseag in die Planung eingestiegen ist, könnte der Marktliner tatsächlich einmal losrollen. Das jetzt vorgelegte Konzept sieht eine City-Ringlinie vor, auf der vier Midi-Busse — am besten Elektrofahrzeuge — mit rund 40 Sitz- und Stehplätzen in einer Fahrtrichtung vom Markt über Neupforte, Bushof, Willy-Brandt-Platz, Kaiserplatz, Hauptbahnhof, Alter Posthof, Löhergraben und wieder zum Markt fahren — und das montags bis freitags von 8 bis 20 und samstags von 10 bis 20 Uhr.

Der Haken: Eigentlich ist die Einführung laut Verwaltung erst zwischen 2020 und 2027 vorgesehen. Lasse man den Marktliner früher losrollen, müssten die Kosten anderswo im Busnetz eingespart werden, was ohne „spürbare Einschnitte für andere Nutzer“ nicht möglich sei, heißt es in der Vorlage. Oder man müsse „zusätzliche Linienleistung“ bestellen. Soll heißen: Die Aseag bräuchte mehr Geld, und das müsste die Stadt als „Auftraggeberin“ zuschießen. Entscheiden muss nun die Politik.

Immerhin: Sollte der Marktliner zukünftig tatsächlich einmal seine Runden drehen, wird er die Verspätung wohl drastisch reduzieren. Denn im Alltagsbetrieb wird es dann wohl eher um Minuten als um Jahre gehen.