Entwicklung der Reha-Klinik-Landschaft in Aachen

Kurwesen in Burtscheid : Schwertbad hält am Standort Aachen fest

Wohin geht die Reise für das Kurwesen in der alten Bäderstadt Aachen? Können den beiden letzten Burtscheider Kurkliniken – der Rosenquelle und dem Schwertbad – attraktive Zukunftsperspektiven eröffnet werden?

Oder droht dadurch, dass das Schwertbad kürzlich in Würselen-Bardenberg einen neuen Standort etabliert hat, eventuell das Aus für den Titel „Bad Aachen“? Nein, sagt Wolfgang K. Hoever, Geschäftsführer der Inoges AG, die das Schwertbad 2015 gekauft hat.

Die Befürchtungen, das Schwertbad könnte Aachen verlassen, kamen bei einigen auf, als vor einigen Tagen bekannt wurde, dass die Inoges AG früher als geplant das Grundstück des ehemaligen Knappschaftskrankenhauses in Bardenberg übernommen hatte. Nicht erst im kommenden Jahr, sondern bereits vor einigen Wochen räumte das Würselener Rhein-Maas-Klinikum dieses Gelände – und zwar, wie es dort hieß, auf dringenden Wunsch der Inoges AG, die bereits im vorigen Jahr die Abteilung Psychosomatik des Schwertbads dorthin verlagert hatte.

Patientenzahlen steigen

„Wir brauchten den Standort Bardenberg dringend, um unseren Bedarf an Zimmern für die Patienten in den bestehenden Reha-Abteilungen unseres Hauses abzudecken“, erklärt Wolfgang Hoever auf Anfrage unserer Zeitung. Dadurch, dass die alte Rheuma-Klinik am Standort Aachen nicht mehr zur Verfügung stand, hätte man zu wenige Betten gehabt. „Da sind uns 40 Betten weggefallen. Und die Patientenzahlen steigen, darum brauchen wir den Platz.“ Einen Neubau in Aachen könne er sich immer noch gut vorstellen, doch die Gespräche um mögliche Standorte im Kurviertel bräuchten ihre Zeit, weil es die Interessen vieler Akteure zu berücksichtigen gelte.

Bei der Aachener Stadtverwaltung sieht man indes in dem schnelleren Zugriff auf den gesamten Standort Bardenberg, wo die Inoges AG in Kooperation mit dem Rhein-Maas-Klinikum einen großen „Gesundheitscampus“ etablieren will, offenbar keine Alarmsignale. Im Gegenteil: Hinter vorgehaltener Hand ist bei der Stadt von enger und vertrauensvoller Zusammenarbeit die Rede, von deutlichen Signalen, dass auf den Standort Aachen gesetzt werde. Und auch offiziell gibt sich die Verwaltung zuversichtlich: „Wir stehen in einem stetigen Kontakt und Austausch sowohl mit der Inoges AG als auch mit der Rosenquelle“, sagt Stefan Herrmann vom städtischen Presseamt.

Außerdem ist man guter Dinge, den Kurkliniken schon bald tatsächlich konkrete und vor allem positive Perspektiven bieten zu können. Liefern soll diese eine umfassende „Bedarfs- und Potenzialanalyse für den Kur- und Rehastandort Burtscheid“. Im Mai hatte der Rat beschlossen, ein solches Handlungskonzept extern in Auftrag zu geben. Mittlerweile ist laut Verwaltung das Ausschreibungsverfahren beendet und ein Vergabevorschlag erarbeitet worden. Dieser werde zurzeit noch vom Rechnungsprüfungsamt geprüft und danach den Ratsfraktionen zur Kenntnis gegeben, ehe die endgültige Vergabe erfolge, sagt Herrmann. Inhaltlich soll das Konzept laut Verwaltung unter anderem die Potenziale und Bedarfe des Kurortes Burtscheid, der Kur- und Rehaeinrichtungen und des Gesundheitswesens und Tourismus im Allgemeinen beleuchten. Zentraler Punkt ist aber auch eine Standortanalyse, die „die baulichen und räumlichen Aspekte und Möglichkeiten einer oder mehrerer Rehaeinrichtungen untersucht“, so Herrmann. Dabei werde auch „abgefragt, was aus unternehmerischer Sicht wichtig ist“.

Erfolglose Suche

Diese Standortanalyse dürfte für das Schwertbad der entscheidende Punkt sein, sucht man doch seit Jahren nach einem Grundstück für eine Rehaklinik, in die die Inoges nach eigenem Bekunden 100 Millionen Euro investieren will. Nachdem ein zwischenzeitlich in den Blick genommenes Grundstück an der Jägerstraße nicht in Frage kommt, weil es erst 2024 frei wird, war eine Nutzung des Klosters an der Michaelsbergstraße in Kombination mit einem Neubau im Kurpark im Gespräch. Auch von einer möglichen Übernahme der Rosenquelle durch die Inoges AG war die Rede – ehe es um das Thema wieder still wurde.

Nun soll es aber voran gehen. In drei bis vier Monaten werde das neue Kurkonzept vorliegen, sagt Herrmann. Das würde noch ins Zeitfenster der Inoges AG passen, deren Vorstandschef  Hoever im Frühjahr dieses Jahres davon gesprochen hatte, die Standortfrage müsse binnen zwölf bis 18 Monaten geklärt sein.

Zumindest etwas weiter sieht er sein Unternehmen an dieser Stelle: „Wir werden am Standort Aachen festhalten“, betont er. Auch eine Erweiterung des Betriebs in Burtscheid schließt er nicht aus. Doch ohne Bardenberg, das ist mittlerweile klar, geht es für die Inoges nicht mehr. Alleine schon deswegen, weil man dort in die Ausbildung künftiger Pflegekräfte investieren möchte. „Ich schätze, dass wir bis Ende des Jahres genau sagen können, welche Erkrankungen wir an welchem Standort behandeln möchten“, erklärt Hoever.