Aachen: Englische Schüler beweisen Mut

Aachen: Englische Schüler beweisen Mut

Tristan Blick spricht nicht sehr viel. Dennoch ist ihm anzusehen, dass ihm die Arbeit als Bedienung im Theatercafé große Freude bereitet. Dabei war der Schritt in ein neues Land mit fremder Sprache und fremden Menschen nicht leicht für ihn.

Mit drei weiteren mehrfach behinderten Schülern des National Star College in Gloucester (England) hat er den Sprung ins kalte Wasser gewagt und sich für ein zweiwöchiges Arbeitspraktikum in Aachen entschieden. „Das Praktikum hat alle Schüler sehr bereichert und sie unabhängiger gemacht“, sagt Sozialarbeiter James Garrod. Er ist einer der drei mitgereisten englischen Betreuer.

Zwei weitere Schüler des National Star College absolvieren ihr Praktikum auf Gut Hebscheid als Gartenwerker, ein weiterer im Sozialkaufhaus von Via in Stolberg. „Untergebracht sind sie im Internat des Vinzenz-Heims und verbringen ihre Freizeit mit unseren Berufskolleg-Schülern“, sagt Ingrid Schulte-Hoffmann, Lehrerin am Vinzenz-von-Paul-Berufskolleg für junge Erwachsene mit Körperbehinderungen.

Das Praktikum wird von der EU über das Leonardo-Projekt „Worksteps Europe“ gefördert. Einen Austausch zwischen dem National Star College in Gloucester und der Via gGmbH habe aber schon seit 2003 bestanden, so Schulte-Hoffmann. Sie hofft, dass Arbeitgeber durch das Austausch-Projekt der EU darauf aufmerksam werden, dass auch Menschen mit Mehrfach-Behinderung gute und wertvolle Arbeitskräfte sein können.

Im nächsten Jahr geht das Projekt in die zweite Runde. Dann sollen sieben Austauschschüler für ein Arbeitspraktikum nach Aachen kommen. Schulte-Hoffmann wünscht sich, dass der Austausch danach fortgesetzt werden kann. „Ich fände es schön, wenn Schüler des Berufskollegs für einen Arbeitspraktikum nach England gehen könnten“, sagt sie.

Dass alle Schüler profitieren, bestätigt auch Sozialarbeiter Simon Barnett: „Die Schüler des Berufskollegs haben jede Gelegenheit genutzt, um Englisch zu sprechen. Sie haben unseren vier Schülern so jede Angst genommen.“ „Ich werde auf jeden Fall noch einmal nach Deutschland kommen“, sagt Schülerin Laura Dunn. Mut und Offenheit haben alle bewiesen. Nun hoffen sie, dass ihnen Arbeitgeber mit ebendiesen Eigenschaften begegnen werden.